Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.01.2006

13:36 Uhr

Winterspiele 1998

Naganos versüßte IOC Olympia-Votum mit Millionen

Das japanische Nagano hat vor der erfolgreichen Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 1998 offensichtlich massiv gegen die Ethik-Regeln des IOC verstoßen: Mit Millionenaufwand wurden die Mitglieder umworben. Dagegen nehmen sich selbst die Olympia-Werber von Salt Lake City bescheiden aus.

HB NAGANO. Die Nachrichtenagentur AP zitiert am Dienstag aus einem Untersuchungsbericht des Gouverneurs von Nagano, Yasuo Tanaka. In dem schon im Februar 2004 in Auftrag gegebenen Paper heiße es, allein für die „Unterhaltung der IOC-Mitglieder“ habe das Organisationskomitee 4,4 Millionen Dollar ausgegeben. Dazu kämen 544 000 Dollar für nicht näher bezeichnete Souvenirs sowie 776 000 Dollar für unbenannte Ausgaben. Unter anderem seien allen allen IOC-Mitgliedern am Vorabend der Wahl 1991 Video-Kameras in die Hotelzimmer gelegt worden.

Diese „Bewerbungsausgaben“ übertreffen um mehr als das Vierfache jene Summen, die im Bestechungsskandal von Salt Lake City bekannt geworden waren. Dem Olympia-Gastgeber von 2002, der die Wahl für die Spiele vier Jahre zuvor gegen Nagano verloren hatte, waren illegale Zahlungen in Höhe von rund einer Million Dollar in bar sowie weitere Ausgaben für Flugreisen, Einkaufsgutscheine und Souvenirs nachgewiesen worden.

Nach dem Skandal um Salt Lake City, in dessen Folge zehn IOC- Mitglieder ihr Amt verloren hatten und zehn weitere Olympier verwarnt worden waren, hatte das IOC Ende 1999 seine Regeln für die Bewerbungsphase drastisch verändert. Neben einer Verschärfung des Ethik-Codes wurde seinen Mitgliedern der Besuch der Kandidatenstädte untersagt. Allerdings waren auch zuvor nur Geschenke im Gesamtwert von 200 Dollar pro IOC-Mitglied erlaubt.

Zu den jetzt aus Nagano bekannt gewordenen Zahlen sagte IOC-Mitglied Richard Pound: „Das erscheint mir sehr hoch.“ Der Kanadier meinte in der Zeitung „Desert Morning News“ weiter: „Aber dann sind einige meiner Kollegen bessere Betreuung gewöhnt als ich.“ Der von Tanaka angeforderte Bericht nennt weder die Namen der Veranlasser der Ausgaben noch führt er die an IOC-Mitglieder ausgegebenen Geschenke im einzelnen aus. Nach dem Skandal um Salt Lake City soll Nagano die meisten seiner Bewerbungsunterlagen verbrannt haben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×