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20.02.2006

08:50 Uhr

Zufriedenheit im deutschen Lager

Hardcore für Deutschlands Langläufer

VonGrischa Brower-Rabinowitsch

Eigentlich wäre Bundestrainer Jochen Behle vor den Spielen mit zwei Medaillen in den Langlaufwettbewerben zufrieden gewesen. Jetzt sind es schon drei, aber die deutschen Herren und Damen sind hungrig auf mehr.

Jubel über Silber. Foto: dpa

Jubel über Silber. Foto: dpa

PRAGELATO. Langlauf ist ein einsamer Kampf. Kilometerweit rennen die Männer und Frauen gegen Uhr und Konkurrenten an, unterstützt nur von Anfeuerungsrufen aus dem Trainerteam und von den Zuschauerrängen. Manchmal ist es deshalb eine gute Idee, sich mit seinem ärgsten Widersacher zu verbünden.

Genau das tat Tobias Angerer gestern als Schlussläufer in der vier mal zehn Kilometer Staffel der Herren - und legte so den Grundstein für die Silbermedaille der deutschen Mannschaft. Als ihm bewusst wurde, dass er den zeitweise um über 30 Sekunden enteilten Italiener Cristian Zorzi nicht mehr einholen kann, machte er gemeinsame Sache mit dem Schweden Mathias Fredriksson, um die Franzosen auf Abstand zu halten. Während Zorzi vorne einsam dem Sieg entgegen rannte, wechselten sich Angerer und Frederiksson in der Führungsarbeit ab und hielten so den Vorsprung auf die Verfolger.

In einem packenden Schlussspurt setzte sich Angerer schließlich auf der Zielgeraden hauchdünn durch: Ganze 0,3 Sekunden vor dem Schweden erreichte er das Ziel. Mit der Silbermedaille setzten die Herren den Schlussstrich unter ein erfolgreiches Wochenende des deutschen Langlaufteams. Nach den beiden Medaillen aus Damen- und Herrenstaffel und Angerers drittem Platz am Freitag über 15 km ist das Soll erfüllt.

Vor den Spielen hatte Bundestrainer Jochen Behle zwei Medaillen als realistisch angekündigt. Nun sind es schon drei. Dementsprechend zufrieden zeigte sich Behle nach dem Rennen: "Heute haben sich alle vier ein Lob verdient. Das war harte Arbeit. Mit Silber sind wir sehr zufrieden. Italien war ganz klar die bessere Mannschaft."

Startläufer der deutschen Herrenstaffel war Andreas Schlütter. Der 33-Jährige hielt Kontakt zur Spitze und lag am Ende seiner zehn Kilometer auf Rang vier. Doch zufrieden war der Oberhofer nicht: "Wir hatten gedacht, mit Schweden und Norwegen den Italiener Valbusa abzuhängen. Das hat aber leider nicht funktioniert." Mats Larsson aus Schweden und Jens Arne Svartedal aus Norwegen waren nicht stark genug für eine solche Attacke.

Auf Schlütter folgte Jens Filbrich. Der 26-Jährige wollte angreifen, doch ihm machte der stärker einsetzende Schneefall einen Strich durch die Rechnung: "Da hätte ich für die anderen nur den Schneepflug gespielt und Kräfte gelassen." Doch auch er lief taktisch gut und setzte sich zusammen mit sieben anderen Läufern in einer Spitzengruppe ab. René Sommerfeldt konnte sich als dritter Starter zunächst mit Italien, Schweden und Tschechien von dieser Spitzengruppe lösen. Doch am letzten Anstieg griff der Italiener Pietro Piller Cottrer an, und der Oberwiesenthaler konnte nicht folgen: "Diese Attacke konnte ich nicht mehr parieren. Ich habe bis zum Kotzen gekämpft. Das war schon Hardcore."

Schlussläufer Tobias Angerer widmete die Silbermedaille anschließend dem verletzten Axel Teichmann: "Wir sind heute für Axel gelaufen." Teichmann ist kurz vor Olympia am Oberschenkel operiert worden und kann bei den Spielen nicht starten. Schon beim Bronze-Rennen von Angerer war er dabei. "Allein die Tatsache, dass er da ist, hat uns viel Druck genommen. Er ist unser Leader, er beflügelt uns", sagte Angerer.

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