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12.07.2014

19:53 Uhr

Technik für die Nationalelf

Der neue deutsche Co-Trainer ist eine App

VonAxel Postinett

Wenn Bundestrainer Löw am Sonntag die Mannschaft aufstellt, verlässt er sich nicht nur auf sein Wissen. Sämtliche Spielerdaten kann er mit einer App von SAP abrufen und analysieren. Das kann spielentscheidend sein.

Das Handy ist für Bundestrainer Löw ein wichtiges Werkzeug. dpa

Das Handy ist für Bundestrainer Löw ein wichtiges Werkzeug.

San FranciscoSchnelle Vorstöße aus der Tiefe des Raums, überraschende, aber eingespielte Pässe und zuverlässiges  Zuspiel bevor der Gegner überhaupt reagieren kann. Wenn es am Sonntag gegen Argentinien geht, werden Präzision und Schnelligkeit zwei der Schlüsselpunkte für den Erfolg sein. Und zumindest an der Schnelligkeit hat Bundestrainer Joachim Löw seit 2010 kräftig gearbeitet.

Die durchschnittliche Zeit zwischen Ballannahme und Abgabe bei einem Passspiel lag bei der WM 2010 noch bei 3,4 Sekunden. In Brasilien steht der Wert jetzt bei rekordverdächtigen 1,1 Sekunden. Da bleibt Zeit zum Reagieren. Das hat nicht zuletzt Gastgeber Brasilien bei der legendären 1:7-Niederlage zu spüren bekommen.

Die zeitnahe Analyse von Milliarden von Daten mit einer Datenbank-Analysesoftware von SAP ermöglichte den Sieg deutscher High-Tech-Präzision über den lateinamerikanischen Zauberfußball. Das Internet ist der zwölfte Mann auf dem Rasen.

„Wir haben eine App auf unseren Mobilgeräten“, erklärte DFB-Manager Oliver Bierhoff in einem Interview mit dem Sportsender ESPN vor dem Brasilien-Spiel, „die uns zeigt, wer die Spieler sind, die für Silva und Neymar reinkommen werden. Wir haben die Schlüsselszenen dieser Spieler und können sie schnell rausfiltern und den Verteidigern wertvolle Hinweise geben. Das funktioniert richtig gut, weil es intuitiv zu bedienen ist und die Daten visuell aufbereitet sind.

WM der Rekorde: Diese Bestmarken wurden geknackt

Joker der WM

Von wegen Ergänzungsspieler! Mit 32 Toren trumpfen die Joker bei dieser Weltmeisterschaft groß auf. Die bisherige Bestmarke von 23 Treffern (2006 in Deutschland) wurde schon in der Gruppenphase geknackt. Top-Joker ist André Schürrle, der im Achtelfinale gegen Algerien von der Bank kam und traf und beim 7:1 gegen Brasilien im Halbfinale als Einwechselspieler zwei weitere Treffer draufsetzte. Und natürlich Mario Götze, der den Siegtreffer im Finale schaffte.


Paraden-König

Tim Howard stemmte sich mit aller Macht gegen das Aus im Achtelfinale, der Torhüter der USA wuchs über sich hinaus. Am Ende reichte eine Weltklasse-Vorstellung des Schlussmanns gegen Belgien aber nicht, ein 1:2 nach Verlängerung beendete das Turnier der Amerikaner. Howard aber verewigte sich mit 16 gehaltenen Torschüssen in den WM-Annalen - so viele Paraden zeigte bislang noch kein Keeper.


Ältester Spieler

Die Fans feierten ihn mit Sprechgesängen, gerührt streichelte Faryd Mondragon nach dem Abpfiff den Spielball. Der kolumbianische Torhüter wurde durch seinen Einsatz in den letzten Minuten des 4:1-Siegs gegen Japan zum ältesten Spieler der WM-Historie. 43 Jahre und drei Tage alt war der frühere Kölner am Tag seines letzten Länderspiels. Er löste Kameruns Roger Milla als Rekordhalter ab.


Schiedsrichter

Auf usbekische Fußballer können Fans bei der WM noch lange warten - ein Schiedsrichter aus dem zentralasiatischen Land hat sich in Brasilien aber bereits in die Geschichtsbücher gepfiffen. Ravshan Irmatov leitete beim Viertelfinale Niederlande gegen Costa Rica (4:3 n.E.) seine neunte WM-Partie. Das schaffte vor dem erst 36-Jährigen, der 2010 fünf und 2014 vier Matches leitete, kein anderer Referee.

Höchstes Schützenfest

7:1! In einem Halbfinale! Mit ihrem berauschenden Auftritt gegen Brasilien hat die deutsche Mannschaft den höchsten Erfolg in einem WM-Vorschlussrundenmatch gefeiert. Das Ergebnis mutet wie aus einer anderen Zeit an. Ein anderes Extrem gab es im Match zwischen Argentinien und den Niederlanden: Das 0:0 nach 120 Minuten war das erste torlose Halbfinale überhaupt in der WM-Geschichte.

WM-Torschützenkönig

Miroslav Kloses weltmeisterliche Torejagd begann 2002 mit einem Dreierpack beim 8:0 gegen Saudi-Arabien. Sein Treffer beim noch famoseren 7:1-Kantersieg im Halbfinale gegen Brasilien katapultierte den Stürmer an die Spitze der ewigen WM-Torschützenliste. Mit nun 16 Toren ließ er Ronaldo (15) hinter sich.

TV-Quoten-Rekord

Wenn Deutschland spielt, sitzen die Deutschen vor dem Fernseher - und wie! Durchschnittlich 32,57 Millionen Menschen sahen sich das Halbfinale gegen Brasilien im ZDF an, noch nie hatte ein TV-Ereignis so viele Zuschauer. Die Reichweite entsprach einem Marktanteil von 87,8 Prozent - und dabei sind die Millionen Fans bei den Public Viewings und die Zuschauer der Internet-Streams nicht eingerechnet.

Twitter-Rekord

Die WM findet nicht nur in den Stadien Brasiliens und auf den TV-Bildschirmen statt - diskutiert wird auch in den sozialen Netzwerken weltweit. Das deutsche Halbfinale gegen die Gastgeber bescherte Twitter eine neue Bestmarke: 35,6 Millionen Tweets wurden während der Partie abgesetzt, die damit das bis dahin meisterwähnte Sportereignis seit Bestehen des Kurznachrichtendienstes ist.

Schnellster Viererpack

Den Grundstein zum legendären Halbfinal-Erfolg in Belo Horizonte legten die deutschen Kicker mit den vier Toren von Klose, Kroos und Khedira innerhalb von rund 6:40 Minuten. Einen derart schnellen Viererpack gab es noch nie bei einer WM. Die Ungarn brauchten 1982 gegen El Salvador (10:1) ebenso wie die Österreicher 1954 gegen die Schweiz (7:5) für vier Tore sieben Minuten.

Der neue Co-Trainer auf der Bank heißt SAP, nur gesehen werden darf er nicht. Das war in der Tat eine Grundvoraussetzung, schildert Chris Burton, Chef der Sponsoring-Aktivitäten bei SAP im Gespräch mit Handelsblatt Online. Die Ansage des DFB bei Beginn der Zusammenarbeit 2013 war klar: „Wir wollen keinen SAP-Mann im Trainingslager sehen.“

Die Anwendung mit dem Namen Match Insights musste von Trainern, Spielern und Scouts ohne Handbuch oder sonstiger Unterstützung einer IT-Hotline nutzbar sein – und zwar jederzeit. Heißt: vor, während und nach einem Spiel.

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