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06.08.2013

10:51 Uhr

Wirbel um Dopingbericht

Sportbund will Kommission einsetzen

Der Deutsche Olympische Sportbund ist um Aufklärung des Dopings in der BRD - mit Hilfe einer unabhängigen Kommission. Trotzdem werden schwere Vorwürfe gegen den Verband laut – insbesondere gegen Präsident Bach.

Eine Studie hat systematisches Doping in der Bundesrepublik aufgedeckt. dpa

Eine Studie hat systematisches Doping in der Bundesrepublik aufgedeckt.

Berlin/Bremen/Mainz/MünchenDie Enthüllungen über weitreichende Dopingpraktiken in der Bundesrepublik halten den deutschen Sport weiter in Atem. Der Deutsche Olympische Sportbund hat bereits Maßnahmen ergriffen. „Wir haben eine unabhängige Kommission eingesetzt und den Vorsitzenden benannt, das ist der ehemalige Bundesverfassungsrichter Udo Steiner“, sagte DOSB-Präsident Thomas Bach im „heute-journal“ des ZDF (Montag). Steiner werde den Bericht der Berliner Humboldt-Universität evaluieren und dem DOSB-Präsidium Empfehlungen „geben für den Umgang damit und auch für Lehren für die Zukunft“.

Das Bundesinstitut für Sportwissenschaft hatte am Montag die Studie zum Doping in der Bundesrepublik Deutschland veröffentlicht. Der Abschlussbericht der Berliner Humboldt Universität und der Universität Münster über die Doping-Vergangenheit in der Bundesrepublik bestätigte das Bild einer staatlich geduldeten und von Steuergeldern finanzierten Doping-Forschung.

Bach begrüßte die nun stattfindende öffentliche und wissenschaftliche Diskussion über die Doping-Vergangenheit der Bundesrepublik. „Das ist das, was wir wollten. Wir wollten Klarheit und Offenheit. Und jetzt kann man sich mit größtmöglicher Transparenz mit diesen Ergebnissen auseinandersetzen.“

Doch an dieser Transparenz hapert es offenbar schon jetzt. Die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, Dagmar Freitag, hat kritisiert, dass die Studie über Doping in der Bundesrepublik Deutschland nicht komplett veröffentlicht worden ist. In hr-iNFO sagte die SPD-Politikerin, die gestern veröffentlichte Minimalversion des Berichts werfe mehr Fragen auf als sie Antworten gebe. So seien vermutlich interessante Namen geschwärzt worden. Freitag sprach von einem Bericht, „der von Auslassungen und Platzhaltern wie N.N. dominiert wird“.

Die Politik habe aber ein Anrecht darauf, mehr zu erfahren, auch um die richtigen Lehren für die Zukunft daraus zu ziehen. Dass offiziell datenschutzrechtliche Gründe für die Auslassungen angeführt werden, hält Freitag für abwegig. „Diese Argumentation hat man sich ja auch nicht bei der Aufarbeitung der Stasi-Unterlagen zu eigen gemacht“, sagte sie. In einem Rechtsstaat müssten gleiche Maßstäbe angesetzt werden.

Auch Ines Geipel, die Vorsitzende des Dopingopfer Hilfevereins DOH, nannte weitere Fragen. „Wenn so viele Leute involviert waren, stellt sich die Frage: Um welche Sportler und Funktionäre handelt es sich?“, gab die Buchautorin zu bedenken und hinterfragte auch die Rolle des IOC-Präsidentschaftskandidaten Bach: „Inwieweit ist zum Beispiel auch Thomas Bach involviert? Wenn keine Namen genannt werden, bleibt alles anonym.“

Der DOSB-Chef, der im September Präsident des Internationalen Olympischen Komitees werden will, bekräftigte im ZDF, dass zu seiner aktiven Zeit als Sportler in der Olympiamannschaft 1976 „für uns in Fechterkreisen das Thema Doping kein Thema“ gewesen sei.

Zudem scheint nicht der komplette Bericht veröffentlicht worden zu sein. Die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) hatte als erstes Medium über die damals noch unveröffentlichten Studie geschrieben. Sie spricht von einem Bericht von 800 Seiten. Auf dem Internetportal des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISp) finden sich aber lediglich sechs Dokumente mit einem Gesamtvolumen von 500 Seiten. Nach Angaben der „SZ“ hat die Humboldt-Universität den Bericht auf Anweisung des BISp eingekürzt. Rund 680 Seiten Details fehlen demnach.

Kommentare (2)

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DieWahrheit

06.08.2013, 14:50 Uhr

Es ist eigentlich nichts"Neues" was man über Doping berichtet.Bereits in den vergangenen Jahren wurde mehrfach
versucht ,Praktiken dazu, aus dem Westteil von Deutschland näher zu beleuchten. Es war und es ist - bis zum heutigen Tag - nicht erwünscht. Man kann und darf gespannt sein, was dem Bürger noch so alles an Tatsachen vorenthalten wurde.Leider hält sich die Information und die Reaktion der
Bürger darauf in Grenzen- aber es wird der Zeitpunkt kommen,da kann man Lügen, Verharmlosung und einseitige Aufarbeitung der Geschichte von Ost und West nicht mehr den Bürgern unterjubeln- allerdings wird es noch eine Weile dauern- noch wird seitens der Politik geschickt die Meinungsbildung der Bevölkerung gelenkt- es fragt sich nur- Wie lange noch ! Dem Herrn Bach glaube ich - persönlich -
kein Wort, den er ist welcher, der sehr an seinem Posten hängt und an seinen nächsten höheren Posten denkt- nur das Geld zählt !

Account gelöscht!

07.08.2013, 10:36 Uhr

Die Schlinge wird sich weiter zuziehen, gleichzeitig sprechen wir über eine Zeit, in der das Doping weltweit praktiziert wurde.

Im Nachhinein lässt sich immer leicht sagen, dass es falsch war, das lässt ich auch auf andere Seiten unserer Kultur übertragen.

Ab und am muss auch mal ein Kapitel zugeschlagen werden und nicht immer und immer wieder rausgeholt werden, da sich nichts mehr ändern wird.

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