Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.04.2003

14:57 Uhr

Sportschau Favorit

Bundesliga sucht Fernsehsender

Die Zeit drängt. Drei Monate vor Beginn der neuen Bundesliga-Saison im Fußball gibt es noch keinen Sender für die Zusammenfassung im frei empfangbaren Fernsehen. Derzeit läuft alles auf ein Comeback der Bundesliga in der ARD-Sportschau hinaus, doch um den Preis wird gepokert.

HB/dpa HANNOVER. Dabei geht es nur in kleinen Schritten voran. Zunächst verlängerte die ARD nicht den Vertrag über die Nachverwertung, dann bekundete ARD-Intendant Jobst Plog generelles Interesse an den Erstrechten im Free-TV, und schließlich bestätigte Sportkoordinator Hagen Boßdorf erste Gespräche mit dem Rechteinhaber Buli Infront GmbH.

"Der Druck ist groß", sagt Michael Pfad von der Deutschen Fußball- Liga (DFL). In vier bis sechs Wochen müsste nach Auffassung des DFL-Geschäftsführers eine Entscheidung fallen: "So ein Konzept stampft man nicht in zwei, drei Tagen aus dem Boden." Allerdings schränkte er ein: "Der Druck ist nicht ganz so groß wie sonst." Auf Grund eines Vertrages der Vermarktungsagentur Infront werden die Bundesliga-Bilder auch in der kommenden Saison von der Produktionsgesellschaft Plazamedia produziert - egal welcher Sender den Zuschlag erhält.

Favorit ist derzeit die ARD. Der öffentlich-rechtliche Sender ist allerdings ebenso wenig wie der derzeitige Bundesliga-Sender Sat.1 bereit, 80 Mill. ? pro Jahr zu bezahlen. Wie Boßdorf im hauseigenen Inforadio Berlin-Brandenburg sagte, ist der Finanzbedarf von Infront so groß, dass die ARD unter den Bedingungen der Agentur nicht als Partner in Frage komme. Das hatten laut Boßdorf Gespräche von ARD-Vertretern mit Günter Netzer, Manager beim Rechteinhaber Infront und zugleich ARD-Experte, in München ergeben.

Die Situation auf dem Rechtemarkt hat sich seit dem Zusammenbruch des Kirch-Imperiums und durch die allgemeinen wirtschaftlichen Probleme drastisch verändert. Die Zeiten ständig steigender Preise haben sich ins Gegenteil verkehrt. 460 Mill. ? sollten ursprünglich in der kommenden Saison für das gesamte TV-Paket fließen, tatsächlich sind es auf Grund des vor elf Monaten geschlossenen neuen Vertrages nur 300 Millionen. Und ob Vermarkter Infront diese der DFL garantierte Summe tatsächlich einnimmt, ist derzeit völlig offen.

Den meisten Bundesliga-Clubs wäre ein Wechsel zur ARD recht. Die Kritik an Sat.1 war massiv, als der Privatsender seine Option zur Verlängerung des laufenden Vertrages nicht nutzte und die Bundesliga- Rechte als viel zu teuer bezeichnete. Und der eigene TV-Kanal, der in Krisenzeiten immer wieder als Notlösung hervorgezaubert wird, bleibt ein Traum. Der Ligaverband und die DFL konnten sich nicht einmal durchringen, sich am Deutschen Sportfernsehen (DSF) mit 25,1 % zu beteiligen. Das wirtschaftliche Risiko schien zu groß. Da geht es der DFL und den Vereinen nicht anders als den TV-Sendern beim Kauf der Bundesliga-Rechte.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×