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26.02.2006

10:54 Uhr

Zufriedenheit im deutschen Lager

Steinbach: "Wir verlassen Turin erhobenen Hauptes"

Klaus Steinbach, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK), ist sehr zufrieden mit dem Abschneiden der deutschen Olympioniken bei den Winterspielen in Turin. Er ist stolz auf Rang eins im Medaillenspiegel.

Der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK), Klaus Steinbach, hat das Abschneiden der deutschen Mannschaft bei den Olympischen Spielen in Turin gewürdigt. "Wir verlassen Turin hoch erhobenen Hauptes", erklärte Steinbach voller "Stolz und Zufriedenheit", nachdem die deutschen Olympioniken wie schon 1992 und 1998 zum erfolgreichsten Team der Winterspiele avancierten. "Wir sind zum Wintersportland Nummer eins geworden", stellte IOC-Vize Thomas Bach fest.

"Sie haben Ehre für unser Land eingelegt, Sie verdienen Dank und Respekt", sagte "Sportminister" Wolfgang Schäuble, der zum furiosen Finale eingeflogen war und "sowohl die Leistungen als auch die Art, wie sich die Mannschaft präsentiert hat", würdigte.

Mehr Medaillen nur in Salt Lake City

Zwei Wochen nach dem besten Auftakt aller Zeiten mit den Überraschungscoups von Michael Greis und Georg Hettich setzten der neue Biathlon-König Greis und der Viererbob von Andre Lange goldene Schlusspunkte. Danach zählte man 29 Medaillen - nur vor vier Jahren in Salt Lake City (36) hatte es jemals mehr gegeben.

Damit waren alle Hochrechnungen übertroffen. "Mit 24 Medaillen wäre ich glücklichster Mensch in Turin", hatte Leistungssport-Chef Ulrich Feldhoff zum Start gesagt. Dreimal Gold holte allein Biathlet Greis, der damit zum erfolgreichsten deutschen Athleten vor Sven Fischer (2-0-1) und Lange (2) wurde. Kati Wilhelm (1-2-1) führte die Frauenriege an.

"Ein Superlativ jagte den nächsten, ich bin rundum begeistert", meinte Fecht-Olympiasieger Bach zum "wirklich sensationellen" deutschen Auftritt: "Mehr kann man einfach nicht verlangen." Das schloss auch "beispielhaften Siegeswillen" (Steinbach) und Rückschläge ein. Denn längst nicht alle Trümpfe stachen - zumindest auf Anhieb: Musterbeispiele dafür waren Wilhelm und Fischer, aber auch Tobias Angerer.

"Wir haben unser Ziel erreicht"

Am Ende stand der Platz an der Sonne. "Wir haben unser erstes Ziel erreicht, uns zum fünften Mal in Serie in den Top Drei zu halten - Platz 1 ist das Sahnehäubchen", meinte Steinbach dazu. 1994 war man Dritter, 2002 Zweiter geworden. Die Spitzenposition 2006 war vor allem Biathleten (5-4-2) und Bob (3 Gold - mehr ging nicht) zu verdanken, auch die Rodeldamen gaben keine Medaille ab. "Da haben wir mit unseren Pfunden gewuchert", strahlte Steinbach.

Das gelang den hoch gehandelten Eisschnelllauf-Stars nicht, die - durch Erkrankungen geschwächt - nur drei Medaillen (statt elf 2002) holten, davon Gold bei der Premiere des Teamwettbewerbs. Für Claudia Pechstein gab es dazu in "einem grandiosen Rennen" (Bach) zum Abschluss Silber, für Anni Friesinger zuvor nur einmal Bronze und zwei vierte Plätze, was Steinbach als "ausgesprochen traurig" empfand. Doch die Inzellerin steckte die Enttäuschung vorbildlich weg.

Es wäre auch vermessen gewesen, meinte der NOK-Chef, eine Erfolgsquote von hundert Prozent erwartet zu haben: "Nur Überflieger gibt es bei keiner Mannschaft, Olympiasiege kann man eben nicht garantieren."

Während Nordisch-Kombinierte (1-1-1) die Erwartung übertrafen und sich die Langläufer aus Steinbachs Sicht nach der Aufregung um Evi Sachenbacher gefangen hatten, konnten die Skispringer trotz zwei vierten Plätzen (Michael Uhrmann fehlten 25cm) "nicht über sich hinauswachsen". Gleiches galt für die Männer-Mannschaften im Eishockey und Curling: "Und dass wir im Eiskunstlauf Probleme haben, wussten wir vorher."

Ein wichtiger Grundstein des Erfolges "neben der Einstellung der Athleten und der Arbeit ihrer Verbände" war für den Teamchef, der diese Rolle erstmals bei Winterspielen übernommen hatte, die richtige organisatorische Planung: "Durch Ausweichquartiere haben wir allen die langen Wege erspart, das hat sich auch beim Klima ausgezahlt." So seien auch die Problemfälle Ingo "IM" Steuer und Sachenbacher erstaunlich schnell aufgefangen worden.

Der NOK-Chef bedankte sich für die intensive Förderung des Leistungssports durch Staat und Politik bei Schäuble, meinte aber auch: "Ich denke, unsere Athleten haben alles zurückgegeben und gute Argumente für weitere Unterstützung geliefert." An 24 der bis dahin 29 Medaillen waren Angehörige von Bundeswehr oder Bundespolizei beteiligt.

"Der Sommer muss endlich vom Winter lernen"

Der Minister nahm den Ball auf. Ungeachtet knapper Kassen werde die Bundesregierung auch künftig "soviel tun, wie wir können". Und zwar unabhängig davon, "ob wir bei Olympia Platz 1 oder sechs belegen". Das war ein Rückblick auf Athen 2004 und gleichzeitig ein Ausblick auf Peking 2008. Feldhoff: "Der Sommer muss endlich vom Winter lernen, die Konzentration auf wenige Zentren ist der Schlüssel zum Erfolg."

Auf den neuen Deutschen Olympischen Sportbund (Dosb), der am 20. Mai in Frankfurt gegründet wird, wartet aus Sicht des DSB-Vize "eine riesige Herausforderung". Die Erfolgsgeschichte der Spiele 2006 (Feldhoff: "Man sieht, was mit unseren Mitteln möglich ist") soll dabei als Ansporn dienen.

Turin war für den deutschen Sport eine Reise wert. Enttäuscht zeigte sich der ehemalige Weltklasseschwimmer Steinbach nur über die teilweise höchst magere Zuschauerresonanz im Piemont: "Die Sportler hätten wirklich eine bessere Kulisse verdient gehabt."

Das galt allerdings nicht für die Siegerehrungen auf der Medal Plaza. Bei der allerletzten nahm Uschi Disl ihre letzte olympische Bronzemedaille in Empfang - eine unvergleichliche Karriere hatte sich damit auf unvergessliche Art vollendet.

© SID

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