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13.07.2014

14:32 Uhr

Ungeliebtes Argentinien

Brasilien hält zu Deutschland

VonAlexander Busch

Argentinien und Brasilien verstehen sich in Politik und Wirtschaft. Beim Fußball sind sie jedoch erbitterte Konkurrenten. Warum heute mehr als 200 Millionen Brasilianer den Deutschen die Daumen drücken – trotz des 1:7.

Argentinische Fans feiern an der Copacabana und zeigen sieben Finger – ein Wink an die Brasilianer ob ihrer sieben Gegentore durch Deutschland. ap

Argentinische Fans feiern an der Copacabana und zeigen sieben Finger – ein Wink an die Brasilianer ob ihrer sieben Gegentore durch Deutschland.

São PauloDie Tragödie Brasiliens hat mit der Niederlage gegen Deutschland begonnen – aber es könnte noch viel schlimmer kommen. Ein Drama wäre, es wenn die Brasilianer heute fassungslos zuschauen müssten, wie ausgerechnet ihr Fußball-Erzfeind Argentinien im Maracanã-Stadion den Pokal überreicht bekommt. Der von Messi emporgereckte Pokal mit einem im Hintergrund jubelnden Maradona – das ist der schlimmste Albtraum der Brasilianer.

Eine nationale Demütigung, über die noch die Urenkel der heutigen Generation diskutieren würden. Schlimmer für die nationale Seele Brasiliens als der Maracanazo 1950, als Uruguay den Brasilianern im Maracanã den sicheren Weltmeistertitel wegschnappte.

Gut für die Deutschen: Jeder Brasilianer wird heute fieberhaft für die Deutschen wetten – fast ist vergessen, dass es die deutsche Mannschaft war, die die Seleção am Dienstag deklassiert und zutiefst blamiert hat.

Gruppe F: Argentinien

Argentinien: Das Land

Fläche: 2,78 Millionen Quadratkilometer, Einwohner: 43 Millionen, Hauptstadt: Buenos Aires, Staatsoberhaupt: Staatspräsidentin und Regierungschefin Cristina Fernández de Kirchner

Argentinien: Der Verband

Fußballclubs: 3377, Fußballspieler insgesamt: 2.658.811, davon registriert: 331.811

Argentinien: Die WM-Bilanz

WM-Teilnahmen: 15 (1930, 1934, 1958, 1962, 1966, 1974, 1978, 1982, 1986, 1990, 1994, 1998, 2002, 2006, 2010), Größte Erfolge: Weltmeister 1978, 1986; WM-Finalist 1930, 1990; 14-maliger Südamerika-Meister

Argentinien: Der Kader

Tor: Sergio Romero - AS Monaco, Agustín Orión - Boca Juniors Buenos Aires, Mariano Andujar - Catania Calcio

Abwehr: Ezequiel Garay - Benfica Lissabon, Hugo Campagnaro - Inter Mailand, Pablo Zabaleta - Manchester City, Martín Demichelis - Manchester City, Marcos Rojo - Sporting Lissabon, Federico Fernández - SSC Neapel, José Basanta - CF Monterrey

Mittelfeld: Fernando Gago - Boca Juniors Buenos Aires, Lucas Biglia - Lazio Rom, Ángel Di María - Real Madrid, Enzo Pérez - Benfica Lissabon, Maxi Rodríguez - Newell's Old Boys Rosario, Augusto Fernández - Celta Vigo, Javier Mascherano - FC Barcelona, Ricardo Álvarez - Inter Mailand

Angriff: Gonzalo Higuaín - SSC Neapel, Lionel Messi - FC Barcelona, Rodrigo Palacio - Inter Mailand, Sergio Agüero - Manchester City, Ezequiel Lavezzi - Paris St. Germain

Trainer: Alejandro Sabella

Argentinien: Die Bilanz gegen Deutschland

9 Siege - 5 Unentschieden - 6 Niederlagen

Hoffnungsträger

Argentiniens Torjäger Lionel Messi sieht den dritten WM-Titel für sein Land zum Greifen nahe. „Wir möchten gewinnen und sind bereit!“, schrieb der 27-Jährige vor dem Finale gegen Deutschland an diesem Sonntag auf seiner Facebook-Seite. „Meine Träume und meine Illusionen gehen dank der Arbeit und der Aufopferung eines ganzen Teams, das vom ersten Tag an alles gegeben hat, in Erfüllung“, erklärte der Star des FC Barcelona, der zugleich dem argentinischen Volk für die Unterstützung der „Albiceleste“ dankte. Das Finale gegen Müller und Co. nannte er „das wichtigste Spiel unseres Lebens in diesem Trikot“. Für Messi ist dies die dritte Fußball-WM. In den Turnier 2006 und 2010 hatte Deutschland Argentinien jeweils im Viertelfinale aus dem Turnier geworfen.

Problemzonen

Die Probleme "seiner" Mannschaft beschrieb der ehemalige argentinische Nationaltrainer Cesar Luis Menotti so: "Das Schwierige am Fußball ist, gut zu verteidigen und gut anzugreifen. Mannschaften, die gut verteidigen, tun dies meist auf Kosten des Angriffs. So, wie das bei Argentinien der Fall ist. Man hat die Spieler vorne abgezogen, so lässt es sich besser verteidigen. Für den Rest ist man dann von Messi abhängig."

Lautsprecher

Argentiniens Fußball-Ikone Diego Armando Maradona sieht sein Land bereits als neuen Weltmeister. „Wir haben einen größeren Hunger auf Ruhm als die Deutschen“, meinte er am Samstagabend (Ortszeit) in der Sendung „De Zurda“ (Mit links) des venezolanischen TV-Senders Telesur. Mit Blick auf die Favoritenrolle des deutschen Teams im WM-Finale sagte der 53-Jährige: „Der Favorit gewinnt nie.“ Mit der argentinischen Nationalmannschaft hatte Maradona 1986 bei der WM in Mexiko im Finale Deutschland 3:2 besiegt, im Endspiel 1990 in Rom unterlag er dann mit der Albiceleste 0:1 gegen Franz Beckenbauers DFB-Auswahl.

Doch wie kommt es eigentlich zu der erbitterten Konkurrenz zwischen den beiden Nationen auf dem Fußballfeld? Bei einer Umfrage in Argentinien wenige Tage vor Beginn der WM erklärten 32 Prozent der Argentinier auf die Frage, welches Team sie am liebsten rauskicken würden: Brasilien. Danach kam Großbritannien (22 Prozent) und abgeschlagen Deutschland (11 Prozent). „Brasilien ist eindeutig der meistgehasste Gegner der Argentinier“, sagt der Sportredakteur Andres Eliceche von Editora Perfil in Buenos Aires.

Wer die Chöre der Argentinier in den Stadien bei der jetzigen WM hört, ahnt, wie tief verwurzelt diese Aversion sein muss. Denn immer noch geht es darum, dass Maradona besser sei als Pelé – beides inzwischen ergraute Herren im Rentenalter. „Fünf, fünf, fünf“ brüllen ihnen die Brasilianer dann entgegen für die fünf Weltmeistertitel.

„Sieben, sieben, sieben“ singen seit Dienstag die Argentinier wegen der sieben Gegentore durch Deutschland. Mit Messi und Neymar wird die Maradona-Pelé-Fehde in der nächsten Generation weitergeführt. Dass Neymar wegen einer Verletzung vor dem Halbfinale ausgeschieden ist, macht das gegenseitige Prahlen und Protzen nicht einfacher.

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