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14.07.2014

12:41 Uhr

WM-Finale im Flugzeug

Im Blindflug durchs Endspiel

VonNils Rüdel

Während die Welt das WM-Finale guckt, sitzt unser Redakteur im Flieger. Die Maschine kann nicht übertragen. Deshalb improvisieren Kapitän, Stewardess und ein Helfer am Boden. Das Protokoll des Endspiels in der Luft.

A380 der Lufthansa: „Deutschland hat ein Tor geschos...“ APN

A380 der Lufthansa: „Deutschland hat ein Tor geschos...“

Irgendwo in AfrikaIch bin kein fanatischer Fußballfan. Aber: Seit der WM '86 habe ich noch nie ein Spiel der deutschen Mannschaft bei einem Turnier verpasst. Bis auf eines, weil ich bei einer Schultheater-Aufführung auf der Bühne stehen musste. Es war das EM-Finale '96. Als wir Europameister wurden.

18 Jahre später sollte sich dieses ganz persönliche Drama wiederholen. Am Sonntag, dem Abend des WM-Finales Deutschland-Argentinien, stehe ich nicht auf einer Fanmeile, sitze nicht in der Kneipe - ich sitze auf Platz 61G, 12.000 Meter über dem Sambesi, in einem Airbus A380 der Lufthansa von Johannesburg, Südafrika, nach Frankfurt.

„Guten Abend und Entschuldigung, dass wir das Spiel nicht übertragen können“, hatte der Kapitän durchgesagt, noch bevor die Türen geschlossen waren. Er klang selbst ein wenig frustriert. „Was ich aber tun kann“, schob er nach, „ist dies: Ich werde Sie mit Infos auf dem Laufenden halten“.

Wir haben Pech gehabt: Zwar zeigte die Lufthansa auf vielen ihrer Langstrecken-Jets die WM-Spiele - doch eben nicht bei uns. Der Flieger, den wir eigentlich hätten nehmen sollen, war kaputt, es musste Ersatz her. Und der Ersatzflieger kann nicht live übertragen.

Die Gewinner der WM

Gastgeber

Von der tollen Stimmung auf Tribünen und Straßen ließen sich alle mitreißen. Die Stadien wurden doch noch fertig, der Transport von Fans und Mannschaften klappte wie die Organisation. Die Sorgen mit Blick auf Olympia 2016 in Rio sind kleiner geworden.

Quelle: dpa

Die Deutschen

Manuel Neuer der überragende Keeper, Miroslav Klose WM-Rekordtorschütze, Toni Kroos in Höchstform - und Thomas Müller ließ es krachen. „Alemanha“ eroberte zudem die Herzen der Gastgeber, weil die Mannschaft brasilianischer spielte als die Seleção.

Offensiver Fußball

Rekordreifes Torspektakel mit insgesamt 136 Treffern in der Vorrunde - die Fußball-Welt staunte. Erst in der K.o.-Runde wurde es anders: Von den 15 Spielen vor dem Finale wurden nur vier mit mehr als einem Tor Vorsprung gewonnen.

Ein Kolumbianer

JAMES RODRIGUEZ: Shootingstar der WM. War dem AS Monaco bereits 2013 45 Millionen wert - aber wer kannte den Kolumbianer schon? Nach dem Viertelfinal-Aus gegen Brasilien weinte der 23-Jährige bitterlich. Aber noch führt er mit sechs Treffern die Torschützenliste an.

Ein Argentinier

LIONEL MESSI: Bei seiner dritten Weltmeisterschaft endlich der Leader bei Argentinien. Maradona persönlich will den „roten Teppich“ ausrollen, wenn der 27-Jährige seinem Land zum dritten WM-Triumph nach 1998 und 1986 verhilft.

Ein Deutscher

MEHMET SCHOLL: Beliebtester Fernseh-Experte in Deutschland, darf auch das Endspiel im Maracanã kommentieren. Klare Worte. Scheute keine Kritik an den Schiedsrichtern („Nicht mehr unsere Sportart“) und an Bondscoach Louis van Gaal („Taktisch überladen“).

Ein kleines Land

COSTA RICA: Die große Überraschung des Turniers. Im Viertelfinale von den Niederlanden erst im Elfmeterschießen besiegt. Kleines Land mit großem Fußball-Herzen und einem überragenden Keeper: Keylor Navas ist sogar beim FC Bayern München als Backup für Neuer im Gespräch.

Immerhin hängen Deutschlandfahnen am Getränke-Trolley, die Flugbegleiter tragen schwarz-rot-gelbe Fanschminke im Gesicht. Die Riesenmaschine ist halbleer, wer will schon an diesem Abend fliegen? Als wir unseren Flug vor einem Dreivierteljahr buchten, war die WM noch weit weg. Jetzt ist sie da. Irgendwo da draußen. Und wir müssen jetzt im Blindflug durch.

Es wird an diesem Abend drei Helden geben: den Kapitän, einen Mann irgendwo in der LH-Zentrale in Frankfurt, der Fernschreiben mit Zusammenfassungen an den Cockpit-Drucker schickt, und eine Stewardess, die mir die Zettel vorbeibringt. Die drei sind mein persönliches Kommentatoren-Team.

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