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03.12.2011

11:05 Uhr

WM-Titel im Boxen

Felix Sturm erreicht nur ein Remis

Es war ein glücklicher Sieg für Felix Sturm am späten Freitagabend. Der Box-Weltmeister konnte seinen Titel nur knapp gegen den Briten Murray verteidigen. Sturm zeigt sich nun frustriert und rechnet mit einem Rückkampf.

Felix Sturm musste viel einstecken im Kampf gegen den britischen Herausforderer Martin Murray - zu viel für einen klaren Sieg. dpa

Felix Sturm musste viel einstecken im Kampf gegen den britischen Herausforderer Martin Murray - zu viel für einen klaren Sieg.

MannheimDie riesige Beule am linken Auge erschwerte zwar das Lesen, dennoch checkte Box-Profi Felix Sturm eine Stunde nach dem kuriosen Ende seines WM-Kampfs erst einmal die Mails auf seinem Blackberry. Unter den Nachrichten fand der alte und neue Mittelgewicht-Weltmeister allerdings auch keine Antwort auf die Frage, wie es mit seiner ins Stocken geratenen Karriere weitergehen soll.

„Das Urteil ist nicht befriedigend, deshalb wird es früher oder später einen Rückkampf geben. Aber ich habe eigentlich andere Pläne als einen beschissenen Rückkampf. Ich würde gerne große Vereinigungskämpfe machen“, sagte Sturm, nachdem er den Titel des Weltverbands WBA trotz eines Unentschiedens gegen den britischen Meister Martin Murray zum elften Mal erfolgreich verteidigt hatte. Vor den 10.000 Zuschauern in der nicht ausverkauften Mannheimer Arena kamen dem 32-Jährigen die Boxregeln, die im Fall eines Remis dem Champion den WM-Gürtel zusprechen, zu Hilfe. Die meisten Experten sahen Sturm gegen den international nahezu unbekannten Engländer zwar knapp vorne, das Unentschieden war aber absolut vertretbar und weit weg von einem Skandalurteil. Dennoch haderte Sturm mit der Entscheidung.

„Ich bin maßlos enttäuscht. Das ist schade für den Sport. Ich war der bessere Mann“, sagte Sturm trotzig. Dem gebürtigen Leverkusener war klar, dass er die angestrebte Wiedergutmachung für die schwache Vorstellung beim zurückliegenden WM-Fight gegen den Iren Matthew Macklin verpasst hatte. Mit dem Remis konnte Sturm den schmeichelhaften Punktsieg vom Juni nicht aus der Welt schaffen.

Wie es mit Sturm weitergeht, ist völlig offen. Allzuviele Optionen hat der Star seines eigenen Boxstalls, für den nach 40 Profikämpfen 36 Siege, zwei Niederlagen und zwei Unentschieden zu Buche stehen, allerdings nicht. Die Weltmeister der anderen Verbände, denen Sturm Geldgier vorwirft, werden nicht nach Deutschland kommen. Einen für alle Seiten lukrativen Kampf in den USA wird es nicht geben, weil Sturm an den Fernsehsender Sat.1 (4, 34 Millionen sahen am Freitagabend zu) gebunden ist. Ob die WBA eine Pflicht-Herausforderung gegen Sturms früheren Stallkollegen Gennadi Golowkin ansetzt, ist ebenfalls unklar.

„Wir müssen abwarten, was die WBA entscheidet - das liegt nicht an mir. Ich stehe jederzeit für einen großen Kampf bereit - egal gegen wen. Aber die großen Namen haben nein gesagt. Ich mache also die Kämpfe, die machbar sind. Ich bin sehr entspannt, ich mache mir keine Sorgen um die Zukunft“, sagte Sturm und betrieb kurz nach dem enttäuschenden Unentschieden bereits wieder Werbung in eigener Sache: „Ich werde immer besser und habe noch zehn, zwölf gute Kämpfe in den Fäusten. Ich stehe voll im Saft.“

Einen Kampf gegen einen Kontrahenten, der diese These überprüfen und für ein lukratives Duell in Deutschland sorgen könnte, wird es allerdings vorerst nicht geben. „Ein Fight gegen Arthur Abraham steht nicht zur Diskussion. Er muss sich hinten anstellen. Ich würde ihn deklassieren. Er ist zwar ein Puncher, aber ansonsten völlig überbewertet und boxerisch nur Mittelmaß. Das hat man zuletzt klar gesehen“, sagte Sturm über den tief gefallenen Ex-Weltmeister, der im nächsten Jahr sein Comeback feiern will.

So könnte ein Rückkampf gegen Murray am Ende doch die beste Option für das kommende Jahr sein. Schließlich konnte der 29-Jährige, der zuvor alle seine 23 Profikämpfe gewonnen hatte, am Freitagabend überzeugen. Murray hatte sich das Unentschieden mit einem couragierten Auftritt verdient. Er kündigte an, ein Angebot für einen Rückkampf sofort anzunehmen. Sturm, der erst mal Urlaub machen will, adelte seinen Kontrahenten schon einmal vorsichtshalber für den Fall der Fälle: „Er hat das Potenzial eines künftigen Weltmeisters.“

Von

sid

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