Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.06.2000

19:06 Uhr

Spur von der COB nach Mauretanien und zurück zur COB

Insider-Verdacht bei französischer Börsenaufsicht

VonANDREAS BOHNE

Es droht ein Skandal an der Pariser Börse. Ausgerechnet Mitarbeitern der Börsenaufsicht wird Insider-Handel vorgeworfen.

PARIS. Ein schwarzer Tag für die Pariser Börsenaufsichtsbehörde COB (Commission des opérations de Bourse): Zwei ranghohe Mitarbeiter stehen im Verdacht, vertrauliche Informationen zu Insidergeschäften genutzt zu haben. Was das Boulevardblatt "Le Parisien" am Samstag enthüllte und COB-Hauptgeschäftsführer Gérard Rameix in "Le Monde" andeutungsweise bestätigt hat, kann sich zu einem Skandal auswachsen und das Pariser Aufsichtsgremium selbst bedrohen.

An einem Märztag registriert ein Mitarbeiter der Bank CPR einen ungewöhnlichen Geldtransfer zwischen dem Konto einer Nathalie Law-Ye und einer Madame Mint Amar. Erstere ist Mitarbeiterin in der Platzierungskontrolle der COB. Letztere ist die in Mauretanien residierende Mutter von Ould Amar Yahya, der bei der COB mit statistischen Modellen irreguläre Kursbewegungen aufspürt und mit Law-Ye angeblich sehr eng befreundet ist.

Dem Bankmitarbeiter fällt noch etwas auf: Zu Lasten der Konten von Law-Ye und einiger ihrer Verwandter sowie der französischen Diplomatin Anne Schmidt werden rund 1,8 Mill. Euro in Hachette-Aktien investiert. Die Order laufen über das Internet und kommen von einem Rechner in der COB. Der Bankmitarbeiter schlägt Alarm, und die CPR alarmiert - die COB.

Dort bemerken die Aufseher, dass kurz vor der Law-Ye-Transaktion die Lagardère SCA dem Gremium pflichtgemäß vertraulich ihr geplantes Übernahmegebot für Hachette angezeigt hat; die COB muss solche Aktionen genehmigen. Eine interne Untersuchung wird eingeleitet, die der "Parisien" jetzt publik machte.

Law-Ye wird nach Einschätzung von COB-Kennern in ihrer Position kaum Kenntnis von der Lagardère-Anzeige gehabt haben. Amar Yahyar indes könnte sich mit seinem Rang als Abteilungsleiter durchaus Zugang zu derartigen Informationen verschafft haben.

Die Affäre deutet auf eine eklatante Schwachstelle der COB: Sie ist gleichzeitig Wertpapieraufsicht und Handelsüberwachung. Schon früher war die COB immer wieder wegen ihrer Zurückhaltung bei Unregelmäßigkeiten in die Kritik geraten.

Derzeit ist die COB zudem zahnlos. Am 20.3.2000 musste sie auf Druck der EU ihre Sanktionsmechanismen aussetzen, weil sie die Rechte der Verteidigung beschnitten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×