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10.02.2014

18:55 Uhr

Verpasste Medaille

Drei Millimeter fehlen Schempp zum Coup

In der Verfolgung hatten die Deutschen die Hand an der Medaille. Doch mit seinem allerletzten Schuss machte Simon Schempp seine famose Aufholjagd zunichte. Es gewann der Franzose Martin Fourcade.

Simon Schempp am Schießstand. ap

Simon Schempp am Schießstand.

Krasnaja PoljanaNach dem unbefriedigenden Sprint vom Samstag hatten die deutschen Skijäger in der Verfolgung trotzdem die Hand an einer Medaille. Am Ende entschieden drei Millimeter beim Sieg des Franzosen Martin Fourcade aber gegen Simon Schempp.

Nur die Winzigkeit von drei Millimetern haben Simon Schempp zu einer überraschenden Biathlon-Medaille gefehlt. Ausgerechnet mit dem allerletzten Schuss machte der 25-jährige Skijäger seine Aufholjagd im Verfolgungsrennen am Montag bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi wertlos. Bis dahin hatte der als 15. des Sprints n den Wettkampf gestartete Weltcup-Dritte alle 19 Schüsse ins Ziel gesetzt.

Er war auch zunächst davon ausgegangen, dass die 20. Scheibe gefallen war. „Doch in dem Moment, als ich vorgeschaut und gesehen habe, dass die Scheibe noch schwarz geblieben ist, wusste ich, dass die Medaillen weg waren“, erzählte der bitter enttäuschte Schempp. „Der sechste Platz ist ein Superergebnis, aber es ist Olympia. Und dann schieße ich den letzten Schuss weg. Da ist extrem ärgerlich. Vielleicht kann ich mich morgen freuen“, meinte er.

An der Spitze lief Olympiasieger Martin Fourcade trotz einer Strafrunde aus dem ersten Stehend-Anschlag ein souveränes Rennen. Beim letzten Schießen sprengte der zweimalige Weltcup-Gesamtsieger die bis dahin führende Dreiergruppe. Er traf alle fünf Scheiben und streckte siegesgewiss einen Arm in den Nachthimmel.

Niemand konnte ihn mehr auf dem Weg zu seinem ersten Olympia-Gold aufhalten. Schon auf der Schlussgeraden ließ er sich feiern und konnte entspannt im Ziel den zweitplatzierten Tschechen Ondrej Moravec und seinen Team-Kollegen Jean Guillaume Beatrix in Empfang nehmen. „Das Olympia-Gold war schon mein Kindheitstraum. Wenn ich ein Boxer wäre, würde ich sagen, es war ein guter Kampf“, sagte Fourcade.

Die anderen deutschen Biathleten sahen die Szene nicht. Zu weit lagen sie hinten. Dennoch enttäuschten zumindest Erik Lesser und Arnd Peiffer nicht. Lesser verbesserte sich noch von Rang 21 im Sprint auf Platz 16 - und das mit drei Strafrunden. Peiffer machte einen Sprung vom 34. auf den 19. Platz. Nur Christoph Stephan blieb als 43. wie schon am Samstag hinter den Erwartungen. Der Norweger Ole Einar Björndalen, der am Samstag im Sprint sein siebtes Olympia-Gold gewonnen hatte, wurde Vierter. Der 40-Jährige verpasste damit seine 13. Olympia-Medaille und eine historische Bestmarke.

Nach der gelungenen Schadensbegrenzung scheinen die deutschen Skijäger wieder auf dem richtigen Weg zu sein. Schrempp brauchte aber einige Minuten, um nach dem „brutal harten Rennen auf extrem hohen Niveau“ die Anstrengung und Enttäuschung wegzustecken. „Ohne den Fehler wär's definitiv eine Medaille geworden. Heute habe ich definitiv gemerkt, dass ich es auch nach ganz vorne schaffen kann. Das nehme ich mit in die nächsten Rennen“, erzählte er.

Bundestrainer Mark Kirchner konnte indes die Glückwünsche von DSV-Generalsekretär Thomas Pfüller für einen „Klasse-Auftritt des Quartetts“ entgegennehmen. „Aber leider gibt's für den Wettkampf nichts. Die Nettowertung des Tages zeigt zwar, dass wir - so wie ich es immer gesagt habe - vorn mitmischen können, doch das steht nicht in der Ergebnisliste“, sagte Kirchner.

Man dürfe nicht unterschlagen, dass neben Schempp auch Lesser mit der zweitschnellsten Laufzeit sich stark vorgestellt habe sowie Peiffer und Stephan mit je 19 Scheiben Spitzenergebnisse abgeliefert hätten. „Doch inzwischen ist es im Feld so eng, dass Millimeter - wie bei Simon - oder wenige Sekunden über Top- oder Durchschnitts-Ergebnisse entscheiden“, meinte Kirchner.



Von

dpa

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