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24.01.2007

15:35 Uhr

WM und EM nur noch nach Saisonende

Handball-Vereine wollen Terminkalender entzerren

VonHans Weymar

Die Group Club Handball (GCH), die Vereinigung der 14 wichtigsten Klubs Europas, hat nach Informationen des Handelsblatts am Rande der Handball-WM einen Vorstoß zu einer Reform des Terminkalenders unternommen. Demnach sollen WM- und EM-Turniere nur noch nach Saisonende oder alle vier Jahre stattfinden.

HALLE/WESTFALEN. "Nach unserer Ansicht ist es viel sinnvoller, die großen Meisterschaften am Ende der Saison im Mai auszutragen", sagte GCH-Geschäftsführer Gerd Butzeck dem Handelsblatt . Als Vorbild diene der GCH die Regelung im Welt-Basketball, wo Ende Januar/Anfang Februar, eine WM oder eine EM ausgetragen.

Auf einem geheimen Treffen am Montag in Kiel informierten Butzeck, Präsident Joan Marin (Ciudad Real) sowie Vizepräsident Uwe Schwenker (THW Kiel) den norwegischen EHF-Präsidenten Tor Lian sowie Generalsekretär Michael Wiederer über die Vorstellungen der G 14. Das Gespräch habe, berichten Teilnehmer, in einer angenehmen Atmosphäre stattgefunden. "Ich habe das Gefühl, dass wir mit der EHF freundschaftlich zusammenarbeiten können", sagte Butzeck. "Ich bin, was unsere Ziele angeht, ebenfalls vorsichtig optimistisch", sagte Schwenker, der einflussreichste deutsche Handballmanager. Auch Frank Bohmann, der Geschäftsführer der Deutschen Handball-Liga (HBL) befürwortet den Plan: "Das ist in unserem Sinne. Die Pause im Januar ist sehr, sehr lästig für die Liga."

Die G 14 hatte sich im November in Düsseldorf mit dem Ziel gegründet, dass künftig die Klubinteressen besser vertreten werden. Der Vereinigung gehören vier spanische Klubs (Ciudad, Barcelona, Pamplona, Leon), vier deutsche Vereine (Kiel, Flensburg, Lemgo, Magdeburg) sowie Montpellier, Zagreb, Kolding, Celje, Moskau und Veszprem an.

In Gesprächen mit der EHF in Wien und der in Basel ansässigen Internationalen Handball-Föderation (IHF) will die G 14 die Interessen der verschiedenen Parteien des Handballs austarieren - und langwierige juristische Auseinandersetzungen, wie sie im Fußball an der Tagesordnung sind, vermeiden. "Wir streben an, gemeinsam mit IHF und EHF den Terminkalender für die kommenden acht Jahre zu organisieren", sagte Butzeck gegenüber dem Handelsblatt. Auch in Versicherungsfragen sollen sich nach dem Gusto der G 14 die Verbände am Risiko beteiligen, das bisher fast ausschließlich die Vereine tragen. "Wenn sich ein serbischer Profi, der bei Celje unter Vertrag steht, in einem Weltmeisterschaftsspiel verletzt, dann muss der Klub drei Monate lang das Gehalt weiterbezahlen, das geht nicht."

Am dringendsten gilt freilich die Entzerrung des Terminkalenders, nach Meinung vieler Fachleute der Hauptgrund für die vielen Verletzungen im Welthandball. Die EHF-Vertreter haben hier für den im April in Madrid stattfindenden IHF-Kongress den Antrag gestellt, dass die WM nicht mehr alle zwei, sondern wie im Fußball alle vier Jahre ausgetragen werden. Funktionäre des Weltverbandes haben bereits angedeutet, dass eine Reduzierung der Turnierzahl verhandelbar sei, wenn die EHF ihrerseits die EM ebenfalls nur noch alle vier Jahre austragen werde. Als die IHF im August zusätzliche WM-Qualifikationsturniere beschlossen hatte, war zwischen den beiden Verbänden ein juristischer Streit vor dem Zivilgericht Basel entbrannt, das derzeit jedoch ruht.

Die IHF wollte sich zum Vorstoß der G 14 nicht äußern. "Wir werden erst mit unseren Mitgliedern über diese Fragen des Terminkalenders sprechen", sagte IHF-Geschäftsführer Frank Birkefeld. Am 3. Februar treffe sich IHF-Präsident Hassan Mustafa in Köln mit den Präsidenten der fünf Kontinentalverbände, einen Tag später mit den Präsidenten der nationalen Handballverbände. Ein Gespräch mit der G 14 sei erst nach der WM geplant.

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