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22.01.2003

17:02 Uhr

Staat übernimmt Mehrkosten

Die Sorgenfalten werden immer tiefer

Gleich drei Mal sorgten die Olympischen Spiele 2004 in Athen am Mittwoch für Misstöne. Sie werden mit 5,4 Mrd. ? rund 800 Mill. ? teurer als zunächst geplant. Das Sicherheitskonzept steht noch nicht. Star-Komponist Mikis Theodorakis ist verstimmt.

HB/dpa ATHEN. Der griechische Kultusminister Evangelos Venizelos bestätigte Presseberichte über die Verteuerung, betonte aber im Fernsehen: "Die Infrastruktur wird uns auch nach den Olympischen Spielen erhalten bleiben. Wir werden die Kosten übernehmen." Ursprünglich war die griechische Regierung von 4,6 Mrd. ? Gesamtkosten ausgegangen.

Unverändert bei 1,962 Mrd. ? bleibt nach den Worten des Ministers der Haushalt des Athener Organisationskomitees (ATHOC), der die reinen Organisationskosten der Spiele umfasst. Die Mehrkosten werden durch die zahlreichen Infrastrukturmaßnahmen verursacht, die ursprünglich mit 2,638 Mrd. ? kalkuliert waren. Dazu gehört der Bau zahlreicher Umgehungsstraßen, einer neuen Straßenbahn sowie die Modernisierung des Stadt- und U-Bahnsystems.

Rund 19 Monate vor Olympia-Eröffnung im August 2004 sind in der Öffentlichkeit die Sorgen um die Sicherheit gewachsen. Das rund 450 Mill. ? schwere Sicherheitspaket sei noch nicht geschnürt, berichtete die griechische Presse. Dabei werde die Zeit immer knapper, da die Aufträge noch nicht vergeben seien. Dann müssten die Sicherheitssysteme auch noch geprüft werden. Die Auswahl sei brisant, weil die USA und Großbritannien sich hinter die zwei Konsortien gestellt haben, die sich das Paket sichern wollen: das überwiegend amerikanisch dominierte Konsortium SAIC und das britische TRS.

Regierung und ATHOC planen offenbar, beiden Unternehmensgruppen den Auftrag zu geben. Dies könnte, so die Medien, zu einem "Riesendurcheinander" führen, weil die Sicherheitssysteme der beiden Firmen nicht kompatibel seien.

Für weitere Disharmonie sorgte Theodorakis: Bei den Spielen bleibt Griechenlands heimliche Nationalhymne, seine Zorbas-Sirtaki-Musik, möglicherweise ungespielt. Der Musiker und Komponist habe vom Kultusministerium erwartet, ihn gegen Anschuldigungen eines anderen griechischen Musikers zu schützen, berichteten die Medien. Giannis Markopoulos hatte behauptet: "Die staatlichen Gelder werden ständig unter die gleichen Leute verteilt. Einer davon ist Theodorakis. Dabei werden andere bedeutende Musiker wie ich ignoriert."

"Ich plane, den Olympia-Organisatoren zu verbieten, vor oder während der Spiele meine Musik zu spielen", sagte Theodorakis aus Verärgerung. Er wollte unter anderem kurz vor Beginn der Spiele im Marmor-Olympiastadion von 1896 mit 4 000 Chorsängern aus aller Welt Teile seines Werkes präsentieren.

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