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12.07.2014

10:32 Uhr

Toni Kroos

Der deutsche Fußball hat einen neuen Weltstar

VonStefan Hermanns
Quelle:Tagesspiegel

Toni Kroos galt als eines der größten Talente, dann als ewiges Talent. Gegen Brasilien ist er zum Weltstar aufgestiegen. Warum er die zentrale Figur im deutschen Team ist und es schafft, konstant gut zu spielen.

Leicht und dynamisch: Toni Kroos steht im Mittelpunkt des deutschen Spiels. AFP

Leicht und dynamisch: Toni Kroos steht im Mittelpunkt des deutschen Spiels.

Rio de JaneiroDie ganze Sache war eine Angelegenheit von wenigen Minuten: ran an den Anleger, raus aus dem Bus, rauf auf die Fähre – und Abfahrt. Der neue Tag hatte schon begonnen, als die deutsche Nationalmannschaft nach ihrem historischen Halbfinalsieg gegen Brasilien den Fähranleger am Rio Joao de Tibo erreichte. Eine Hundertschaft der Militärpolizei sicherte das Areal, knapp 150 Brasilianer warteten zum Teil schon seit Stunden. Die Stimmung war freundlich, viel zu sehen aber bekamen die Schaulustigen nicht.

Man hätte fast denken können, Toni Kroos hätte den Abtransport organisiert. Nur dass es bei der Ankunft des Busses anfing in Strömen zu regnen – das wäre Kroos vermutlich nicht passiert.

Der 24-Jährige ist im deutschen Spiel für die reibungslosen Abläufe zuständig. Er ist der Strukturalist der Nationalmannschaft, und nie ist sein Wert so deutlich zu Tage getreten wie im schon jetzt legendären Halbfinale dieser Weltmeisterschaft.

Toni Kroos: Der Mittelfeldstratege bei der WM 2014

WM

Toni Kroos war der zentrale Mittelfeldspieler im deutschen Spiel während der Weltmeisterschaft in Brasilien. Er hat bis zum Finale nahezu durchgespielt.

Quellen: dpa, sid, Fifa

Stärken

Seine große Stärke sind gezielte Pässe. Davon sind bei der WM mehr als 85 Prozent angekommen, wie sich aus der Fifa-Statistik ergibt. Er hat nur vier Fouls begangen, aber 15 Bälle zurückerobert.

Schwächen

Seine Flanken kamen - zumindest bei der WM - nicht wie gewünscht an. Eine Quote von 33 Prozent bei der WM war mager.

Wirkung im Netz

Pro Stunde schaffte es Kroos im Netz zeitweise auf mehr als 2000 Erwähnungen, pro Minute gab es schon mal 40 Tweets auf Twitter über ihn, hat die Fifa ausgerechnet. Während der WM kam er auf mehr als eine Million Erwähnungen.

Entwicklung als Spieler

Er spielt heute - auch bei Real Madrid - defensiver als früher. Dazu sagte er selbst in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ mit Blick auf seine Zeit bei Bayern München: „Unter Jupp Heynckes hab' ich oft auf der Zehn gespielt, unter Pep Guardiola bin ich weiter nach hinten gerückt. Das hat meiner Entwicklung gut getan.“

Stellung bei Bayern

„Ich bin jetzt seit drei, vier Jahren absoluter Stammspieler im Club, das zeigt doch, dass da irgendetwas ganz vernünftig gelaufen sein muss. Und auch bei der Nationalmannschaft habe ich eine gute, ganz normale Entwicklung hinter mir.“ Trotz aller Fortschritte wähnt er seine sportliche Entwicklung noch längst nicht am Ende. Deshalb war der Wechsel im Sommer 2014 zu Real Madrid folgerichtig.

Stellung im Löw-Team

Weiter hinten habe man mehr Ballkontakte und werde „automatisch präsenter und dominanter. Das ist das, was ich spielen will. Das spiele ich nun ja auch beim DFB. Ich will einfach mehr Verantwortung fürs Spiel haben“, sagte Kroos vor dem letzten WM-Gruppenspiel der DFB-Elf gegen die USA.

Experten

Einige Experten ordnen ihn der Weltklasse zu. Das sei ihm nicht so wichtig, meint Kroos, der unter Bundestrainer Joachim Löw zu einer festen Größe in der DFB-Auswahl geworden ist. Viel wichtiger ist ihm dafür, „dass ich seit einigen Jahren auf hohem Niveau spiele, dass ich mich beim FC Bayern über die Jahre immer wieder durchgesetzt habe“, erklärte er.

Was ihm noch fehlt?

Kroos: „Wenn ich mir meine aktuelle Leistung anschaue, ist vor allem eines wichtig: dass ich dieses Niveau dauerhaft behalte. Dass ich konstant bleibe. Am besten die nächsten zehn Jahre.“

Marktwert

Gemessen an den Diskussionen um seinen Transfer zu Real Madrid lag sein Marktwert vor einem Jahr mindestens bei 25 Millionen. In Spanien hat er sich nun durchgesetzt und eine sehr gute Saison gespielt. Experten schätzen seinen Wert Mitte 2015 auf rund 50 Millionen Euro.

Beim 7:1 gegen den WM-Gastgeber leitete Kroos das erste Tor mit einem Eckball ein, das dritte und das vierte erzielte er selbst, innerhalb von 70 Sekunden. „Es war wohl auch eines meiner besseren Länderspiele“, sagte er.

Dieses Understatement hat lange auch zu seinem Spiel gehört – und es ist Kroos nicht immer positiv ausgelegt worden. Dem jungen Mann, der schon mit 17 als eines der größten Talente der jüngeren deutschen Fußball-Geschichte gefeiert wurde, ging manches ein bisschen zu leicht vom Fuß. Sein Spiel wirkte auch dann noch unangestrengt, wenn sich das Volk nach sichtbarer Anstrengung gesehnt hätte.

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