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24.06.2014

15:44 Uhr

WM-Kolumne „Doppelpass“

Ein Zeichen der neuen Rechtskultur der Fifa

VonTheo Zwanziger

ExklusivEine Gratulation an Miroslav Klose! Der unverwüstliche Pfälzer bringt den Geist von 54 ins aktuelle WM-Team. Und Mitleid für Franz Beckenbauer: Seine Sperre ist bedauerlich, die Mechanismen dahinter aber begrüßenswert.

Claudia Roth und Theo Zwanziger im „Doppelpass“: Die besondere WM-Kolumne – exklusiv bei Handelsblatt Online. Heute ist der Ex-DFB-Präsident am Ball. Burkhardt Mohr

Claudia Roth und Theo Zwanziger im „Doppelpass“: Die besondere WM-Kolumne – exklusiv bei Handelsblatt Online. Heute ist der Ex-DFB-Präsident am Ball.

Die Gruppenphase der WM in Brasilien hat ihren Höhepunkt erreicht. Für alle Teams geht es nun endgültig um den Einzug ins Achtelfinale – am Donnerstag auch für die DFB-Auswahl. Ich sehe drei Bilder vor meinem Auge. Drei Bilder, die für den Fußball stehen, aber unterschiedlicher nicht sein könnten und alle Facetten dieses Sports darstellen.

Das erste Bild zeigt Miroslav Klose. Es hat mich besonders gefreut, wie viele Fußballfans in Deutschland ihn wieder bei seinem Torjubel erleben. Zwar hat er den Klose-Salto diesmal nicht perfekt gestanden, aber das wird er bis zum Endspiel noch richtig einüben. Ich kenne Miro Klose seit 2002, gut zehn Jahre. Ich habe ihn bei der WM in Japan und Südkorea erstmals als Spieler erlebt und danach seinen Weg intensiv verfolgen können. Gerade beim 1. FC Kaiserslautern – schließlich sind wir beide aus Rheinland-Pfalz, er Pfälzer, ich Westerwälder.

WM-Kolumne Doppelpass: Favoritensterben bei der WM – nicht mit uns!

WM-Kolumne Doppelpass

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Spanien ist raus, England ist raus und die Italiener müssen zittern. Doch WM-Kolumnistin Claudia Roth ist sich sicher: Die deutsche Nationalmannschaft bereitet dem europäischen Favoritensterben gegen Ghana ein Ende.

Wer im Fritz-Walter-Stadion spielt, bei dem ist der Geist der 54er vorhanden. Man kann ohne Übertreibung sagen: Leistungswille, Bodenständigkeit – all das ist ein bedeutender Teil Kloses Persönlichkeit. Er hat mich im Jahr 2012, als ich aus dem Amt als DFB-Präsident ausgeschieden bin, stellvertretend für den verletzten Kapitän Phillip Lahm verabschiedet. In seiner eigenen Art: einfach, klar, präzise. Vielen Dank, Miro Klose und viel Erfolg bei den weiteren Spielen mit der Nationalmannschaft.

Das zweite Bild vor meinen Augen ist schon anders: Ich leide mit Franz Beckenbauer. Das, was in den vergangenen Wochen zwischen ihm und der Fifa passiert ist, die, wenn auch vorläufige, Sperre, die man ihm auferlegt hat, ist jedoch ein deutliches Zeichen einer veränderten Rechtskultur beim Weltverband. Es gibt bei der Fifa jetzt, anders als früher, nicht mehr nur die Befehlsgewalt Sepp Blatters oder des Exekutivkomitees, sondern eine unabhängige Ethikkommission. Die Fifa hat eine eigene Staatsanwaltschaft, wie wir es in Deutschland aus dem demokratischen Alltag kennen. Eine unabhängige Staatsanwaltschaft, die nicht von der Kanzlerin oder den Ministerpräsidenten dirigiert werden kann und auch vor den größten Tieren nicht halt macht.

Keine Geschenke!

Diesen unabhängigen Ermittlern wurde eine schwere Bürde auferlegt: Die Weltöffentlichkeit erwartet in naher Zukunft die Entscheidung, ob die Vergabe der Weltmeisterschaft nach Katar und Russland rechtens ist. Dafür braucht die Ethikkommission Ermittlungshandlungen, dafür braucht es Zeugeneinvernahmen – und da müssen Funktionäre natürlich mitziehen. Franz Beckenbauer hat das alles etwas überrascht. Im war nicht klar, wie weit seine Mitwirkungspflichten wirklich gehen. Nachdem er jetzt seine Aussagen gemacht und die Dinge geklärt hat, sollte man die Kirche im Dorf lassen. Ohne, dass ich der Kommission Vorschriften machen könnte oder wollte: Das Prinzip der Verhältnismäßigkeit begleitet das juristische Handeln.

WM-Kolumne für Handelsblatt Online: Claudia Roth und Theo Zwanziger spielen „Doppelpass“

WM-Kolumne für Handelsblatt Online

Claudia Roth und Theo Zwanziger spielen „Doppelpass“

Ungleiches Duell oder Traum-Duo? Die fußballbegeisterte Grünen-Politikerin Claudia Roth und Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger kommentieren im Wechsel die sportlichen und gesellschaftlichen Geschehnisse der Fußball-WM.

Und dann kommt das dritte Bild. Das ist auch nicht unbedingt freudig. Es ist ein Bild aus dem Jahr 1982 und es zeigt ein Weltmeisterschaftsspiel im spanischen Gijón. Gegner damals: Deutschland und Österreich. Man spricht bei der Partie heute von einem Nichtangriffspakt. Es ist merkwürdig, doch vor dem Spiel Deutschlands gegen die USA kommt diese Erinnerung wieder hoch, nicht nur bei mir. Doch die Voraussetzungen sind andere, Gijón wird sich nicht wiederholen. Es ist jedoch gut, dass diese Dinge immer wieder in den Fokus rücken.

Eins ist klar: Der Fußball verliert seine Seele, wenn es keinen ehrlichen Wettkampf gibt. Und ehrlicher Wettkampf heißt, dass man nicht taktisch auf Ergebnis spielt und auf diese Art Dritte um den verdienten Erfolg bringt. Insofern war es 1982 eine große Schmach für den deutschen und österreichischen Fußball, eine Schmach, die als Mahnmal vor jedem großen Turnier steht. Ich bin mir sicher, dass uns das beim Spiel gegen die USA erspart bleibt. Natürlich kann die Partie Unentschieden ausgehen, das hat bereits das Spiel gegen Ghana gezeigt. Aber niemand glaubt, dass dieses Spiel in irgendeiner Form manipuliert war. Deshalb keine Geschenke, das wäre unfair gegenüber Ghana oder Portugal.

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