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06.01.2005

08:00 Uhr

Weniger Zuschauerinteresse

Vierschanzentournee: Sprung in die Verlustzone

VonBenedikt Voigt (Handelsblatt)

Immer weniger Zuschauer verfolgen die Vierschanzentournee, die wohl am Ende der Wachstumsperiode angekommen ist.

HB BISCHOFSHOFEN. In einem ausrangierten Lifthäuschen mit der Aufschrift "Kassa" sitzt eine ältere Dame und wartet. Sie trägt eine Uniform, denn in Innsbruck müssen offenbar auch Kartenverkäuferinnen Rangabzeichen präsentieren. Vor ihr liegen fünf Stapel verschiedenfarbiger Eintrittskarten. "Es gibt noch fast alle Kategorien", sagt die Dame, "nur die teuersten Karten sind ausverkauft." Viele Kunden werden an diesem Nachmittag allerdings nicht mehr kommen. Der zweite Durchgang des Springens auf dem Bergisel hat längst angefangen.

Nur 17600 Zuschauer zählten die Veranstalter am Montag beim dritten Springen der Vierschanzentournee. 28 000 Zuschauer hätten im Bergisel-Stadion Platz gefunden. Für das heutige letzte Springen bei der Vierschanzentournee erwarten die Veranstalter noch einmal die üblichen 32 000 Besucher an der Paul-Außerleitner-Schanze (16.30 Uhr, live auf RTL). Doch auch hier deutet sich im Vorverkauf an, dass nicht mehr so viele Karten verkauft werden können wie in den Jahren zuvor. Beim zweiten Springen in Garmisch-Partenkirchen kamen 17 000 in ein Stadion, das 35000 fassen könnte. "Weil die Erfolge von Schmitt und Hannawald fehlen, bleiben viele deutsche Zuschauer weg", sagt Österreichs Traine Alexander Pointner. Seine Athleten springen zwar besser als die deutschen, aber ganz vorne landen sie gegenwärtig auch noch nicht. Trotz der zurückgehenden Zuschauerzahlen ist Alexander Pointner um die Vierschanzentournee nicht bange. "Die Zuschauer, die in Garmisch waren, kommen wegen des Sports", sagt Pointner, "das stimmt mich optimistisch."

Es mehren sich allerdings die Zeichen, dass der sportliche Abschwung der deutschen Springer bei der Vierschanzentournee auch wirtschaftliche Folgen nach sich zieht. Die Verkäufer von Fanutensilien sind unzufrieden mit dem Geschäft. "Es läuft schlechter als in den letzten Jahren", sagt eine Verkäuferin, die ihren Namen nicht nennen will. Ihr Mann hat eine Lizenz vom Deutschen Skiverband erworben, um die offiziellen Mützen, Schals und Fahnen während der vier Springen verkaufen zu können. Doch immer weniger interessieren sich für ihre Devotionalien. "Die Leute haben einfach weniger Geld."

Aber es gibt auch sportliche Gründe. "Es fehlt ein Renner", sagt sie, "die Deutschen springen nicht weit genug." Die Erfolge der Deutschen spiegelten sich früher direkt in ihrer Kasse wieder. "Wenn einer gut springt, dann kaufen die Leute sogar rosa Baseballmützen." Und die Fernsehquoten sinken weiter. Beim dritten Springen in Innsbruck schalteten nur noch 4,88 Millionen Zuschauer ein. Der Marktanteil von RTL rutschte von 34,1 Prozent im vergangenen Jahr auf nun 32,6 Prozent. Beim Neujahrsspringen sahen durchschnittlich 6,9 Millionen Fernsehzuschauer das Finale, 800 000 weniger als im Vorjahr. Vor zwei Jahren hatten sich noch 10,47 Millionen für dieses Ereignis interessiert. Es gibt bereits Gerüchte, dass RTL die Rechte am Skispringen der ARD angeboten haben soll. Deren Sportkoordinator Hagen Boßdorf bekundete gegenüber dem "Tagesspiegel" kein Interesse. "Dieses Skispringen ist nicht einmal die Hälfte von dem wert, was RTL dafür bezahlt", sagte Boßdorf. Gegenwärtig hat der Privatsender noch einen Vertrag mit dem Deutschen Skiverband und zahlt 70 Millionen Euro für fünf Jahre. Im November 2007 läuft dieser aus. Verlängerung unwahrscheinlich.

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