Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.07.2014

09:40 Uhr

WM-Aus für Neymar

Das Desaster der goldenen Nummer 10

Brasilien steht trotz Halbfinaleinzug unter Schock: Neymar fällt mit einem Wirbelbruch aus. Dem Trainer geht das Bild, wie sein Star auf der Trage vor Schmerzen schrie, nicht aus dem Kopf.

Neymar am Boden: Nach einer harten Attacke wurde Brasiliens Hoffnung ins Krankenhaus gebracht. AFP

Neymar am Boden: Nach einer harten Attacke wurde Brasiliens Hoffnung ins Krankenhaus gebracht.

FortalezaWM-Aus für Neymar – die unfassbare Nachricht brannte sich wie ein gefräßiges Feuer durch die Partymeilen der brasilianischen Metropolen. Der 2:1 (1:0)-Sieg der Brasilianer im Viertelfinale gegen Kolumbien, das Halbfinale gegen den Traumgegner Deutschland – alles verblasste hinter dem Desaster der goldenen Nummer 10. „Es herrscht große Trauer“, sagte Brasiliens Torhüter Julio Cesar: „Aber wir werden jetzt wie Krieger für unseren Bruder kämpfen.“

In den Katakomben des Estádio Castelão von Fortaleza hatte Teamarzt Rodrigo Lasmar 100 Minuten nach dem Abpfiff gegen Kolumbien mit Grabesstimme das Unvorstellbare verkündet, die Diagnose, die Neymar vom Hauptdarsteller zum WM-Zuschauer machte: Fraktur des Querfortsatzes auf Höhe des dritten Lendenwirbels, Stützkorsett, vier bis sechs Wochen Pause. Eine Operation, so Lasmar, sei nicht erforderlich, wohl aber eine längere Pause.

Neymars Gegenspieler Juan Zuniga hatte den viermaligen WM-Torschützen mit dem Knie am Rücken getroffen und sich damit wohl zum Staatsfeind Nummer eins in Brasilien gemacht. Die englische Wikipedia-Seite des Verteidigers erhielt sofort nach dem Spiel im ersten Absatz den Zusatz: „Er ist der Kerl, der Neymar Jr. den Rücken brach.“ Zuniga beteuerte, er habe den Superstar nicht verletzen wollen: „Es war ein normaler Kampf um den Ball, ich wollte ihm nichts tun.“

Viele Fans pilgerten zum Krankenhaus Sao Carlos, in dem Neymar behandelt wurde. Als er die Klinik auf einer Rolltrage wieder verließ, verbarg er das verweinte Gesicht hinter einem weißen Handtuch. Um 22.30 Uhr hob der Flieger der Brasilianer mit Neymar an Bord Richtung WM-Quartier ab.

Für das fußballverrückte Brasilien hätte jeder ausfallen dürfen, nur nicht Neymar. So dachte auch Trainer Luiz Felipe Scolari, der schon vor der endgültigen Diagnose das Schlimmste befürchtet hatte. Das Bild von Neymar, der auf einer Trage vom Platz gebracht wurde und dabei „vor Schmerzen schrie“, ging Scolari nicht mehr aus dem Kopf. Sein wichtigster Offensivspieler sei seit WM-Beginn „gejagt“ worden, beschwerte sich Scolari: „Wir haben das immer wieder angesprochen, aber das hat ja keiner so gesehen.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×