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02.01.2010

10:00 Uhr

Winter-Olympiade

TV-Marathon wird olympische Disziplin

VonAndreas Schulte

ARD und ZDF senden von den Winterspielen aus Vancouver täglich 15 Stunden live - bei neun Stunden Zeitunterschied zwischen Kanada und Westeuropa werden die Zuschauer auf eine harte Probe gestellt. Rund 600 Millionen Euro haben die Öffentlich-Rechtlichen in Europa für die TV-Rechte bezahlt.

Die Organisation der öffentlich-rechtlichen Sender in Europa EBU hat sich die Rechte an den Olympischen Spielen 2010 und 2012 rund 600 Mio. Euro kosten lassen. Quelle: SID

Die Organisation der öffentlich-rechtlichen Sender in Europa EBU hat sich die Rechte an den Olympischen Spielen 2010 und 2012 rund 600 Mio. Euro kosten lassen.

KÖLN. Augen reiben! So lautet das Motto vieler Wintersportfans, die ab dem 12. Februar die Olympischen Spiele in Vancouver am Fernseher verfolgen werden. Der Grund dürfte nicht die erstaunliche Leistung des deutschen Teams sein, sondern ganz einfach die Müdigkeit der TV-Dauergucker. Neun Stunden beträgt der Zeitunterschied zwischen dem Westen Kanadas und Mitteleuropa. ARD und ZDF werden dennoch über nahezu jede Entscheidung live berichten.

Und so dauert eine Olympia-Nachtschicht von 18 Uhr abends bis neun Uhr morgens. Rund 221 Live-Stunden stehen auf dem Programm. Doch das reicht offenbar nicht: Auf zwei Digitalkanälen übertragen ARD und ZDF weitere 250 Stunden live.

Scharfe Spiele für 600 Mio. Euro

Dass ARD und ZDF das Ereignis gnadenlos ausschlachten, liegt wohl auch am Preis, den sie für die Übertragungsrechte bezahlt haben. Die Organisation der öffentlich-rechtlichen Sender in Europa EBU hat sich die Rechte an den Olympischen Spielen 2010 und 2012 rund 600 Mio. Euro kosten lassen. 2006 und 2008 waren es noch 485 Mio. Euro.

Bei dieser Preissteigerung kann der Gebührenzahler viel erwarten für sein Geld - selbst nachts. So übertragen die Sender im HDTV-Standard, mit dem bessere Fernsehbilder in die Schlafzimmer flimmern. "Das werden die schärfsten Spiele", kalauert ARD-Programmdirektor Volker Herres.

Die Öffentlich-Rechtlichen haben Glück: Populäre Sportarten kommen hierzulande zur besten Sendezeit an - Skispringen etwa und Biathlon. Diese Disziplinen könnten für Einschaltquoten sorgen, die den Preis für die Übertragungsrechte rechtfertigen.

In beiden Sportarten starten deutsche Athleten mit guten Chancen: Auf der Schanze überraschte jüngst der erst 18-jährige Überflieger Pascal Bodmer, und Biathlon gilt spätestens seit den Spielen 2006 in Turin als Medaillengarant. Biathleten und Skilangläufer gewannen 15 der 29 deutschen Edelmetalle. In diesem Winter läuft es zwar noch nicht so glatt. Der dreimalige Olympiasieger Michael Greis ist dennoch guter Dinge: "Wir werden bis Olympia sicher noch zulegen", sagt er.

Spiele ohne "Waldi und Harry"

Sich nicht mehr ins Zeug legen müssen "Waldi und Harry". Das Talk-Duo mit den Moderatoren Waldemar Hartmann und Harald Schmidt, das bei den Spielen 2006 und 2008 das Geschehen kommentierte, wurde von der ARD aus dem Programm genommen. Begründung: "Die Wettbewerbe gehen so weit in die Nacht hinein, dass das keiner mehr gucken würde. Das wäre unwirtschaftlich", sagt ARD-Programmdirektor Herres - und freut sich womöglich schon auf insgesamt 24 Vorrundenbegegnungen im Curling. Denn von denen werden die meisten nachts gezeigt.

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