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28.01.2005

18:00 Uhr

Wettanbieter beklagt Millionenschaden

Oddset will Hoyzer vor den Kadi zerren

Der Wettanbieter Oddset erwägt erste rechtliche Schritte nach dem Skandal um den Schiedsrichter Robert Hoyzer, dem Unternehmen sei immerhin ein Millionenschaden entstanden. Unterdessen wartet der deutsche Fußball mit Spannung auf Hoyzers Enthüllungen. Viele andere Leute seien verstrickt, ließ er durchblicken.

Der Wettanbieter Oddset beziffert den Gesamtschaden durch die Schiedsrichter-Affäre auf eine Millionen Euro. Foto: dpa

Der Wettanbieter Oddset beziffert den Gesamtschaden durch die Schiedsrichter-Affäre auf eine Millionen Euro. Foto: dpa

HB MÜNCHEN. Oddset-Präsident Erwin Horak kündigte am Freitag in München an, wegen der Fußball- Manipulationsaffäre Strafanzeige wegen Betrugs gegen Hoyzer zu erstatten. Dem Wettanbieter sei in zwei Spielen ein Gesamtschaden von einer Million Euro entstanden. Oddset sei über sein eigenes Kontrollsystem auf die Unregelmäßigkeiten beim DFB-Pokalspiel Paderborn gegen Hamburger SV und bei der Partie der Regionalliga Nord Eintracht Braunschweig gegen FC St. Pauli aufmerksam geworden.

Der staatliche Wettanbieter wird nach Angaben seines Rechtsanwalts Dr. Manfred Hecker "auch gegen einen größeren Personenkreis strafrechtlich vorgehen, so weit weitere Täter bekannt werden". Horak erklärte überdies die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit den privaten Wettanbietern: "Wir wollen alles tun, damit derartige Vorkommnisse schon in einem Frühstadium vermieden werden können."

Über das eigene Kontrollsystem in der Münchner Zentrale, das sämtliche Wetteinsätze registriert und überprüft, war Oddset über ungewöhnlich hohe Einsätze auf einen Sieg Paderborns im Pokalspiel gegen den HSV am 21. August des vergangenen Jahres aufmerksam geworden. Mit Schreiben vom 28. August wurde der Deutsche Fußball- Bund (DFB) informiert. Zudem wurde über die in Berlin zuständige Lotteriegesellschaft die Berliner Kriminalpolizei eingeschaltet. In demselben Schreiben hat Oddset dem DFB auch über Auffälligkeiten beim Regionalligaspiel Braunschweig - St. Pauli (5. Juni 2004) berichtet.

Beide Begegnungen wurden von Hoyzer geleitet. "Nur diese beiden Spiele haben wir im Zusammenhang mit Hoyzer ausgemacht", erklärte Oddset-Leiter Wolfgang Feldner. Die ungewöhnlich hohen Wetteinsätze seien von einem namentlich bekannten Großkunden aus Berlin getätigt worden. "Der kommt öfters. Ob es ein Strohmann ist, oder für wen er wettet, wissen wir nicht", sagte Horak. Der Gewinn habe sich im Bereich einer sechsstelligen Summe bewegt.

Nachdrücklich stellte der Oddset-Chef fest, dass man alle im eigenen Verantwortungsbereich liegenden Maßnahmen ergriffen habe. "Nachdem jetzt zunehmend die Rede von Wettmafia, Schiebungen, Manipulation und Betrug ist, zeigt es sich, wie wichtig es ist, dass wir einen staatlich geregelten seriösen Markt haben", betonte Horak, "wir sind in der Lage, bundesweit solche Schieflagen festzustellen und wir sind auch nicht auf Gewinnmaximierung angewiesen." Dass die steuerlich nicht belasteten Privatanbieter höhere Quoten anbieten könnten, führe zu einer gefährlichen Anheizung des Spieltriebs.

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