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22.01.2009

12:09 Uhr

Wintersport

Skihersteller stehen auf doppelt gebogene Bretter

VonRoland Wiedemann

Jahrelang war das Snowboard an Coolness kaum zu überbieten. Doch jetzt steigen trendbewusste Jugendliche wieder auf Skier um. Der Trendsport Slopestyle macht es möglich - und sorgt in der Wintersport-Branche für Impulse.

Jahrelang verpönt, jetzt wieder voll im Trend: Skifahren feiert sein Comeback - auch beim jungen Publikum. Foto: AP ap

Jahrelang verpönt, jetzt wieder voll im Trend: Skifahren feiert sein Comeback - auch beim jungen Publikum. Foto: AP

GARMISCH. Nico Zacek ist in seiner Szene ein Star: Er ist der erste deutsche Slopestyler bei den X-Games überhaupt. Bei diesem Höhepunkt des alternativen Wintersports trifft sich heute in Aspen im US-Bundesstaat Colorado die Slopestyle-Szene. Die Starterlaubnis gilt als Ritterschlag: "Damit kann man hausieren gehen", sagt Zacek.

Hersteller von Wintersport-Artikeln setzen auf Trendsetter wie den 28-jährigen Bayer, der nicht nur für seinen Skilieferanten, sondern auch für Klamotten, Stöcke, Skibrillen und eine Autofirma Werbung macht. Slopestyle hat unter Jugendlichen Skier wieder populärer als Snowboards gemacht. Die neuen trendigen Sportgeräte sind nicht nur vorne, sondern auch hinten hochgebogen. Mit den sogenannten "Twintips" können Slopestyler auch rückwärts über Schanzen fahren oder gegen die Fahrtrichtung landen.

Während sich die großen österreichischen Skihersteller noch auf den Rennsport konzentrieren, hat sich das US-Unternehmen K2 vor ein paar Jahren komplett aus dem alpinen Skizirkus verabschiedet. K2 habe erkannt, dass sich der Sport in eine andere Richtung bewege, sagt Marketing-Managerin Andrea Tiling: "Der Kunde sucht nicht nach Rennmaschinen für die perfekte Piste, die es im Alltag eh nicht gibt."

In Europa sieht sich Völkl als Vorreiter. Das bayerische Traditionsunternehmen baut seit Ende der 90er- Jahre Twintips. "Die Firmenleitung hat damals an uns und die wachsende Freeski-Gemeinde geglaubt", sagt Manager Jean-Claude Pedrolini, selbst ehemaliger Freeskier. Im schneearmen Winter 2006/2007 zahlte sich das aus: Während normale Carving-Bretter in den Regalen überwinterten, gingen die Umsätze bei Twintips nach oben - auch weil ihre Lebensdauer geringer ist als die der konventionellen Skier. "Die Sprünge über die Boxen und das Sliden an den Walls entlang setzen dem Material zu. Der Verschleiß ist groß", sagt Manager Pedrolini.

Neben den Skiherstellern haben auch die Liftbetreiber das Potenzial der Trendsportler erkannt. Von den mehreren Hundert Skigebieten im deutschsprachigen Alpenraum hat nach Einschätzung von Dirk Scheumann, Gründer des Sportanlagenbauers Schneestern, nur etwa jedes fünfte einen Funpark. "Das ist vor allem eine Generationenfrage. In der Regel fällt es uns leichter, jüngere Liftbetreiber für den Bau eines Funparks zu gewinnen", sagt er. Die Sportartikel-Industrie stellt mittlerweile selbst für kleine Slopestyle-Wettbewerbe hochwertige Sachpreise bereit. "Die Verantwortlichen sehen im Freeski-Bereich größeres Wachstumspotenzial als beim Carven", sagt Andreas Neuhauser, einem Veranstalter von Slopestyle-Camps. "Da können alpine Skirennen nicht mithalten."

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