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01.07.2011

11:52 Uhr

Weltfußballerin ist angezählt

Die schleichende Demontage der Birgit Prinz

VonPatrick Kleinmann, Marc Renner

Der Auftrag an die DFB-Auswahl nach der knüppelharten Fußballschlacht gegen Nigeria ist klar: Knochen sortieren, Mund abwischen, nach vorne blicken - und gegen Frankreich mit neuem Schwung den Gruppensieg einfahren. Ausgerechnet die deutsche Fußball-Ikone droht dabei auf der Strecke zu bleiben.

Schmerzhafte Auswechslung: Birgit Prinz wird gegen Nigeria vom Feld genommen. Quelle: dapd

Schmerzhafte Auswechslung: Birgit Prinz wird gegen Nigeria vom Feld genommen.

FrankfurtSilvia Neids Miene sprach Bände. Die Lippen zusammengekniffen, die Arme verschränkt stand die Bundestrainerin in den letzten Minuten des Spiels Deutschland gegen Nigeria in ihrer Coaching-Zone in der Frankfurter WM-Arena. Und auch bei der anschließenden Pressekonferenz war die Laune der 46-Jährige trotz des zweiten Siegs noch nicht viel besser geworden. Zwar versuchte sie ihre Unzufriedenheit zunächst souverän zu überspielen. „Ich bin froh, dass wir gewonnen haben. Wir sind vorzeitig im Viertelfinale, das ist sehr schön, auch wenn es ohne Glanz und Gloria war.“

Es folgte noch ein Lob für das Abwehrverhalten ihres Teams. Doch dann sprudelte es doch aus der ehemaligen Weltklassespielerin heraus: „Alles was nach vorne ging war nicht gut: die Bewegung, das Passspiel. Wir wirken einfach nicht frei“, wurde der Finger in die Wunde gelegt. „Das war mehr Krampf und Kampf als ein schönes Fußballspiel heute“, lautete das vernichtende Urteil, das auch durch die besonderen äußeren Umstände nicht  relativiert wurde: „Wenn 50.000 Zuschauer im Stadion sind, kann man ja trotzdem mal den Ball mitnehmen und eine Mitspielerin anspielen.“

Der Ärger über das schwache Spiel war berechtigt. Vor allem im Spiel nach vorne offenbarten sich eklatante Defizite, die auch Neid gesehen hatte: „Wir haben in der Pause darüber gesprochen, dass wir nach der Balleroberung mehr Bewegung vor dem Ball haben müssen - und eben auch mal das richtige und nicht immer das grüne Shirt anspielen müssen.“ Das klappte in der zweiten Hälfte zwar etwa besser, doch auch dort blieb die Mannschaft dank einer hohen Fehlerquote unter ihren Möglichkeiten.

Dennoch: Silvia Neid wird nach dem Verrauchen des ersten Ärgers über die spielerische Leistung auch positive Erkenntnisse aus der Partie mitnehmen können. Die wichtigste davon ist, dass sich das deutsche Team gegen physisch dominante Mannschaften wehren kann.

Denn was die Nigerianerinnen über 90 Minuten praktizierten, ging weit über das reine Zerstören des gegnerischen Spiels hinaus. Jeder gute Ansatz der DFB-Elf wurde durch harten, häufig auch über die Grenzen der Fairness hinaus gehenden Einsatz beendet, fast jeder Körperkontakt endete mit einer deutschen Spielerin am Boden. Selbst Innenverteidigerin Annike Krahn, selbst kein Kind von Traurigkeit in Sachen Zweikampfhärte, konnte sich nicht an ein derart rustikal geführtes Spiel erinnern: „Es ist schon sehr lange her, dass ich so was erlebt habe“, stellte die am Tag vor ihrem heutigen 26. Geburtstag zur Spielerin des Spiels gekürte Akteurin vom FFC Frankfurt nüchtern fest.

Deutschland im Viertelfinale

Video: Deutschland im Viertelfinale

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Kommentare (2)

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01.07.2011, 12:42 Uhr

Die Mannschaft wirkte eingeschüchtert und ideenlos,nachdem sie das harte Tackling und durchgehende frühe Pressing der Afrikanerinnen gleich zum Anfang zu spüren bekommen hatten.Dazu kam die unqualifizierte Leitung des Spiels durch die Schiedsrichterin zum Nachteil unseres Teams.Von solchen gegebenen Umständen darf sich jedoch ein Weltmeister auf dem Weg zur Titelverteidigung nicht aus der Bahn werfen lassen.
Jedenfalls kommt es in der Situation auf die Mannschaftsführerin an,das Team auf Erfolg zu führen.Das ist Prinz auch in diesem Spiel nicht gelungen,wenn sie es denn versucht hat.Deshalb hat die Trainerin richtig gehandelt.Für Elogen wegen erworbener Anerkennung ist da kein Platz.Siehe auch Ballack,der den nachstürmenden jüngeren Talenten weichen musste,um die Spielstärke des Teams optimal erhalten zu können.

nurhierundheutezaehlt

01.07.2011, 13:36 Uhr

Das Kapitel Birgit Prinz steht für den schleichenden Qualitätsverlust des deutschen Damenfußballs u. erinnert mich irgendwie an die Herren-Mannschaft des DFB bei der WM 1978 in Argentinien. Auch damals hat man viel zu viele altgediente Spieler wegen ihrer "Erfahrung" u. wg. ihrer erworbenen "Meriten" ins Aufgebot geholt. Genau das selbe sehen wir heute bei den Damen. Prinz ist zwar nicht die einzige die ihren Zenit schon längst überschritten hat, jedoch sieht man an ihr sehr deutlich, dass der Zahn der Zeit an ihr nagt. Zu langsam, zu unbeholfen, technisch u. taktisch überfordert präsentiert sie sich in einer blamablen Verfassung. Bleibt die Frage warum Silvia Neid diese Birgit Prinz überhaupt noch in ihr WM-Aufgebot berufen hat? Von Erfolgen früherer Tage kann man sich im heutigen Hochleistungssport nichts mehr kaufen. Wenn es so wäre, dann müssten wir Spieler wie Sepp Meier u. Franz Beckenbauer auch heute noch über den Platz hoppeln sehen!

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