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22.01.2005

19:06 Uhr

Wegen Manipulationsverdacht

DFB ermittelt gegen Schiedsrichter

Schiedsrichter Robert Hoyzer wird verdächtigt, von ihm geleitete Spiele manipuliert zu haben. Der DFB-Kontrollausschuss hat Ermittlungen aufgenommen.

HB BERLIN. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat Ermittlungen gegen Schiedsrichter Robert Hoyzer wegen unsportlichen Verhaltens aufgenommen. Der Berliner steht im Verdacht, von ihm geleitete Begegnungen manipuliert zu haben. Damit habe sich Hoyzer nach den Ermittlungen des DFB-Kontrollausschuss-Vorsitzenden Horst Hilpert Geldvorteile verschafft. Hoyzer soll auf ein von ihm gewolltes Spielergebnis gewettet haben. Möglicherweise wird der HSV zivilrechtliche Schritte gegen den Referee einleiten. Der Referee ist inzwischen zurückgetreten und hat seinen Austritt aus seinem Klub Hertha BSC Berlin erklärt.

Konkret bezieht sich der Verdacht unter anderem auf das DFB-Vereinspokal-Spiel der ersten Runde am 21. August 2004 zwischen dem SC Paderborn und dem Hamburger SV (4:2). Die Hamburger hatten die Partie nach 2:0-Führung mit 2:4 verloren, nachdem Hoyzer zwei überaus strittige Foulelfmeter gegen sie verhängt und zudem Stürmer Emile Mpenza wegen Schiedsrichterbeleidigung vom Platz gestellt hatte.

Laut Darstellung des DFB ist nach einer ersten Prüfung eine nachträgliche Korrektur der unter Manipulationsverdacht stehenden Spielergebnisse auf Grund bestehender Bestimmungen in den Verbands-Ordnungen nicht möglich. Bezüglich weiterer, möglicherweise betroffener Spiele sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen.

Am Sonntag wäre Hoyzer als vierter Offizieller beim Bundesliga-Match zwischen Hannover 96 und Bayer Leverkusen vorgesehen gewesen. Stattdessen nominierte der DFB kurzfristig Norbert Grudzinski (Hamburg).

«Dies ist ein bedauernswerter und durch nichts zu entschuldigender Vorfall. Ich begrüße es ausdrücklich, dass Horst Hilpert in Abstimmung mit Schiedsrichter-Obmann Volker Roth sofort reagiert hat. Eine abschließende Bewertung muss der endgültigen Sachverhalts-Aufklärung vorbehalten bleiben. Ich gehe davon aus, dass die Angelegenheit konsequent verfolgt und lückenlos aufgeklärt wird. Nach unserem jetzigen Kenntnisstand handelt es sich um einen Einzelfall, der nicht zu pauschaler Kritik an unseren Schiedsrichtern führen darf», sagte der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger.

Auch Liga-Präsident Werner Hackmann, der ebenfalls am Freitagabend informiert wurde, forderte in voller Übereinstimmung mit dem DFB «im Sinne einer sauberen Liga» eine schnelle und vorbehaltlose Aufklärung aller möglichen Fälle der Vergangenheit.

DFB-Pressesprecher Harald Stenger sagte der Nachrichtenagentur sid: «Es hat von Seiten des DFB keine Verzögerung des Falles gegeben. Am Mittwoch haben wir vom Verdacht erfahren und sofort reagiert.» Darauf hin hatte Hilpert kurzfristig für Freitagnachmittag die Vernehmungen des Schiedsrichters und von Zeugen anberaumt. Hoyzer machte bei seiner Vernehmung keine Angaben. Er begründete dies damit, dass er nach seiner Vereinsaustrittserklärung nicht mehr der Disziplinargewalt des DFB unterliege. Im Gespräch mit Volker Roth, dem Vorsitzenden des DFB - Schiedsrichter-Ausschusses, hatte Hoyzer zuvor die Manipulations-Vorwürfe bestritten. Am Montag ist eine außerordentliche Sitzung des DFB-Präsidiums angesetzt.

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