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26.01.2005

08:38 Uhr

„Wir werden uns noch steigern“

Die Zukunft steht im Tor

VonHartmut Moheit

Bei der Handball-WM fehlen die etablierten deutschen Torhüter, doch auf den Nachwuchs ist Verlass.

Glückwünsche zur guten Leistung von seinem Vordermann Holger Glandorf: Johannes Bitter nach dem Auftaktsieg über Ägypten. Foto: dpa

Glückwünsche zur guten Leistung von seinem Vordermann Holger Glandorf: Johannes Bitter nach dem Auftaktsieg über Ägypten. Foto: dpa

SOUSSE. Eines wollte Florian Kehrmann nach dem Sieg im WM-Spiel gegen Brasilien unbedingt noch loswerden. "Ich muss heute noch mit Henning Fritz telefonieren und ihm zur Wahl als Handballer des Jahres gratulieren", sagte er. Dass hinter der Bemerkung ein wenig Bedauern steckte, weil der Kieler als eine der tragenden Säulen in der deutschen Handball-Nationalmannschaft in Tunesien fehlt, wollte der Kapitän im Gang des Salle Olympique von Sousse nicht zugeben. Vielleicht auch deshalb nicht, weil es kein Torhüterproblem im Team von Heiner Brand gibt. Der Satz des ehemaligen Nationaltorhüters Andreas Thiel, dass "in den nächsten fünfzehn Jahren kein Mangel an erstklassigen Torhütern in Deutschland besteht", hat weiterhin Gültigkeit.

Beim Gewinn der olympischen Silbermedaille in Athen haben der derzeit verletzte Fritz und der Lemgoer Christian Ramota demonstriert, worauf ihre Stärke beruht, auf absolutem Teamwork. Wenn Fritz bei Olympia einen Ball spektakulär hielt, dann ballte er jedes Mal die Faust in Richtung Ramota auf der Ersatzbank, und der feierte diese Aktion, indem er voller Freude mit der Faust aufs Parkett trommelte. Nicht anders verhalten sich nunmehr ihre Nachfolger bei der WM 2005. Als der Magdeburger Johannes Bitter Stunden vor dem Auftaktspiel gegen Ägypten erfuhr, dass er der erste Mann zwischen den Pfosten sein würde, war Carsten Lichtlein vom TV Großwallstadt der erste Gratulant. Bitter war dann auch maßgeblich am 28:25-Erfolg beteiligt. Dass ihr Können mit 22 (Bitter) und 24 Jahren (Lichtlein) bereits ausreicht, damit die Deutschen bei dieser WM für Überraschungen sorgen können, verlangt nicht einmal der Bundestrainer: Die Klasse eines Henning Fritz könnten sie noch nicht haben, sagt Brand. Fritz, der nach der WM in die Nationalmannschaft zurückkehrt, ist nicht nur ein Torhüter, der auch die schwierigsten Bälle hält, er kann seine Mannschaft von hintenheraus auch leiten.

Bitter und Lichtlein sind dabei, es zu lernen, genau wie ihre Teamgefährten vor ihnen. Deshalb wäre es mit Blick auf die WM 2007 in Deutschland so wichtig, dass das deutsche Team in Tunesien die Vorrunde übersteht. Ägypten darf nur kein Spiel mehr gewinnen, dann wäre dieses Ziel erreicht. Nach den Siegen gegen Ägypten und Brasilien und dem Spiel heute gegen den krassen Außenseiter Katar folgen Spiele, die alle auch verloren werden können.

Nach dem Rücktritt von fünf Spielern aus dem Athen-Team (Kretzschmar, Petersen, Schwarzer, Zerbe und Dragunski) fehlen in Tunesien auch noch fünf verletzte Routiniers. Es ist möglich, dass Deutschland am Ende nur um die Ränge 9 und 10 spielt. Bitter widerspricht diesem Szenario aber: "Wir werden uns noch steigern." Für ihn geht es auch darum, sich für die Zeit nach der WM für das Nationalteam zu empfehlen, schließlich werden Fritz und Ramota zurückkommen.

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