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14.07.2014

14:13 Uhr

Titel-Prämien

Für wen der Titel teuer wird

VonDésirée Linde

Der Titel kostet die Bahn Millionen: Wer auf die DFB-Elf als Weltmeister tippte, bekommt die Bahncard25 gratis. Auch für andere Firmen wird die WM teurer als erwartet. Von Gratis-Brötchen, Torrabatten und Gratulationen.

WM-oraklen mit der Bahn: Wer auf Deutschland setzte, bekommt de facto 62 Euro geschenkt. Screenshot

WM-oraklen mit der Bahn: Wer auf Deutschland setzte, bekommt de facto 62 Euro geschenkt.

DüsseldorfBrasilien-Wochen, Tor-Prämien und Weltmeister-Rabatte: Viele Unternehmen und Händler wollten auf der Euphoriewelle der WM mitschwimmen. Doch richtig teuer wird diese Imagepflege per WM für Unternehmen, die den Erfolg des deutschen Teams an ihre Rabatte geknüpft hatten, etwa für die Deutsche Bahn.

Denn wer sich eine Bahncard25 gekauft hatte, konnte ohne Zusatzeinsatz auf den Weltmeister tippen – und bekommt die Karte damit ein Jahr gratis.Etwa die Hälfte der 135.000 Bahncard25-Käufer tippte auf Deutschland. Bei 62 Euro pro Stück (2. Klasse) kostet das die Bahn jetzt fast 4,2 Millionen Euro.

Die Gewinner der WM

Gastgeber

Von der tollen Stimmung auf Tribünen und Straßen ließen sich alle mitreißen. Die Stadien wurden doch noch fertig, der Transport von Fans und Mannschaften klappte wie die Organisation. Die Sorgen mit Blick auf Olympia 2016 in Rio sind kleiner geworden.

Quelle: dpa

Die Deutschen

Manuel Neuer der überragende Keeper, Miroslav Klose WM-Rekordtorschütze, Toni Kroos in Höchstform - und Thomas Müller ließ es krachen. „Alemanha“ eroberte zudem die Herzen der Gastgeber, weil die Mannschaft brasilianischer spielte als die Seleção.

Offensiver Fußball

Rekordreifes Torspektakel mit insgesamt 136 Treffern in der Vorrunde - die Fußball-Welt staunte. Erst in der K.o.-Runde wurde es anders: Von den 15 Spielen vor dem Finale wurden nur vier mit mehr als einem Tor Vorsprung gewonnen.

Ein Kolumbianer

JAMES RODRIGUEZ: Shootingstar der WM. War dem AS Monaco bereits 2013 45 Millionen wert - aber wer kannte den Kolumbianer schon? Nach dem Viertelfinal-Aus gegen Brasilien weinte der 23-Jährige bitterlich. Aber noch führt er mit sechs Treffern die Torschützenliste an.

Ein Argentinier

LIONEL MESSI: Bei seiner dritten Weltmeisterschaft endlich der Leader bei Argentinien. Maradona persönlich will den „roten Teppich“ ausrollen, wenn der 27-Jährige seinem Land zum dritten WM-Triumph nach 1998 und 1986 verhilft.

Ein Deutscher

MEHMET SCHOLL: Beliebtester Fernseh-Experte in Deutschland, darf auch das Endspiel im Maracanã kommentieren. Klare Worte. Scheute keine Kritik an den Schiedsrichtern („Nicht mehr unsere Sportart“) und an Bondscoach Louis van Gaal („Taktisch überladen“).

Ein kleines Land

COSTA RICA: Die große Überraschung des Turniers. Im Viertelfinale von den Niederlanden erst im Elfmeterschießen besiegt. Kleines Land mit großem Fußball-Herzen und einem überragenden Keeper: Keylor Navas ist sogar beim FC Bayern München als Backup für Neuer im Gespräch.

Ganz so hoch sieht der Konzern die Kosten allerdings nicht. „Da es sich nur um eine Gratis-Verlängerung der BahnCard für diejenigen handelt, die richtig getippt haben, gehen wir davon aus, dass nicht alle die Bahncard ohne den Rabatt überhaupt verlängert hätten“, sagt Konzernsprecher Achim Stauß gegenüber Handelsblatt Online.

Mehr Glück mit seinen Aktionen hatte Mediamarkt. Die Elektromarkt-Kette hatte zur WM 2010 in Südafrika eine ähnliche Aktion ins Leben gerufen. Wer sich vor der Endrunde einen Fernseher kaufte, hätte im Falle einer deutschen Titels den gesamten Kaufpreis zurückbekommen, für die Halbfinalteilnahme gab's immerhin noch einen 20-prozentigen Rabatt. In diesem Jahr gab's die Aktion nicht. Dafür aber eine schnelle Gratulation via Youtube:

Die Konkurrenz von Saturn verzichtete ebenfalls ganz auf erfolgsabhängige Aktionen und freute sich am Morgen über einen Mangel an Kunden:

Teuer geworden war diese WM auch überraschend schon im Halbfinale für die regionale Bäckereikette Büsch. Die hatte ein Gratis-Brötchen pro Tor versprochen – auch vor dem Spiel gegen Brasilien, das mit dem fulminanten 7:1-Torrausch der deutschen Elf ausging. Ein teurer WM-Spaß für das niederrheinische Unternehmen.

„Wir haben unsere Kapazität voll ausgereizt, aber mit einem 7:1 ist nicht zu kalkulieren", sagte Geschäftsführer Michael Trosdorff am Morgen danach. Kunden bekamen stattdessen Gutscheine. Die Aktion schaffte es sogar am folgenden Abend in die „Tagesthemen" in der Halbzeitpause bei der Halbfinalbegegnung Niederlande gegen Argentinien.

Dem Berliner Autoteile-Händler Kfzteile24.de drohte ähnliches. Doch der reagierte noch in der Nacht nach dem Brasilienspiel. Fünf Prozent Rabatt pro Tor hatte Kfzteile24 seinen Kunden versprochen. 35 Prozent waren damit fällig. Das war dann doch zu viel des Guten. Kfzteile24.de erhöhte schlichtweg die Preise.

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