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15.06.2014

13:38 Uhr

WM ohne Beckenbauer

Der „Kaiser“ hört auf Zwanziger

Franz Beckenbauer ist vom Fußball-Weltverband für 90 Tage gesperrt worden und darf nicht an der WM teilnehmen. Die Strafe wirkt: Der Fußball-Kaiser hört auf Ex-DFB-Chef Zwanziger und will Fragen zu Katar beantworten.

Franz Beckenbauer ist von der FIFA 90 Tage lang für jede fußballerische Aktivität gesperrt worden. Dies schließe „den privaten Besuch einer jeglichen Partie“ mit ein, erklärte der stellvertretende Chef der FIFA-Ethikkommission. Beckenbauer sagte seinen Besuch in Brasilien daraufhin ab. ap

Franz Beckenbauer ist von der FIFA 90 Tage lang für jede fußballerische Aktivität gesperrt worden. Dies schließe „den privaten Besuch einer jeglichen Partie“ mit ein, erklärte der stellvertretende Chef der FIFA-Ethikkommission. Beckenbauer sagte seinen Besuch in Brasilien daraufhin ab.

BerlinDer Fußball-Kaiser steht plötzlich im Abseits. Praktisch über Nacht ist Franz Beckenbauer zur Persona non grata erklärt worden und wird sich die WM am Zuckerhut wohl nur am Fernseher angucken. Denn die am Freitag vom Weltverband FIFA verhängte Sperre von 90 Tagen hat für den 68-Jährigen weitreichende Konsequenzen.

Doch bereits am Sonntag vollzog Beckenbauer die Kehrtwende - wohl auch, um weiteren Strafen zu entgehen. Er will nun bis zum 27. Juni die Fragen der Fifa-Ethik-Kommission beantworten, gab sein Management bekannt. Dabei geht es um die Vergabe der Weltmeisterschaft im Jahre 2022 an den Wüstenstaat Katar und inwieweit Korruption dabei eine Rolle spielte.

„Franz Beckenbauer kann an keiner Fußball-Aktivität teilnehmen. Das schließt andere Dinge ein, wie eine Einladung zum Besuch eines Fußballspiels oder den privaten Besuch einer jeglichen Partie“, sagte Alan Sullivan, stellvertretender Chef der FIFA-Ethikkommission, am Samstag der Nachrichtenagentur dpa.

Fifa-Streit: Wie Beckenbauer sich herauswindet

Erklärung

Franz Beckenbauer hat am Samstag (14. Juni) der FIFA schriftlich mitgeteilt, dass er die Fragen der Ermittlungskammer der Ethikkommission bis spätestens zum 27. Juni beantworten wird. Seine Erklärung im Wortlaut.
Quelle: sid

Kein Verstoß

Damit liegt für unser Verständnis kein "Verdacht für einen mutmaßlichen Verstoß" gegen das FIFA-Ethikreglement mehr vor, sodass wir davon ausgehen, dass die provisorisch verhängte Sanktion gegen ihn umgehend aufgehoben wird.

Nur ein Verdacht

Die erlassene Sperre war von der Ethikkommission der FIFA als "provisorische" Maßnahme erlassen worden. Damit wurde kein Verstoß festgestellt, sondern nach dem Ethikreglement lediglich angenommen, dass der Verdacht eines Verstoßes vorliegen könnte, sollte er die Fragen nicht beantworten.

Immer willig

Franz Beckenbauer hat jedoch zu keinem Zeitpunkt gegenüber der FIFA ausgeschlossen, die Fragen zu beantworten.

Aber auf deutsch

In der Abstimmung mit den Ermittlern der Ethikkommission ging es nie darum, ob er die Fragen beantwortet, sondern ausschließlich darum wie. Dieser Prozess ist hiermit abgeschlossen: Franz Beckenbauer wird die Fragen in schriftlicher Form auf Deutsch beantworten.

Überrascht

Über die von der FIFA­-Ethikkommission verhängte Sanktion war Franz Beckenbauer äußerst überrascht. Ihm wurde keine Möglichkeit gegeben, sich vorab zu dem "Verdacht eines mutmaßlichen Verstoßes" zu äußern. Er wurde über die Entscheidung auch nicht vorher in Kenntnis gesetzt. Dabei ist im Ethikreglement der FIFA die Möglichkeit einer "vorherigen Stellungnahme der Partei" ausdrücklich erwähnt.

Was nun geklärt ist

Franz Beckenbauer: "Es war das erste Mal, dass sie bei der FIFA nicht gewusst haben, wie sie mich telefonisch erreichen können. Im Übrigen war ich immer davon ausgegangen, dass ich die Fragen nicht beantworten muss, da ich bei der Fifa keine offizielle Funktion mehr begleite. Aber das ist ja nun auch geklärt."

Beckenbauer darf also nicht nur für drei Monate kein Amt im Fußball ausüben, sondern ist auch bei keiner Veranstaltung erwünscht. Er erwägt daher, seine geplante Reise zum Halbfinale und Finale abzusagen. „Das muss ich mir jetzt überlegen. Ich werde abwarten, was in den nächsten Tagen passiert“, sagte Beckenbauer.

Eines ist schon mal klar: Der FIFA-Bann wirkt sich nicht auf Beckenbauers Aktivitäten als WM-Medienexperte aus. „Wenn er etwas in München im Studio macht, sollte das davon nicht betroffen sein“, sagte eine FIFA-Sprecherin. Beckenbauer arbeitet für den Pay-TV-Sender Sky.

Die Strafe war am Freitag auf Antrag von Chefermittler Michael Garcia wegen der mangelnden Kooperation des „Kaisers“ bei der Untersuchung der brisanten WM-Doppelvergabe an Russland 2018 und Katar 2022 ausgesprochen worden. Beckenbauer, der weltweit einen hervorragenden Ruf genießt, hatte einen Fragekatalog der Ethikkommission unbeantwortet gelassen. Korruptionsvorwürfe wies er energisch zurück.

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