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14.06.2014

01:21 Uhr

WM-Vergabe nach Katar

FIFA sperrt Beckenbauer provisorisch für 90 Tage

Franz Beckenbauer ist von der FIFA provisorisch für 90 Tage für Tätigkeiten im Fußball gesperrt worden. Der Verband begründete dies mit einem mutmaßlichen Verstoß gegen das Ethikreglement. Beckenbauer nimmt es humorvoll.

Franz Beckenbauer sieht die FIFA-Vorwürfe gelassen. dpa

Franz Beckenbauer sieht die FIFA-Vorwürfe gelassen.

BerlinDer Weltverband FIFA hat Franz Beckenbauer für drei Monate aus der Fußball-Familie verbannt. Wegen der fehlenden Kooperation Beckenbauers in einer Untersuchung der Ethikkommission wurde der 68-Jährige am Freitag für 90 Tage für jegliche Tätigkeit im Fußball gesperrt. Beckenbauer reagierte auf den von Chefermittler Michael Garcia beantragten Ausschluss mit großer Gelassenheit. „Ich habe gedacht, das ist ein Aprilscherz. Vielleicht hat sich da jemand einen Spaß erlaubt“, kommentierte der sichtlich gut gelaunte Beckenbauer am Freitag beim TV-Sender Sky Sport News HD die Strafe.

Dem Weltverband ist es in der Causa dagegen ernst. Beckenbauer hat derzeit allerdings nur noch das Amt des Ehrenpräsidenten beim deutschen Rekordmeister FC Bayern München inne. „Die Bayern werden es überleben“, scherzte er. So gelassen Beckenbauer die Sperre auch nahm, die „WM ist für mich gestrichen, auf die geplante Reise nach Brasilien werde ich verzichten. Ich gehe davon aus, dass ich bei der FIFA nicht mehr willkommen bin“, sagte er der „Bild“-Zeitung. Ursprünglich wollte Beckenbauer vom Halbfinale an bei der WM vor Ort sein.

Vergehen gegen Ethikregeln

Die FIFA lastet Beckenbauer ein Vergehen gegen das Ethikreglement an. Sie wirft ihm vor, auf Fragen der Ethikkommission, die unter anderem die brisante WM-Doppelvergabe 2018 und 2022 an Russland und Katar untersucht, nicht reagiert zu haben, „obwohl er wiederholt angefragt wurde, in einem persönlichen Interview oder durch die Beantwortung schriftlicher Fragen, die in Englisch und Deutsch gestellt wurden, Informationen zu liefern“, hieß es am Freitag in einer Pressemitteilung des Weltverbandes.

Fakten zur Korruption im Sport

Sportliche Großereignisse

Seit 1912 sind die sportlichen Großereignisse in Zahl und Umfang angestiegen. Während 1912 weltweit 12 Großereignisse weltweit stattfanden, sind es seit 2012 global über 1000.

Wetten

80 Prozent aller Sportwetten weltweit sind illegal.

Wettanbieter

Weltweit existieren schätzungsweise 8.000 Anbieter für Sportwetten jeglicher Art.

Finanzieller Umfang der Wetten weltweit

Jährlich geraten 140 Milliarden US-Dollar (umgerechnet über 102 Milliarden Euro) über Sportwetten in Umlauf.

Wettsteuern

Lediglich Frankreich, die Türkei Neuseeland und Australien haben bislang den Markt der Wettanbieter mit Steuern einzuschränken versucht.

Fälle pro Jahr

Abhängig von verschiedenen Quellen werden pro Jahr zwischen 300 und 700 Fällen an Manipulation und Korruption im Zusammenhang mit sportlichen Ereignissen aufgedeckt.

Anfällige Sportarten

Neben dem Fußball kommen Wett-, Korruptions- und Manipulationsskandale ebenfalls beim Cricket, Tennis, Snooker-Billard, Basketball, Volleyball, Wrestling, Boxen, Handball und Badminton vor.

Beckenbauer begründete dies damit, dass er des Englischen nicht so mächtig sei. „Ich sollte ungefähr 130 Fragen beantworten. Ich habe das nicht alles verstanden und mitgeteilt, die wichtigsten Fragen, also auch die zur Korruption, auf Deutsch beantworten zu wollen. Das wurde nicht genehmigt“, erläuterte Beckenbauer.

Die englische Zeitung „Sunday Times“ hatte in ihrer jüngsten Ausgabe von Reisen Beckenbauers nach Katar auf Einladung des mittlerweile lebenslang gesperrten Ex-Funktionärs Mohamed bin Hammam berichtet. Beckenbauer soll 2009 und 2011 im Emirat gewesen sein, bei der zweiten Reise als Berater zu Geschäftsgesprächen einer Hamburger Firma. Beckenbauer verwies Korruptionsvorwürfe gegen ihn erneut ins Reich der Fabel. „Wer sollte an mich herantreten und zu Dingen verleiten. Das ist doch lächerlich“, sagte Beckenbauer.

Eine Verbindung zwischen dem FIFA-Votum für Russland und seinem anschließenden Engagement für die „Russian Gas Society“ von Gazprom hatte Beckenbauer bereits am Vortag der WM-Eröffnung in einem Interview der „Bild“-Zeitung zurückgewiesen. „Das hatte mit der WM-Vergabe absolut nichts zu tun, ich kannte die Leute damals noch gar nicht. Die Diskussion darum ist Unsinn“, betonte er.

Der Fall unterliegt nun dem offiziellen Untersuchungsverfahren, das von Vanessa Allard, Mitglied der Untersuchungskammer, geleitet wird. Der Vorsitzende der rechtsprechenden Kammer, Richter Hans-Joachim Eckert, trat als Landsmann von Beckenbauer in dieser Sache in den Ausstand.

Von

dpa

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