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07.02.2014

17:07 Uhr

Sotschi

Mögen die Spiele Gewinn machen

VonManuel Heckel

Hohe Kosten, politische Proteste, und irgendwo der Sport: Ist Olympia nur noch Kommerz? Tatsächlich geht es bei den Spielen um viel Geld, das es zu investieren und zu verdienen gilt. Auf der Suche nach den Profiteuren.

Sotschi kurz vor der Eröffnungsfeier: Bei den Olympischen Winterspielen gewinnen nicht nur die Athleten, sondern auch die Sponsoren. dpa

Sotschi kurz vor der Eröffnungsfeier: Bei den Olympischen Winterspielen gewinnen nicht nur die Athleten, sondern auch die Sponsoren.

KölnAuch die Zuschauer kommen in Schwung: 40 Minuten Fußweg liegen zwischen dem Eingang des Olympischen Parks und dem Fisht-Stadion. Das Organisationskomitee in Sotschi rät allen Besuchern, früh aufzubrechen, um pünktlich im Olympiastadion anzukommen. Dort können die Zuschauer heute wahrscheinlich auf eine spektakuläre Show hoffen: Die teuersten Olympischen Spiele aller Zeiten wollen schließlich angemessen eröffnet werden.

Sotschi 2014 – das steht nicht nur für Rekordkosten. Die Spiele gelten schon jetzt als eine der umstrittensten sportlichen Großveranstaltungen weltweit. Die Gesamtausgaben für Baumaßnahmen und Organisation werden auf 51 Milliarden US-Dollar geschätzt, ursprünglich geplant war ein Budget von etwa 12 Milliarden US-Dollar. Die hohen Summen rücken die gesamte Finanzierung der Olympischen Spiele wieder in den Fokus – wer verdient wo an diesem Geschäft? Und für wen ist das Dabeisein eine teure Investition?

TV-Zuschauer und Einnahmen

Weltweiter Empfang

Seit 1956 in Cortina berichtet das Fernsehen live von den Olympischen Winterspielen. Die Anzahl der übertragenden Anstalten und die damit verbundenen Einnahmen sind alleine in den vergangenen zwei Jahrzehnten extrem gestiegen.

1992 in Albertville

Übertragung in 86 Länder, Einnahmen von 291,9 Millionen US-Dollar.

1994 in Lillehammer

Übertragung in 120 Länder, Einnahmen von 352,9 Millionen US-Dollar, erste Ausstrahlung in Afrika.

1998 in Nagano

Übertragung in 160 Länder, Einnahmen von 513,5 Millionen US-Dollar, erste Live-Übertragung nach Australien.

2002 in Salt Lake City

Übertragung in 160 Länder, Einnahmen von 738 Millionen US-Dollar, zum ersten Mal sind alle Veranstaltungen live empfangbar.

2006 in Turin

Übertragung in 200 Länder, Einnahmen von 831 Millionen US-Dollar, erstmals werden mehr als 1000 Stunden Live-Inhalt produziert.

2010 in Vancouver

Übertragung in 220 Länder, Einnahmen von 1 279,5 Millionen US-Dollar.

2014 in Sotschi

Geschätzte Einnahmen von 1260 Millionen US-Dollar.

Volkswirtschaftlich betrachtet, sind die Impulse durch die Olympischen Spiele überschaubar. Im Vorfeld freut sich die Bauindustrie, während der Spiele dürften Hoteliers und das Gaststättengewerbe gute Geschäfte machen. Die enormen Ausgaben für die Infrastruktur, die gerade in Sotschi über die Jahre explodiert sind, werden dadurch aber nicht wieder reingeholt. „Der Steuerzahler verschlechtert sich erst einmal“, sagt Wolfgang Maennig, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Hamburg und Goldmedaillengewinner im Rudern bei den Olympischen Spielen 1988. Aussichten auf Überschüsse haben die Russen nicht: „Wer zu einer schönen Geburtstagsfeier einlädt, geht ja auch nicht davon aus, dass er damit Geld verdient“, sagt Maennig.

Im optimalen Fall sind die Chancen hoch, dass sich Zuschauer und Athleten gerne an den Gastgeber erinnern – und eventuell wiederkommen. Turin, Veranstalter der Winterspiele von 2006, gab in der vergangenen Woche bekannt, dass die Besucherzahlen bis heute um ein Drittel gestiegen seien. Aus der Industriestadt sei das viertbeliebteste Touristenziel Italiens geworden, freuen sich die Turiner Tourismusverantwortlichen.

Der Blick auf das „Erbe der Spiele“ hat in den vergangenen Vergaberunden deutlich an Bedeutung gewonnen. London nutzte etwa die Spiele, um ganze Stadtteile der Millionenmetropole aufzuwerten. Sotschi bewarb sich mit der Absicht, ein professionelles Wintersportzentrum für die wintersportbegeisterte russische Nation zu errichten – das jetzt nach Ansicht vieler Experten allerdings spürbar überdimensioniert geraten ist.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

07.02.2014, 17:14 Uhr

Soort im Würgegriff von Politik und Propaganda.

Sport für den Sozialismus. Man dachte eigentlich, dass das 1989 endete.

Jetzt geht diese ganze Show wieder los, man kann dieses ganze Gewäsch nicht mehr sehen !!!

Account gelöscht!

07.02.2014, 17:22 Uhr

Sport im Würgegriff von Politik und Propaganda.

Sport für den Sozialismus. Man dachte eigentlich, dass das 1989 endete.

Jetzt geht diese ganze Show wieder los, man kann dieses ganze Gewäsch nicht mehr sehen !!! Wie die "Wochenschau" so überdreht euphorisch und ideologisch gedrillt wird Sport glorifiziert um eine Scheinbegeisterung zu erzeugen für die Medien.

Account gelöscht!

07.02.2014, 18:30 Uhr

Olympia? In Peking fiel gerade ein Sack Reis vom Fahrrad. Solche Protzveranstaltungen als Milliardengräber braucht kein Mensch, egal, wer sie ausrichtet!
Anstatt vor der Glotze zu hocken laufe ich lieber ein dutzend Kilometer mit meinen Hunden. Ist gesünder und macht Spaß!

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