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18.06.2014

23:15 Uhr

Vorrunden-K.o.

Chile schickt den Weltmeister nach Hause

Zwei Spiele, zwei Niederlagen, ausgeschieden: Spanien muss nach der Vorrunde die Heimreise antreten. Bissige und spielstarke Chilenen zogen dem Weltmeister den Zahn. Das Team von del Bosque enttäuschte auf voller Linie.

Der einsame Iker Casillas. Spaniens Keeper sah auch beim Spiel gegen Chile nicht gut aus. ap

Der einsame Iker Casillas. Spaniens Keeper sah auch beim Spiel gegen Chile nicht gut aus.

Rio de JaneiroSchluss mit Tiki-Taka! Mit Angriffswucht hat Chile die spanische Regentschaft im Weltfußball beendet und den Titelverteidiger brutal vom Thron gestoßen. Am Tag der Abdankung ihres Königs Juan Carlos verloren die Iberer in Rio de Janeiro auch ihr zweites Gruppenspiel bei der Weltmeisterschaft in Brasilien gegen den WM-Geheimtipp aus Südamerika mit 0:2 (0:2) und müssen als fünfter Weltmeister nach Italien (1950 und 2010), Brasilien (1966) und Frankreich (2002) schon nach der Vorrunde die Heimreise antreten.

Eduardo Vargas (20. Minute) und Charles Aranguiz (43.) versetzten dem Favoriten am Mittwoch vor 74 101 Zuschauern im Maracanã-Stadion den endgültigen K.o. und machten den von Tausenden angereister Fans gefeierten vorzeitigen Achtelfinal-Einzug Chiles perfekt. Nach der Niederlage der Spanier steht auch das Team der Niederlande, das Australien zuvor 3:2 bezwungen hatte, in der K.o.-Runde.

Chilenische Fans hatten vor dem Spiel für einen Riesentumult gesorgt. Zahlreiche Anhänger stürmten den Medienbereich des Stadions und lieferten sich Jagdszenen mit den Sicherheitskräften. Die Situation war erst nach mehreren Minuten einigermaßen unter Kontrolle. Etwa 100 Fans wurden vorübergehend festgehalten.

Spaniens Coach Vicente del Bosque hatte das zum Auftakt von den Niederlanden mit 1:5 gedemütigte Team auf zwei Schlüsselpositionen verändert. Der im ersten Spiel indisponierte Xavi wurde durch Pedro Rodriguez ersetzt, für Gerard Pique rückte Javi Martinez vom FC Bayern München in die Innenverteidigung. Diese Maßnahmen zeigten zunächst keine Wirkung, denn schon in den ersten 80 Sekunden drohte den Iberern zweimal höchste Gefahr. Erst klärte Xabi Alonso zur Ecke, die anschließende Hereingabe köpfte Gonzalo Jara knapp am Tor von Iker Casillas vorbei. Dieser Start sorgte für glänzende Stimmung auf den Rängen, die sich ohnehin fest in chilenischer Hand befanden.

Erst nach einer Viertelstunde legte der Titelverteidiger ein wenig seine Nervosität ab und kam zur ersten Chance: Chiles Keeper Claudio Bravo verhinderte mit toller Reaktion einen Treffer von Xabi Alonso (15.). Doch schon der erste perfekt vorgetragene Angriff der Südamerikaner deckte abermals die Schwächen in Spaniens Abwehr auf. Eingeleitet vom Ex-Leverkusener Arturo Vidal und den weiteren Stationen Alexis Sanchez und Aranguiz landete der Ball bei Vargas, der Sergio Ramos ins Leere laufen ließ und Casillas überwand. Der enormen Wucht der Chilenen hatten die Spanier mit ihrem Kurzpassspiel auch danach nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen.

Ein weiterer Schnitzer des bereits gegen Oranje völlig indisponierten Casillas leitete das zweite chilenische Tor ein. Der Keeper von Real Madrid faustete einen Freistoß von Sanchez genau in die Mitte, wo Javi Martinez Aranguiz nicht mehr am erfolgreichen Nachschuss hindern konnte. Mit gesenkten Köpfen schlichen die niedergeschlagenen Spanier nach dem Halbzeitpfiff in die Kabine.

Mit dem Mute der Verzweiflung starteten Diego Costa und Co. in die zweiten 45 Minuten. Die Riesengelegenheit, dem Spiel vielleicht noch einmal eine Wende zu geben, verpasste Sergio Busquets, der den Ball aus drei Metern neben das Tor von Bravo setzte (53.). Del Bosques Elf erhöhte zwar weiter den Druck auf das chilenische Tor, doch zündende Ideen brachten David Silva und Andres Iniesta nicht zustande. Der starke Bravo, der in der kommenden Saison für den FC Barcelona auflaufen wird, ließ sich nicht mehr überwinden. Phasenweise glich das Geschehen auf dem Rasen am Ende einer Vorführung für den Weltmeister. Nach Querpass von Eugenio Mena vergab Mauricio Isla sogar das 3:0.




Von

dpa

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