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30.01.2007

10:36 Uhr

Wintersport WM

DSV will "an Erfolge von Turin anknüpfen"

DSV-Präsident Alfons Hörmann hofft vor den WM-Aufgaben im Februar auf gute Ergebnisse der Deutschen:" Unstrittig ist, das wir gute WM-Leistungen natürlich auch im Sinne der Vermarktung brauchen", so Hörmann zum sid.

Der Deutsche Ski-Verband (DSV) steht vor Wochen der Entscheidung. Im Februar stehen mit der Weltmeisterschaft der Alpinen, der Biathleten und der Nordischen gleich drei Ereignisse an, die für die deutschen Teilnehmer einen echten Prüfstein darstellen. Im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) steht DSV-Präsident Alfons Hörmann Rede und Antwort.

sid: "WM der Alpinen in Are, der Biathleten in Antholz und der Nordischen in Sapporo - der Februar entscheidet darüber, ob der nacholympische Winter für den Deutschen Skiverband ein guter Winter wird"

Alfons Hörmann: "Dass die deutschen Biathletinnen ausgerechnet beim Heim-Weltcup in Oberhof Platz 1, zwei und drei in einem Rennen belegt haben, dass Tobias Angerer die erste Tour de Ski der Langläufer gewann oder Maria Riesch nach schwerer Verletzung wieder einen Weltcup-Sieg feierte, waren doch auch schon sehr wichtige Erfolge mit hoher medialer Bedeutung. Unstrittig ist, dass wir gute WM-Leistungen natürlich auch im Sinne der Vermarktung brauchen."

sid: "Was erwarten Sie von ihren WM-Startern?"

Hörmann: "Global gesagt, dass sie an die Erfolge der letzten WM und der Olympischen Spiele in Turin anknüpfen. Natürlich wird es dabei Höhen und Tiefen geben. Im Biathlon erwarte ich unser Team in der Spitze neben Norwegen und Russland. Tolle Perspektiven sehe ich auch für die Langläufer um Tobias Angerer und Youngster Franz Göring, der sich sehr gut etabliert hat. Zumindest in der Staffel sind auch die Langläuferinnen erste Wahl. Die Nordischen Kombinierer werden in den Medaillenkampf eingreifen, und auch die Skispringer können zur Medaille kommen, was der jüngste Sieg von Michael Uhrmann in Oberstdorf beweist. Die bisherigen Ergebnisse von Martin Schmitt waren außerdem ganz passabel. Für das Team wäre es wichtig, Georg Späth noch in eine brauchbare Form zu bringen. Uhrmann würde ich nach seinem vierten Olympia-Platz eine WM-Medaille besonders gönnen. Und auch bei den Alpinen sehe ich einen grundsätzlichen Aufwärtstrend, den es bei der WM auszubauen gilt. Für einen Überraschungs-Coup gibt es einige Kandidaten in dieser Mannschaft."

sid: "WM-Helden braucht der DSV vor allem als Argumente in den anstehenden Verhandlungen über den künftigen TV-Vertrag. Ist eine neue Quelle in Sicht, die eine ähnliche Summe aussprudelt wie die 75 Mill. Euro von RTL in den letzten fünf Jahren?"

Hörmann: "Die aktuelle Lage ist eindeutig. RTL hat die Option, bis zum 31. Dezember den Vertrag verlängern zu können, nicht gezogen. Jetzt dürfen wir auch mit anderen Interessenten verhandeln. Zwischenzeitlich haben wir im DSV-Präsidium entschieden, dass wir eine offizielle Ausschreibung der Rechte vornehmen werden. Somit haben alle denkbaren Partner national und international ein faires Bieterverfahren. Im Frühjahr wollen wir den unter ganzheitlichen Gesichtspunkten besten Partner für die kommenden Jahre auswählen. Fakt ist, dass es bereits erhebliches Interesse von verschiedenen Seiten an einer Zusammenarbeit mit dem DSV gibt. Wir sehen uns da nicht unter Zeitdruck."

sid: "Besteht die Gefahr, dass sich der DSV für viel Geld in Richtung des Bezahlfernsehens bewegt und die Asse damit aus dem Blickfeld der breiten Öffentlichkeit verschwinden?"

Hörmann: "Vom Grundsatz her schließen wir in den TV-Verhandlungen gar nichts aus. Der Preis wird sicher ein wesentlicher Punkt sein, aber nicht der einzige."

sid: "Im November ist der DSV mit einer Anti-Doping-Initiative an die Öffentlichkeit getreten. Die Aktiven sollten sich freiwillig für DNA-Tests zur Verfügung stellen. Wie ist der Stand?"

Hörmann: "Über 90 Prozent unserer Sportler haben die Athletenerklärung bereits unterschrieben. Die restlichen werden zügig folgen. Mir ist kein einziger Fall bekannt, bei dem sich jemand dieser Erklärung verweigert hätte. Thomas Bach als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes hat sich im persönlichen Gespräch in Oberhof nochmals eindeutig positiv zu unserer Initiative gestellt und sie als beispielhaft auch für andere Verbände bezeichnet."

sid: "Gibt es aktuell wieder wie im Olympiawinter Probleme mit den Blutwerten einiger Aktiver?"

Hörmann: "Mir sind keine bekannt. Unstrittig ist, dass wir Sportler in der Mannschaft haben, die nachweislich genetisch bedingt an der Grenze sind. Deshalb sollte eine faire Grenzwertdefinition erfolgen, die das Ausgangsniveau der Athleten berücksichtigt. Der DSV fordert deshalb auch ein einheitliches Vorgehen in allen Wintersport-Disziplinen. Es ist doch nicht nachzuvollziehen, warum im Eisschnelllauf andere Richtlinien gelten als im Biathlon und im Langlauf wieder andere. Aber da sind das IOC und die Wada gefordert. Leider scheint hier eine Einigung noch weit entfernt ..."

sid: "In diesem Winter fehlt der Schnee, der Klimawandel steht in der Diskussion. Kommt dem DSV die weiße Basis abhanden?"

Hörmann: "Vor einem Jahr haben wir in diesen Tagen nach der Katastrophe von Bad Reichenhall über die Tragfähigkeit von Sporthallen-Dächern diskutiert. Da sind wir im Schnee regelrecht ertrunken. Aber natürlich sind wir im Skiverband gehalten, strategische Weichen für die Zukunft zu stellen. Der Aufwand für die Organisation von Weltcups wird von Jahr zu Jahr größer, das Niveau professioneller. Unabhängig davon, ob Schneesorgen zusätzliche Kosten verursachen. Wir müssen natürlich Schneesicherheit anstreben. Projekte wie der Skitunnel in Oberhof oder die Einlagerung von Schnee über den Sommer in Ruhpolding gehen in diese Richtung. Wir müssen dem Zeitgeist Rechnung tragen, sollten aber trotz Events wie Langlauf am Rheinufer oder Biathlon Aufschalke nicht zu weit weg von den Bergen gehen, wo der Skisport nun einmal hingehört. Wir haben klassische Schwergewichte wie Oberhof, Ruhpolding und Oberstdorf, wo wir aktuell zahlreiche Wettbewerbe gebündelt haben. Auch um Kosten zu sparen. Gerade für den Bereich Skispringen mit den zahlreichen Weltcup-Interessenten national und international brauchen wir eine intelligente Weltcup-Strategie."

sid: "Der Deutsche Skiverband hat nach zahlreichen Fehlversuchen 2011 die Alpine Ski-WM nach Garmisch-Partenkirchen geholt. Was wird nun mit Oberstdorf und Ruhpolding, die sich auch mit WM-Plänen tragen?"

Hörmann: "Die Alpine WM muss so über die Bühne gehen, dass kostendeckend gearbeitet wird. Wenn nicht, dann haben wir etwas falsch gemacht. Unser Ziel ist ganz klar, wir wollen Geld für die sportliche Entwicklung des DSV übrig behalten. Dafür soll die neue WM-Gmbh Sorge tragen, die als 100prozentige DSV-Tochter gegründet wurde. Oberstdorf hat 2005 eindrucksvoll seine Tauglichkeit als Nordischer WM-Ort bewiesen und ist im kommenden Jahrzehnt ein sehr gut geeigneter Kandidat. Und die Ruhpoldinger als international anerkannte Biathlon-Hochburg werden sicher auch nach 2011 wieder zum Zuge kommen. Wir stehen entsprechenden Plänen seitens des DSV aufgeschlossen gegenüber. Darüber hinaus sehe ich auch eine deutsche Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2018 mit dem Kandidaten München als faszinierende Chance, sofern Salzburg für 2014 nicht den Zuschlag erhält. Damit könnte ein sportstrategisch wertvolles Jahrzehnt für den DSV und die Wintersportverbände gestaltet werden."

© SID

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