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03.07.2014

16:25 Uhr

WM-Kolumne „Doppelpass“

Wer Friedhofsruhe will, steht mit einem Fuß im Grab

VonTheo Zwanziger

Der Auftritt Per Mertesackers hat die alte Debatte befeuert, was Sportler sich von Medien gefallen lassen müssen. Vieles, ist die Antwort – und gilt auch umgekehrt. Die andere große Debatte: Wo soll Philipp Lahm spielen?

DFB-Spieler Per Mertesacker: Sowohl Frage als auch Reaktion sind verständlich. Reuters

DFB-Spieler Per Mertesacker: Sowohl Frage als auch Reaktion sind verständlich.

Die deutsche Nationalmannschaft hat gegen Algerien gewonnen und das Viertelfinale erreicht. Fast interessanter als das Spiel selbst war es, die Diskussionen und die wechselseitige Kritik zu beobachten, die unmittelbar danach einsetzten. Die Akteure: Die Medien auf der einen, die Spieler, insbesondere Per Mertesacker, und ihr Umfeld auf der anderen Seite.

Was wollen wir eigentlich?

Wir wollen Weltmeister werden. Wir haben eine tolle Mannschaft, die das erreichen kann. Natürlich wollen wir auch attraktiv spielen, doch beides zusammen – das geht nicht immer. Fußball ist öffentlich, die Spieler und der DFB ziehen auch wirtschaftlich großen Nutzen aus dieser Öffentlichkeit. Es werden hohe Prämien ausgelobt, entsprechend muss man auch mit Kritik umgehen können: Sie gehört einfach dazu.

Umgekehrt müssen auch die Medien akzeptieren, dass ein selbstbewusster und intelligenter Spieler wie Per Mertesacker sich nicht auf jede, aus seiner Sicht, unpassende Frage gnädig einlässt. Der Unterhaltungswert des Fußballs, , wird hier deutlich. Es gibt für keine Seite einen Grund, empfindlich zu reagieren. Ohne kritische Auseinandersetzung gibt es keinen Fortschritt. Und wer nur Friedhofsruhe will, steht schon mit einem Fuß im Grab.

WM-Kolumne Doppelpass: Politik gehört ins Stadion

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Vor der Fußball-Weltmeisterschaft gingen Millionen Brasilianer auf die Straßen. Während der Spiele werden die Proteste jedoch kaum noch wahrgenommen. Nun appelliert WM-Kolumnistin Claudia Roth an die Fans.

Jetzt wird es Zeit, nach vorne zu schauen: Freuen wir uns auf Frankreich! Es treffen die beiden starken Demokratien im Herzen Europas aufeinander. Aus Erbfeinden wurden nach 1945 Freunde, aber auf dem Fußballplatz ging und geht es noch immer hoch her. Der arme Harald Schumacher wird sich wieder an sein böses Foul an Patrick Battiston aus dem Juli 1982 in Sevilla erinnern lassen müssen. So ist das eben: Solche Entgleisungen bleiben hängen, die glanzvollen Momente einer Spielerkarriere verblassen dagegen manchmal.

Philipp Lahm auf links!

Ich empfinde ganz ähnlich bei Thierry Henry, dem großen französischen Fußballer und einem meiner Lieblingsspieler. Henry spielte die DFB-Elf im November 2003 beim 0:3 in Gelsenkirchen vor meinen Augen schwindelig. Er hätte in die Geschichte als einer der Größten eingehen können, wenn er sein Handspiel in den Playoffs der WM-Qualifikation 2009 gegen Irland noch auf dem Platz zugegeben hätte. Auch Helden verhalten sich oft wie einfach Menschen, wie Du und ich.

Ohne Henry, ohne Schumacher tritt die Nationalmannschaft nun im Viertelfinale an. Wenn die deutsche Elf gegen Frankreich so auftritt wie im Februar 2013 beim 2:1-Erfolg in Paris, ist mir nicht bang. Gleich in welcher Aufstellung wir antreten. Das entscheidet ohnehin der Bundestrainer, und er wird das Richtige tun.

Da aber jeder in Deutschland während großer Turniere selbst Bundestrainer ist, möchte ich mich mit meinem Beitrag zur Diskussion nicht zurückhalten. Ich würde Schweinsteiger, Khedira und Özil im Mittelfeld aufbieten. Und Philipp Lahm, sie werden erstaunt sein, in hinten links. Dort habe ich ihn seit seinem Tor bei der WM-Eröffnung 2006 in München immer am liebsten gesehen. Gemeinsam mit Hummels, Mertesacker und Boateng wäre dies eine Abwehrreihe nach meinem Geschmack. In den Angriff gehören natürlich Miro Klose, Thomas Müller und auch André Schürrle. Das wäre meine Erfolgsgarantie.

So oder so: Ich bin mir sicher, wir sehen eine packende Partie gegen starke Franzosen.

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