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20.07.2012

20:53 Uhr

„Stinky Stratford“

Strukturwandel mit Zwang in Londons Osten

VonKatharina Slodczyk

Der Osten der Metropole London führte im Schatten der boomenden Stadtteile lange ein Schattendasein. Durch die Olympia-Anlagen hat sich das geändert - und für manches Unternehmen hat sich dies als Fluch erwiesen.

Alles neu, alles gut? Londons Stadtteil Stratford sieht sich durch Olympia im Wandel. dpa

Alles neu, alles gut? Londons Stadtteil Stratford sieht sich durch Olympia im Wandel.

LondonEr war nicht gerade die lohnenswerte Zukunftsinvestition, die sie sein sollte. Mehr als eine Million Pfund hat Lance Forman, Chef der Londoner Lachsräucherei H. Forman & Son, vor fast zehn Jahren in einen neuen Standort für seinen Betrieb investiert. Nur wenige Jahre später war klar: Die Gebäude des 1905 gegründeten Familienunternehmens müssen weichen, um Platz für das Olympia-Stadion zu schaffen.

Wenn am kommenden Freitag die Olympischen Sommerspiele in der britischen Hauptstadt beginnen, werden die Fernsehkameras weltweit die neu entstandene Parklandschaft im Londoner Osten übertragen – mit Olympia-Stadion, Basketball- und Handballarena, Schwimmbad und Radrennbahn. Dass dort bis vor wenigen Jahren noch kleinere Fabriken und Werkstätten ihren Sitz hatten, dass ein Teil des Areals als Schandfleck galt und als Müllkippe genutzt wurde, davon ist nichts mehr zu sehen. „Stinky Stratford“, wie das Viertel genannt wurde, ist verschwunden.

Erfolgreichste deutsche Olympioniken

Platz 1

Birgit Fischer holte zwischen 1980 und 2004 im Kanu acht Gold- und vier Silbermedaillen, bis 1992 für die DDR, seither für die wiedervereinigte Bundesrepublik.

Platz 2

Reiter Reiner Klimke sammelte von 1964 - 1988 sechs Gold- und zwei Bronzemedaillen.

Platz 3

Schwimmerin Kristin Otto holte 1988 in Seoul unfassbare sechs Goldmedaillen für die DDR.

Platz 4

Dressurreiterin Isabell Werth gelangen von 1992 bis 2008 bisher fünf Gold- und drei Silbermedaillen.

Platz 5

Reiter Hans Günter Winkler gewann zwischen1956 und 1976 fünf Mal Gold und je ein Mal Silber und Bronze.

Die Organisatoren der Spiele haben die Gegend radikal erneuert und Milliarden investiert, um Stratford und einigen der ärmsten Stadtteile Londons den Anschluss an Wachstum und Wohlstand zu verschaffen. Durch das Großereignis soll fortgesetzt werden, was vor dreißig Jahren in einem anderen Teil Londons, in Canary Wharf begann. Aus verwaisten Docks an der Themse wurde ein Banken- und Medienviertel, in dem heute hunderttausend Menschen arbeiten.  

„Seit dem Großen Brand im Jahr 1666 wurde das East End vernachlässigt“, sagte Londons Bürgermeister Boris Johnson. Die Olympischen Spiele seien die erste große Gelegenheit, eine Annäherung zwischen Ost- und West-London zu erreichen. Doch dabei sind vor allem die kleineren Firmen, die auf dem einst billigen Industriegelände in Stratford und Umgebung noch ein Auskommen hatten, auf der Strecke geblieben.

Mehr als 200 Betriebe, darunter Autowerkstätten, Textilhersteller und Imbissbuden, hatten ihren Sitz auf dem heutigen Areal des Olympia-Parks und wurden zum Umzug gezwungen. Die London Development Agency, die den Strukturwandel im öffentlichen Auftrag vorantrieb, hat gut 700 Millionen Pfund (umgerechnet knapp eine Milliarde Euro) ausgegeben, um Grundstücke zu kaufen und die Firmen für Wegzug oder Geschäftsaufgabe zu entschädigen.

Nach Medienberichten reichte das Geld allerdings für mehr als 100 Betriebe nicht aus, um anderswo einen Neuanfang zu wagen. Einige von ihnen kämpfen noch mit Hilfe von Anwälten und Gerichten um eine höhere Entschädigung.

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