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19.06.2012

18:27 Uhr

Wankender Weltmeister

Spanien und die Chancen der Anderen

VonAlexander Möthe

Selten zeigte sich Welt- und Europameister Spanien in den vergangenen sechs Jahren so verwundbar wie derzeit. Die Konkurrenz wetzt die Messer - allen voran die DFB-Elf. Doch noch ist der taumelnde Champ nicht bezwungen.

Gute Laune auf den Rängen: Hansi Flick und Joachim Löw. Reuters

Gute Laune auf den Rängen: Hansi Flick und Joachim Löw.

DüsseldorfDer Weltmeister wankt. Bis zur 88. Minute gelingt es Spanien gegen Kroatien nicht, die Feldüberlegenheit in ein Tor umzumünzen. Das Aus droht, zumal die Kroaten mehrfach nah dran sind, selbst einen Treffer zu erzielen. Doch der Champ fällt nicht. Die spanische Geduld zahlt sich einmal mehr aus, als Iniesta und Jesus Navas überraschend völlig frei im Strafraum kombinieren können und praktisch unbedrängt einnetzen. Erlösung, weil  den Kroaten eine Stunde zuvor noch ein klarer Elfmeter verweigert wurde – deutsche Schützenhilfe durch Schiedsrichter Wolfgang Stark und Torrichter Florian Meyer. Kurios, ist Spanien doch so etwas wie die Nemesis, der Erzrivale des wiedererstarkten DFB-Teams.

Für jeden Gegner erstellt das Scouting-Team des DFB ein eigenes Dossier mit mehreren Hundert Seiten. Die wälzt meist Hansi Flick, Joachim Löw bekommt am Ende nur auf den Tisch, was sein Stab als relevant erachtet. Die „Furia Roja“ jedoch schaut sich der international höchst respektierte Coach am liebsten persönlich an. Welt- und Europameister Spanien klopft er selbst auf Schwächen ab, denn die Iberer sind Löws letzter richtiger Gegner. Und dessen Obsession.

Seit dem 7. Juli 2010 ist das DFB-Team nicht nur in Pflichtspielen unbesiegt, sondern gar ohne Punktverlust. Gegner damals – natürlich Spanien. Löw hat, wenn es darauf ankam, jeden Gegner knacken können. Nur gegen die zweifelsfrei spielstärkste Mannschaft weltweit fehlt ihm noch der Schlüssel. Den könnten ihm die Spanier nun selbst geliefert haben. Auch dank der  tatkräftigen Unterstützung Slaven Bilics.

Der kroatische Nationaltrainer musste gegen Spanien zwingend punkten und hat das mit vergleichsweise limitiertem Spielerpotenzial beinahe geschafft. Variable Raumdeckung, viel Laufarbeit, Spieler doppeln – Kroatien versuchte nicht, das spanische Spiel zu zerstören. Die Kroaten hielten es lediglich aus der Gefahrenzone heraus. Dass das iberische Modell der Ballkontrolle ohne zwingenden Abschlussversuch aufging, lag letztlich nur daran, dass die Bilic-Elf durch die Führung Italiens gezwungen war, mehr zu investieren und aufzumachen.  Auf die taktische Umstellung und erhöhte körperliche Belastung folgten dann Konzentrationsschwächen.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Löw, gemeinsam mit Hansi Flick, Andreas Köpke und Oliver Bierhoff wohlgelaunt auf der Tribüne, schon gesehen, was er sehen wollte. Seit dem EM-Finale 2008 richtet der Bundestrainer sein Team im Prinzip einzig und allein darauf aus, Spanien zu schlagen. Denn wer Spanien schlägt, kann jeden schlagen. Einfach, aber wahr.

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