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15.01.2003

08:55 Uhr

Sportrechtekonzern versucht in Deutschland einen Neuanfang

Sportfive erwartet harten Wettbewerb

Trotz Marktschwäche will der Sportvermarkter Sportfive sein Deutschland-Geschäft ausbauen. Allerdings sinken die Preise für Sportrechte bereits seit zwei Jahren. Die Branche befindet sich im Verdrängungswettbewerb.

him/hps DÜSSELDORF/FRANKFURT. Der Sportrechtehändler Sportfive Deutschland GmbH, erwartet trotz schwieriger Rahmenbedingungen für dieses Jahr eine Besserung des Geschäfts. Gewinn und Umsatz sollten um jeweils 5 % steigen, sagte der neue Sportfive-Geschäftsführer Thomas Röttgermann. Vergleichbare Zahlen für 2002 liegen allerdings noch nicht vor. Röttgermann erwartet einen harten Verdrängungswettbewerb in der Branche, verspricht allerdings vollmundig: "Daraus werden wir als der große Gewinner hervorgehen, und dann werden sich uns ungeahnte Möglichkeiten eröffnen." Sportfive Deutschland ist die Tochter des Pariser Sportfive-Konzerns, Europas größtem Sportrechtehändler. Sportfive war aus der Fusion von Töchtern der Konzerne Bertelsmann und Canal Plus sowie der Groupe Jean- Claude Darmon hervorgegangen.

Röttergermann versucht zusammen mit Robert Müller von Vultejus, der bereits vor einem Monat sein Amt antrat, einen Neuanfang für die Deutschland-Geschäfte des Unternehmens. Die Doppelspitze tritt ihre Position in turbulenten Zeiten an, denn die Preise für Sportrechte gehen seit zwei Jahren zurück. Angesichts des schlechten Werbemarktes fahren sämtliche Fernsehsender einen harten Sparkurs.

Auf die Gewinnsituation von Sportfive haben die Einnahmen aus den Übertragungen der Fußball-Bundesliga und der Champions-League einen wichtigen Einfluss. In diesem Bereich wird rund die Hälfte der Umsätze in Deutschland erwirtschaftet.

Vor allem die sinkenden Preise für die Bundesliga-Rechte treiben der in Hamburg ansässigen Agentur Sorgenfalten ins Gesicht. Denn der defizitäre Sender Sat 1 bietet künftig nur noch 50 Mill. Euro statt der früheren 80 Mill. Euro pro Bundesliga-Saison. Zuletzt wetterte Bayern-Manager Uli Hoeneß gegen das niedrige Angebot des früheren Kirch-Senders. Er taxierte den Wert der TV-Rechte auf 120 Mill. bis 150 Mill. Euro pro Saison. Schützenhilfe bekommt Hoeneß von Sportfive-Geschäftsführer Müller. Auch er hält 150 Mill. Euro für das "Premiumprodukt Fußball-Bundesliga" für einen fairen Preis. Insider halten derartige Preisvorstellungen aber für abwegig. Die ARD hatte bereits als potenzieller Bewerber um die Bundesligarechte abgewinkt.

Im Vertragspoker um die TV-Rechte will Sportfive künftig ganz vorne mitmischen. "Sollte die Deutsche Fußball Liga (DFL) oder die Uefa interessante Rechte anbieten, werden wir als Bieter auftreten", sagte Müller. Uninteressant sind für die Sportfive-Geschäftsführer im TV-Poker dagegen Teil- oder Zweitrechte, denn das Unternehmen setzt auf Premiumprodukte - wie bei seinen Fußballclub-Kunden, zu denen renommierte deutsche Traditionsvereine wie Borussia Dortmund, Hertha BSC Berlin und der Hamburger SV gehören.

Die Fusion von Ufa Sports, Sport Plus und dem französischen Sportvermarktungsunternehmen Jean-Claude Darmon im Dezember 2001 stand bisher unter keinem guten Stern. Statt Synergien gab es jede Menge Reibungsverluste. Auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzungen trat der in der Branche hoch geschätzte Bernd Hoffmann, seit der Fusion im Clinch mit Sportfive-Anteilseigner und Vorstandschef Darmon, frustriert zurück.

Ein genaues Auge auf die Zahlen wird vor allem Bertelsmann-Chef Gunter Thielen werfen. Schon seit längerem ist die Konzernspitze in Gütersloh, mit der von Ex-Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff und Ex-Vivendi-Chef Jean-Marie Messier eingefädelten Fusion unzufrieden. Bisher bleiben die Gewinne weit hinter den Erwartungen zurück. Nicht wenige Vorstände trauern der Bertelsmann-Fusionseinlage von 50 Mill. Euro nach. Das TV- und Rechtegeschäft war bisher der große Geldbringer innerhalb des Konzerns. Der Vorstandschef des TV-Konzerns RTL Group, Didier Bellens, der die Fusion mitgetragen hat, ist für die Misere nach Ansicht von Bertelsmann - Insidern mitverantwortlich. Die ersten Zahlen von Sportfive kommen im März auf dem Tisch, wenn die börsennotierte RTL Group ihre Bilanz vorlegt.

Den Schuldigen für die Malaise hat Sportfive-Manager Müller schon ausgemacht: Sport Plus, ehemaliger Sportvermarkter von Canal Plus, ist noch nicht aus den Startlöchern gekommen und schmälert nicht unerheblich den Gewinn des Gesamtunternehmens.

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