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07.01.2015

07:50 Uhr

Wintersport

Biathlon-Hochburg braucht 27 Millionen Euro

In Oberhof versammelt sich bis Sonntag die Weltelite der Biathleten. Doch das Städtchen aus Thüringen will mehr: die zweite Biathlon-WM. 2020 oder 2021 soll es soweit sein. Doch noch fehlen dafür die Millionen.

Thüringen will die Biathlon-WM nach Oberhof holen – doch das Projekt ist mit erheblichen Kosten verwunden. dpa

Thüringen will die Biathlon-WM nach Oberhof holen – doch das Projekt ist mit erheblichen Kosten verwunden.

OberhofOberhof will 2020 oder 2021 zum zweiten Mal die Biathlon-Weltmeisterschaft ausrichten. 27,1 Millionen Euro sind nach einer Studie nötig, um die maroden Oberhofer Sportstätten WM-tauglich zu machen. Doch in den Koalitionsvertrag der neuen Rot-Rot-Grünen Landesregierung fand die im letzten Jahr öffentlichkeitswirksam angekündigte WM-Bewerbung keinen Eingang. „Ich mache mir ernsthafte Sorgen, wie es weitergehen soll“, bekennt Sabine Reuß, die Präsidentin des Thüringer Skiverbands.

Denn das Projekt war schon einmal weiter. Mit 50 000 Euro Landeszuschuss für eine Machbarkeitsstudie hatte vor einem Jahr Thüringens Sportministerin Heike Taubert die Oberhofer WM-Bewerbung angeschoben. „Die Landesregierung unterstützt die Bewerbung“, erklärte die SPD-Politikerin damals. Der Finanzminister werde bereits in den Doppelhaushalt 2015/16 Mittel für die Umsetzung der Studien-Ergebnisse einstellen, kündigte sie damals an.

Nun sagt die Ministerin, in der neuen Regierung als Finanzministerin tätig, dass sie im Doppelhaushalt 2016/17 die Mittel für die schrittweise Modernisierung einstellen wolle. „Dieses Jahr müssen wir nutzen, um Vorarbeiten wie Bauanfragen abzuschließen, damit 2016 mit den Umbauten begonnen werden kann“, ergänzte sie. Taubert erklärte auf dpa-Anfrage, dass sie die Oberhofer WM-Bewerbung weiter unterstütze. „Die Studie hat die Voraussetzungen geliefert, wie wir weitermachen sollten.“

Im Sommer kommenden Jahres wird die Internationale Biathlon-Union (IBU) über die Vergabe der Welttitelkämpfe 2020 und 2021 entscheiden. Wenn bis dahin nicht einige dringend notwendige Bauarbeiten zumindest begonnen wurden, braucht sich Oberhof überhaupt nicht zu bewerben. Seit einigen Jahren setzt die IBU voraus, dass die Stadien der Bewerber WM-tauglich, die Baumaßnahmen zumindest angelaufen sind. Und die Bewerber stehen Schlange.

Biathlon-Festspiele 2015

Kalender

Für die Biathleten beginnt der ganz normale Weltcup-Wahnsinn: Erst steht Oberhof von Mittwoch bis Sonntag auf dem Programm, dann gibt es in Ruhpolding die nächsten Heimrennen. Rund 300 Sportler aus 30 Nationen sind am Start. Die deutschen Skijäger wollen auf das Podest.

Quellen: dpa, sid

Weltelite – Männer

In Oberhof gehen die Top-Athleten des Weltcups an den Start. Dazu zählen Norwegens Altstar Ole Einar Björndalen und der zweifache Olympia-Goldmedaillengewinner von Sotschi, Martin Fourcade aus Frankreich, der derzeit Führender im Weltcup-Ranking ist. Auch die aktuell Zweit- und Drittplatzierten Anton Schipulin aus Russland und Emil Hegle Svendsen aus Norwegen kommen.

Weltelite – Frauen

Das Starterfeld der Frauen ist ebenfalls hervorragend besetzt: Die Weltcup-Führende Kaisa Mäkäräinen aus Finnland und ihre derzeit härtesten Kontrahentinnen Valj Semerenko aus der Ukraine und Darja Domratschewa aus Weißrussland sind in Oberhof dabei.

Der Damen-Trainer

„Wir freuen uns sehr auf die Rennen vor heimischem Publikum, wissen aber ebenso, dass es keine leichten Wettkämpfe werden“, sagt Damen-Cheftrainer Gerald Hönig vor den Rennen in Oberhof (Thüringen). „Einerseits motivieren uns die Zuschauer natürlich sehr, andererseits sind der Trubel und die zusätzlichen Termine bei den Heim-Weltcups auch deutlich zu spüren.“

Weltmeisterin steigt ab

Die zweimalige Staffel-Weltmeisterin Gössner, nach ihrer schweren Verletzung und der dadurch notwendigen langen Wettkampfpause noch immer auf der Suche nach der Form, wird nun in der zweiten Biathlon-Liga laufen. Gössner soll beim IBU-Cup in Polen ihre Trainingsleistung im Wettkampf umsetzen.

Damenquartett

In Oberhof geht es am Mittwoch und Donnerstag mit den Staffelrennen los. In Hochfilzen sorgten Luise Kummer, Franziska Hildebrand, Vanessa Hinz und Franziska Preuß mit ihrem unerwarteten Erfolg über die 4 x 6 Kilometer für einen Paukenschlag. Neu im Team stehen Karolin Horchler und Tina Bachmann.

Der Herren-Trainer

Cheftrainer Mark Kirchner sagt: „Wir entscheiden nach Leistung. Das ist sicherlich ein harter Kampf, aber ebenso fair für das erweiterte Weltcupteam.“ Kirchner weiß wovon er spricht, er war mal Olympiasieger.

Männer-Riege

Bei den Männern rückt nur Benedikt Doll ins Weltcup-Team auf. „Nach Florian Graf, Michael Willeitner und Johannes Kühn soll auch er seine Chance bekommen, sich in der höchsten Wettkampfklasse zu präsentieren“, sagt Kirchner.

Weitere Starter

Neben Doll sind noch Andreas Birnbacher, Daniel Böhm, der Olympia-Zweite Erik Lesser, Ex-Weltmeister Arnd Peiffer und Simon Schempp am Start. „Wir wollen geschlossen in der Mannschaft mit der Weltspitze mithalten“, fordert Kirchner von seinen Skijägern nicht nur für die Rennen in Oberhof, sondern auch für den Heim-Weltcup in der nächsten Woche in Ruhpolding.

Fernsehen

Das ZDF berichtet vom 7. bis 11. Januar 2015 täglich live aus dem Wintersportzentrum im Thüringer Wald. Auch online unter zdfsport.de verpassen die Biathlon-Fans nichts: Im Livestream, im Liveticker oder über die Social-Media-Angebote bei Facebook und Twitter können sie die Wettbewerbe verfolgen

Zahlreiche Biathlon-Ausrichter sind mit ihren Anlagen an der Oberhofer Arena vorbeigezogen. Oberhof wird sogar als ständiger Weltcuport infrage gestellt. Notwendig sind Veränderungen des Loipen-Netzes und der unterirdischen Laufwege im Stadion sowie die Vergrößerung des Hauptgebäudes und der Örtlichkeiten für Wachstrucks und TV-Technik.

Bis 2018 steht der Weltcup am Rennsteig im IBU-Kalender. Sollten nicht spätestens 2017 die Anforderungen des Weltverbands erfüllt werden, droht Oberhof sogar der Rauswurf aus der „Champions League“. Taubert betonte aber „ein bedeutsames Thüringer Interesse am Weltcup, auch als Aushängeschild für den Tourismus“.

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