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30.06.2014

16:25 Uhr

WM-Kolumne Doppelpass

Politik gehört ins Stadion

VonClaudia Roth

ExklusivVor der Fußball-Weltmeisterschaft gingen Millionen Brasilianer auf die Straßen. Während der Spiele werden die Proteste jedoch kaum noch wahrgenommen. Nun appelliert WM-Kolumnistin Claudia Roth an die Fans.

Claudia Roth und Theo Zwanziger im „Doppelpass“: Die besondere WM-Kolumne – exklusiv bei Handelsblatt Online. Heute ist die Grüne-Politikerin am Ball. Burkhardt Mohr

Claudia Roth und Theo Zwanziger im „Doppelpass“: Die besondere WM-Kolumne – exklusiv bei Handelsblatt Online. Heute ist die Grüne-Politikerin am Ball.

Als im Vorfeld der Weltmeisterschaft die Berichterstattung über die sozialen Unruhen und Proteste in Brasilien ihren Höhepunkt erreichte, war die Betroffenheit groß und die Zeitungen voll. Gut zweieinhalb Wochen nach Beginn der WM hat sich das öffentliche Interesse relativiert, die Stimmung im Land freilich nicht. Auch heute noch gehen die Menschen in Brasilien auf die Straße, um ihren Unmut über die bekannten Probleme und ihre Vorbehalte gegen die Politik der eigenen Regierung kundzutun.

Das ist die eine, die politische Seite des Geschehens. Sie ist untrennbar mit der sportlichen Seite verbunden, denn Sport ist kein politisch luftleerer Raum. Die Bedingungen, unter denen er stattfindet, entscheiden wir alle – gerade als Fans. Deshalb ist es wichtig, dass wir nicht aufhören, auf die Dinge hinzuweisen, die neben dem Platz schief und zu Lasten der Menschen gehen. Schließlich braucht es gesellschaftliche Mehrheiten, um Sportgroßveranstaltungen wie Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele zu legitimieren.

Bröckelt der Rückhalt in der Bevölkerung, verkommen sie zu einer reinen Kulisse für einige wenige auf Kosten vieler anderer. Genau daran krankt der Weltsport derzeit und deshalb ist es richtig, dass weiter darüber gesprochen wird, was wir aus der Situation in Brasilien lernen müssen für die Zukunft.

Sportlich ist die Weltmeisterschaft hingegen bisher nichts schuldig geblieben. Was für eine Spannung schon im Achtelfinale! Niederlande gegen Mexiko, Oranje am Rande einer Niederlage gegen stark aufspielende Mexikaner und doch im letzten Moment, gerettet durch zwei späte Tore, davon ein Foulelfmeter in der vierten Minute der Nachspielzeit – es sind diese brutalen letzten Minuten, die einem kleinen Jungen gestern beim Public Viewing im WM-Quartier der „11 Freunde“ im Berliner Postbahnhof die Tränen ins Gesicht trieben.

Aber die Mexikaner können erhobenen Hauptes nach Hause fahren. Sie haben Erstaunliches geleistet, kämpften auch dann weiter, als von Krämpfen geplagt eigentlich schon nichts mehr ging und sie ließen erst nach, als die Niederländer alles nach vorne warfen.

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