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11.06.2014

18:45 Uhr

WM-Gruppe G im Teamcheck

Deutschland gewinnt die Gruppe, aber nicht den Pokal

VonBenedikt Miketta

Die USA und Ghana sind die krassen Außenseiter in der Gruppe G, wollen aber dennoch Deutschland und Portugal aus der WM kegeln. Das wird jedoch nicht passieren – ebenso wenig wie die DFB-Elf Weltmeister wird.

Ghana in der Außenseiterrolle: Für die KO-Runde wird es eng. dpa

Ghana in der Außenseiterrolle: Für die KO-Runde wird es eng.

DüsseldorfGhana: In der Breite fehlt die Klasse

Sie sind immer gut gelaunt, haben Spaß an schnellen Rhythmen und sind ganz schön forsch. Ghanas Nationalmannschaft will in Brasilien für eine faustdicke Überraschung sorgen und peilt den ganzen großen Coup an – den Titelgewinn. Geht es nach Verbandschef Kwesi Nyantakyi, feiern die „Black Stars“ am 13. Juli im Maracanã von Rio de Janeiro den Gewinn der WM. „Ich kann Ihnen versprechen, dass Ghana die Gruppenphase überstehen und die Trophäe heben wird“, kommentierte Nyantakyi reichlich euphorisch bei einem einheimischen Radiosender. Keine Spur von Zurückhaltung also. Dabei wird selbst das Überstehen der Gruppenphase zur echten Herkules-Aufgabe.

In der Gruppe G treffen die Ghanaer auf Teams mit Weltklasseformat wie Deutschland und Portugal, das Vorrunden-Feld komplettieren die USA. Zwar gilt das Team um Schalke-Star Kevin-Prince Boateng nicht als WM-Schwächling, ob es aber für das Weiterkommen reicht? Dem ist sich auch Nationaltrainer James Kwesi Appiah bewusst, der etwas auf die Bremse tritt. „Jeder Trainer hat ein Ziel und ich glaube an meine Spieler und meine Mannschaft. Aber ich kann nicht sagen, was wir erreichen.“

Zumindest das Abschneiden bei den letzten beiden Weltmeisterschaften macht Mut. Bei der ersten WM-Teilnahme 2006 qualifizierte sich Ghana hinter dem späteren Weltmeister Italien für das Achtelfinale. 2010 erreichte das Team neben Deutschland das Achtelfinale und stieß vor bis ins Viertelfinale. Erst im dramatischen Elfer-Krimi gegen Uruguay war Schluss. „Das erwartet das Land auch dieses Mal von uns, der Druck ist deshalb sehr groß“, glaubt Kevin-Prince, dass nur einer der Gebrüder Boateng weiterkommt. Er oder Jérôme, der für Deutschland spielt. Ghana werde mit der DFB-Auswahl um Platz zwei in der Gruppe streiten.

Gruppe G: Ghana

Ghana: Das Land

Fläche: 238.537 Quadratkilometer, Einwohner: 25,8 Millionen, Hauptstadt: Accra, Staatsoberhaupt: Staatspräsident und Regierungschef John Mahama

Ghana: Der Verband

Fußballclubs: 280, Fußballspieler insgesamt: 987.500, davon registriert: 27.500

Ghana: Die WM-Bilanz

WM-Teilnahmen: 2 (2006, 2010), Größte Erfolge: WM-Viertelfinale 2010, WM-Achtelfinale 2006, Afrikameister 1963, 1965, 1978 und 1982

Ghana: Der Kader

Tor: Stephen Adams - Aduana Stars, Adam Kwarasey - Strømsgodset IF, Fatau Dauda - Orlando Pirates Johannesburg

Abwehr: Samuel Inkoom - Platanias Chania, Daniel Opare - Standard Lüttich, Rashid Sumaila Mamelodi - Sundowns Pretoria, Jonathan Mensah - FC Évian Gaillard, John Boye - Stade Rennes, Harrison Afful - Espérance Tunis

Mittelfeld: Michael Essien - AC Mailand, Afriyie Acquah - FC Parma, Christian Atsu - Vitesse Arnheim, Emmanuel Badu - Udinese Calcio, André Ayew - Olympique Marseille, Sulley Muntari - AC Mailand, Albert Adomah - FC Middlesbrough, Mohammed Rabiu - Kuban Krasnodar, Kwadwo Asamoah - Juventus Turin, Mubarak Wakaso - Rubin Kasan

Angriff: Asamoah Gyan - Al-Ain FC, Kevin-Prince Boateng - FC Schalke 04, Jordan Ayew - FC Sochaux, Majeed Waris - FC Valenciennes

Trainer: James Kwesi Appiah

Ghana: Die Bilanz gegen Deutschland

0 Siege - 0 Unentschieden - 2 Niederlagen

Ghanas Boateng von den Königsblauen Knappen ist einer von 23 Spielern im Kader der „Black Stars“, in dem auch Kwadwo Asamoah (Juventus Turin) sowie die Milan-Profis Sulley Muntari und Michael Essien (beide AC Mailand) stehen. Sie sind die Eckpfeiler in einer ansonsten unbekannten Truppe. Eine Stütze brach in der Vorbereitung im Testspiel gegen die Niederlanden heraus. Innenverteidiger Jerry Akaminko vom türkischen Erstligisten Eskisehirspor zog sich in der Schlussminute eine schwere Sprunggelenksverletzung zu und musste operiert werden. Selbst für den so optimistischen Präsident war die Nachricht ein Schock. „Ein herben Schlag für Jerry und das gesamte ghanaische Team.“

Nun ist der noch unerfahrene Trainer Appiah gefragt, die Lücke im Defensivverbund zu schließen. Bis zum April 2012 übte Appiah den Posten als Co-Trainer aus, ehe er das Amt des Chef-Coaches übernahm. Der 53-Jährige hat sich am 1. Juni mit seinem Tross auf den Weg nach Miami ins Trainingslager gemacht. Seit Dienstag sind die Afrikaner in ihrem WM-Quartier in der Küstenstadt Maceios im brasilianischen Bundesstaat Alagoas und werden während des Turniers für gute Stimmung sorgen – auch, wenn es mit dem Titelgewinn nicht klappen sollte.

Fazit: Der viermalige Afrikameister hat eine sehr athletische Mannschaft – nichts ungewöhnliches für afrikanische Teams. Die Mittelfeld-Spieler wie Boateng, Asamoah und Essien sind das Herz des Teams und peppen das Niveau durch ihre individuelle Klasse auf. Aber ob das reicht, um die großen Träume des Präsidenten zu erfüllen? Denn Ghana fehlt die ganz große Klasse, die andere Nationen haben.

Prognose: Kevin-Prince Boateng sagte: „Ich denke, dass nur ein Boateng weiterkommt.“ Er wird recht behalten. Ghana wird die Weltmeisterschaft bereichern. Aber nur außerhalb des Fußballplatzes. Auf dem Rasen wird gegen Deutschland und Portugal nichts zu holen sein.

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