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05.01.2001

12:56 Uhr

Spracherkennungsspezialist muss sich harten Bedingungen unterwerfen

Lernout & Hauspie erhält Gläubiger-Schutz

Die finanziell schwer angeschlagene belgische Softwarefirma Lernout & Hauspie ist im Kampf gegen den Bankrott einen entscheidenden Schritt weitergekommen.

dpa/ap/dpa-afx YPERN. Der angeschlagene Weltmarktführer für elektronische Spracherkennungssysteme, Lernout & Hauspie in Ypern, hat Gläubigerschutz erhalten. Das entschied das Handelgericht im belgischen Ypern am Freitag. Zugleich kündigte L&H einen drastischen Personalabbau von 20 Prozent an. Mit der Entscheidung des Gerichts erhält das Unternehmen Schutz vor den Ansprüchen der Gläubiger während einer Restrukturierungsphase von sechs Monaten.

Das 1987 gegründete Unternehmen, das Spracherkennungssoftware und andere Sprachtechnologien für den Einsatz in Autos, in der Telekommunikation oder für das Internet entwickelt, hatte im November in Belgien und den USA Gläubigerschutz beantragt.

Die Richter hatten erst im Dezember den Gläubigerschutz, auf dem eine Sanierung des Konzerns basieren soll, verweigert. Es fehlten korrekte und genaue Zahlen, hieß es damals zur Begründung.

Das High-Tech-Unternehmen befindet sich seit Wochen in schweren finanziellen Turbulenzen. Banken fordern von der Software-Firma Kredite im Wert von mehreren hundert Mill. $ zurück. Die Aktie stürzte in den Keller.

Im Mittelpunkt des Finanzskandals stehen die Geschäfte und Buchführung von L&H in Südostasien. Bei eigenen Überprüfungen seien Tatsachen festgestellt worden, "die möglicherweise verheimlicht worden seien", erklärte die Unternehmensleitung im November. Zugegeben wurden "Irrtümer und Unregelmäßigkeiten" in den Angaben zu Finanzdaten für die vergangenen drei Jahre. Die Rechnungsprüfer von L&H, die belgische Tochter von KPMG, zogen ihren Bericht zu den Jahresabschlüssen von 1998 und 1999 zurück.

Auch die Deutsche Bank stellte Geld zur Verfügung

Zu den größten Gläubigern gehört ein Bankenkonsortium mit den Kreditinstituten Artesia, Deutsche Bank, Fortis Bank und die KBC Bank and Insurance Holding. Diese Banken hatten sich am 27. November entschlossen, die sofortige Rückzahlung von Krediten im Umfang von 350 Mill. $ zu fordern. Insgesamt hatten die Banken dem ins Schleudern geratenen Unternehmen kurzfristige Kredite in Höhe von 200 Mill. $ sowie eine langfristige Kreditlinie in Höhe von 230 Mill. $ zur Verfügung gestellt.

L&H beschäftigt mehr als 1 750 Mitarbeiter in 40 Ländern. In der Vergangenheit hat der Konzern zahlreiche kleinere Firmen, aber auch bedeutende Konkurrenten wie Dragon Systems aufgekauft. Weil die Zukunft der Steuerung des Computers mit menschlicher Sprache gehören soll, haben auch führende Computerfirmen wie Microsoft und Intel in L&H investiert.

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