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29.06.2014

08:32 Uhr

WM-Reporter an der Copacabana

„Euch schlagen wir im Halbfinale“

VonStefan Kaufmann

Mit Glück haben die Brasilianer die nächste Runde erreicht. In Rio de Janeiro haben die Fans in Gelb und Grün lange gelitten – bis zum erlösenden Elfmeter. Jetzt feiern sie - und warten auf Deutschland.

Freude über den Sieg: Die Erleichterung unter den Fans der brasilianischen Nationalmannschaft nach dem Weiterkommen ist riesengroß. dpa

Freude über den Sieg: Die Erleichterung unter den Fans der brasilianischen Nationalmannschaft nach dem Weiterkommen ist riesengroß.

Rio de JaneiroDas Elfmeterschießen machen die Nerven von Raquel nicht mehr mit. Sie nimmt ihren Plastikbecher voller Caipirinha und verschanzt sich auf der anderen Straßenseite hinter einem parkenden Auto. Die Bildschirme in der Rose Bar, eine Querstraße von der Copacabana entfernt, sind nun außer Sicherweite. Bloß nicht hinschauen müssen, wenn die brutalste aller Entscheidungen fällt.

Doch sie hört den Jubel, die Ahs und Ohs, und als alle ihre Freunde in der Bar aufspringen, herumhüpfen, schreien und tanzen, weiß auch Raquel: Brasilien hat gewonnen.

Es ist ein unangenehmes Spiel für den Gastgeber, dieses WM-Achtelfinale gegen Chile, eine Mannschaft, die rennt und kämpft und nur schwer kleinzukriegen ist. Die Spannung ist spürbar, als sich die Brasilianer morgens auf den Weg zur weltgrößten Fanmeile in Rio de Janeiro machen. Natürlich glauben sie an ihre Idole in Gelb und Grün – und doch, der Respekt vor diesem Gegner ist groß.

„Das wird verdammt schwer, Chile ist richtig stark“, sagt Francesco am Tresen der Rose Bar, als suche er schon vor Spielbeginn nach Ausreden. Doch das Aus für den Gastgeber? Schon im Achtelfinale? Diese Schmach wäre ein schwerer Schlag für diese Weltmeisterschaft. Und vermutlich ein ziemlicher Stimmungskiller.

„Wir sind einfach nicht mehr so gut wie noch beim Confed-Cup vor einem Jahr“, sagt Raquel. Das Spiel der Brasilianer sei irgendwie nicht brasilianisch. Und doch: „Wir wollen den Titel – und Euch im Halbfinale schlagen.“ In der Runde der letzten Vier, so sieht es der Spielplan vor, könnte Brasilien auf die deutsche Nationalmannschaft treffen.

Marcel hat etwas dagegen. Der Chilene hat sich an diesem Samstag in die Höhle des Löwen gewagt. Ohne Furcht feuert er seine Farben auf der Copacabana-Fanmeile an. Als Brasilien in Führung geht, wird er von seinen brasilianischen Nachbarn belächelt.

Marcel flucht so lange auf die Fifa und das dramatische Pech, dass Chile schon bei den Weltmeisterschaften 2010 und 1998 stets im Achtelfinale gegen Brasilien ran musste – bis Alexis Sanchez den Ausgleich erzielt. Für diesen Moment sind auf der Fanmeile Marcel und seine Freunde tonangebend: „Chi Chi Chi – le le le.“

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