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04.02.2014

19:13 Uhr

Wladimir Putin

Herr der Ringe – Chef im Ring

Für Wladimir Putin sind die Olympischen Winterspiele in Sotschi Chefsache. Kritik ignoriert er, die Spiele werden zur Selbstdarstellung – Leopard inklusive. Putin wird darüber zum mächtigsten Sportpolitiker weltweit.

Alles im Griff, auch den Arterhalt des Leoparden in Russland: Präsident Wladimir Putin. AFP

Alles im Griff, auch den Arterhalt des Leoparden in Russland: Präsident Wladimir Putin.

SotschiErst die Leoparden, dann die Olympia-Gäste: Es ist eine Inszenierung ganz nach dem Geschmack von Kremlchef Wladimir Putin. Noch vor seinem Treffen mit IOC-Präsident Thomas Bach und anderen offiziellen Terminen zeigt sich der „Zar“ betont menschlich - als Tierliebhaber, als wollte er vor allem den vielen Umweltschützern unter den Olympia-Kritikern Paroli bieten. Auf seine Initiative ist der einst ausgestorbene Leopard im Kaukasus nun wieder heimisch. Alous und Tscheri, Sadig und Andrea heißen die Raubtier-Paare, die nun sogar insgesamt vier Junge haben.

Der unlängst vom Wirtschaftsmagazin „Forbes“ zum mächtigsten „Mann der Welt“ Gekürte will damit zeigen, dass er fürs Detail was übrig hat - und nicht nur für Großereignisse wie Olympia. An diesem Freitag eröffnet der heimliche Weltsportminister, der für 2018 auch die Fußball-WM in sein Land geholt hat, die Olympischen Winterspiele im Fischt-Stadion am Schwarzen Meer. Es ist das erste winterliche Ringe-Spektakel unter Palmen. Es sind mit 37,5 Milliarden Euro Kosten die teuersten Spiele der Geschichte.

Seine eigene Idee sei es gewesen, hier zwischen der Küste und den schneebedeckten Bergen das erste russische Wintersportzentrum seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion bauen zu lassen, sagt Putin. Sieben Jahre dauerte das - und nun will er sich als „Herr der Ringe“, wie russische Medien schreiben, feiern lassen.

Zwar bleiben viele seiner westlichen Kollegen auch mit Blick auf die Menschenrechtslage fern. Aber der Kreml verkündet am Dienstag stolz: 40 Staats- und Regierungschefs kämen zum Eröffnungsfeuerwerk, darunter - was nicht so gesagt wird - zahlreiche Diktatoren und Halbdiktatoren. Drei Milliarden Fernsehzuschauer würden Zeugen eines neuen Russlands.

Kremlgegner kritisieren „Putins Spiele“ seit langem als Ein-Mann-Show. Für den Lebenstraum des „Zaren“ habe die bisher unberührte Landschaft schweren Schaden genommen, seien Gastarbeiter ausgebeutet und Bürger zwangsenteignet und mitunter nicht ausreichend entschädigt worden, betonen Menschenrechtler. Die Liste der Vorwürfe ist lang. Aber das Internationale Olympische Komitee (IOC) wird nicht müde, den begeisterten Eishockeyspieler und Skifahrer zu loben.

Kommentare (2)

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Oliver42

04.02.2014, 19:31 Uhr

Mögen die Putin-Spiele beginnen...

Warum erinnert mich das ganze Schauspiel nur so sehr an die Olympiade von 1936 ???

Es sind einfach zu viele Parallelen zu 1936 offensichtlich.

Account gelöscht!

05.02.2014, 11:35 Uhr

"...der auch Ehrenpräsident des Internationalen Judoverbandes ist und einen Schwarzen Karate-Gürtel..."
Nein, hat er nicht, den Schwarzen Gürtel trägt Herr Putin im Judo. Beim Besuch einer Karate-Schule in Okinawa hat er 2000 als besondere Ehrung den neunten DAN erhalten, allerdigs nicht in Karate, sondern im Judo.

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