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07.02.2014

06:25 Uhr

Terrorismusexperte

Deutsche Sportler in Sotschi „weitgehend“ sicher

VonDietmar Neuerer

ExklusivHeute werden die Olympischen Winterspiele in Sotschi feierlich eröffnet. Doch wie sicher sind die Spiele? Eine US-Terrorwarnung sorgt für Unruhe. Doch aus Expertensicht dürfte niemand sicherer sein als die Athleten.

Auf nach Sotschi

Abflug für deutsche Olympioniken

Auf nach Sotschi: Abflug für deutsche Olympioniken

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BerlinDer Direktor des Instituts für Krisenprävention in Essen, Rolf Tophoven, hält das Risiko von Anschlägen auf Athleten der Olympischen Winterspiele in Sotschi für gering. „Die deutschen Sportler in der Region Sotschi können sich weitgehend sicher fühlen“, sagte Tophoven Handelsblatt Online. „Das Sicherheitsnetz um die Austragungsorte der Spiele ist so dicht geknüpft, dass Terroristen es schwer haben dürften, dort zuzuschlagen.“ Der russische Präsident Wladimir Putin habe zudem seinem Inlandsgeheimdienst FSB „alle Freiheiten gegeben, um mögliche Terrorgefahren aufzuspüren“.

Tatsächlich hat der russische Geheimdienst deutlich mehr Vollmachten als viele vergleichbare Organisationen im Westen – zum Abhören von Telefonaten und zur totalen Internetkontrolle. 40.000 Uniformierte und zudem Zehntausende Sicherheitskräfte sind im Einsatz. Drohnen in der Luft, U-Boote für die Aufklärung an der Küste und 5.500 Überwachungskameras – der Aufwand ist nicht zu übersehen.

Zum ersten Mal bei Olympischen Spielen gibt es auch einen Fanpass – so etwas wie ein Einreisevisum in die Olympia-Sicherheitszone. Besucher nur mit Tickets haben also keinen Zugang – jeder Antrag für den zusätzlich nötigen Fanpass wird von den Sicherheitsbehörden bearbeitet. Das System scheint zu funktionieren. Sogar Oppositionelle und Umweltaktivisten beklagen schon, dass sie keinen Zugang bekämen.

Terrorgefahr im Sport: Wie Olympia sicher gemacht wurde

München 1972

Die Bundesrepublik unterschätzt die Bedrohungslage. Sie will ihr friedliches Gesicht auch dadurch zeigen, dass sie 4000 Sicherheitskräfte in Trainingsanzügen auftreten lässt. Der Überfall eines palästinensischen Terrorkommandos im olympischen Dorf auf das Quartier des israelischen Teams kostet 17 Menschen das Leben.

Montreal 1976

Die neue Devise heißt: Stärke zeigen. Soldaten mit Maschinengewehren bewachen die Wettkampfstätten. Einfliegende Sportler steigen unter Militärbewachung in Busse, die sie erst in einer unterirdischen Garage im Olympischen Dorf verlassen dürfen. 16.999 Soldaten und Polizisten sind im Einsatz. Erstmals helfen Computersysteme bei der Überprüfung von 60.000 Akkreditierungen.

Moskau 1980 und Los Angeles 1984

Mitten im Kalten Krieg feiert die Sowjetunion die Rote Armee als Garant für den olympischen Frieden. Moskau ist bei den Boykott-Spielen eine belagerte Stadt. Ihr Besuch ist nur mit Sondergenehmigungen möglich. Bei den Boykott-Spielen II hält sich die US-Armee im Hintergrund. Die massiv eingesetzte Polizei agiert in Sheriff-Manier.

Seoul 1988

Die erste Phase massivster Einsätze findet, nur 58 Kilometer entfernt von der Todesgrenze zum verfeindeten Nordkorea, ihren Abschluss. Südkoreas Armee wird in den Ausnahmezustand versetzt, dazu zusätzliches US-Militär stationiert. Trupps mit nach Sprengstoff schnüffelnden Schäferhunden gehören zur Karikatur eines Olympia-Festes, dem die Gastgeber den Titel „Harmonie und Freundlichkeit“ gegeben haben.

Barcelona 1992

Ein geheimes Stillhalteabkommen mit der baskischen Terrororganisation ETA und der Fall der Berliner Mauer sorgen, bei aller Wachsamkeit, für Entspannung.

Atlanta 1996

Die Gastgeber wappnen sich zur Gefahrenabwehr erstmals mit modernster IT-Technik und Kamikazefliegern. Im Kommerzgewusel ihrer „Coca-Cola-Spiele“ vernachlässigen sie die Sicherheit am Boden. Ein Rechtsextremist zündet im Olympiapark eine Bombe. Zwei Menschen werden getötet und elf verletzt.

Sydney 2000

Als Konsequenz aus der Entdeckung eines Waffenlagers Monate vor den Spielen kommt zur Palette von Vorsichtsmaßnahmen die Abwehr von biologischen und chemischen Waffen hinzu. Australien reorganisiert seine Sicherheitsdienste und beschließt rigorosere Gesetze zu Einfuhren und Einreisen.

Salt Lake City 2002

Der Terrorakt von New York 2001 durch Al-Kaida wirkt nach München 1972 als zweite Eskalationsstufe. Zum ersten Mal sind Winterspiele besonders gefährdet. Die US-Regierung schafft mit Awacs-Flugzeugen, F-16-Kampfjets und Black-Hawk-Hubschraubern einen Schutzschirm, stellt 15 000 Spezialkräfte der Armee ab und verwandelt das olympische Dorf und die Pressezentren in Festungen.

Athen 2004

Bedroht von vielfältigen terroristischen Gefahren auch aus der griechischen Nachbarschaft können die Spiele nur mit Hilfe der EU und der NATO geschützt werden. Eine Expertengruppe aus sieben Ländern, darunter Deutschland, plant das Sicherheitskonzept mit. Es verschlingt 1,5 Milliarden Dollar.

Peking 2008

Die Staatsmacht rekrutiert neben Militär und Polizei 1,5 Millionen sogenannte Freiwillige: 100.000 „olympische Freiwillige“, 400.000 „Stadt-Freiwillige“, eine Million „Freiwillige der Gesellschaft“. Als die Amtlichkeit aus der fernen Region der uigurischen Minderheit ein Blutbad mit 16 Terroropfern vermeldet, ziehen vor dem olympischen Dorf, dem Pressezentrum und dem IOC-Hotel Panzerfahrzeuge auf.

London 2012

Die britische Hauptstadt macht mobil mit 18.200 Soldaten, Kriegsschiffen und Raketen, die auch auf Dächern rund um den Olympiapark herum positioniert sind. Der Park selbst ist als zentraler Austragungsort geschützt mit einem fünf Meter hohen, elektrisch geladenen, von Kameras bewachten Zaun. Für unsichtbaren Schutz sorgt eine enge Kooperation westlicher Geheimdienste. Tausende von Kameras überwachen Knotenpunkte der Metropole.

Sotschi 2014

Das Motto heißt „totale Kontrolle“. Sie gilt vor allem als Abwehr gegen den islamistischen Terror aus dem Nordkaukasus. Die Staatsmacht setzt 60.000 Polizisten, Geheimdienstler und Soldaten ein, dazu Luftabwehrsysteme, U-Boote, Drohnen und Luftabwehrsysteme.

Auch Autos dürfen nur mit Sondergenehmigungen in der Sicherheitszone fahren. So sollen vor allem Anschläge – wie im Nordkaukasus fast alltäglich – mit Autobomben oder durch Selbstmordattentäter mit Sprengstoffgürteln verhindert werden.

Gleichwohl ist Tophoven überzeugt, dass die jüngsten Anschläge von Wolgograd „erste Signale“ für mögliche weitere Terrorattacken seien. Der islamistische Rebellenführer Doku Umarow, der sich selbst zum Emir des Nordkaukasus ernannt habe und für Russland als Staatsfeind Nummer eins gelte, könne jederzeit Terroreinheiten losschicken.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

07.02.2014, 09:48 Uhr

Uninteressantes Megaevent mit maximaler Umweltzerstörung, moderner Sklaverei unter höchstmöglicher Ausbeutung, intolerantem politischen System und unklarer Vergabestruktur bzw. Schmiermittel.
Lauter gute Gründe, sich davon nichts anzusehen.

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