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27.01.2003

13:50 Uhr

Staatsanwalt fordert neues Gutachten

Käse für Haffa-Brüder "noch nicht gegessen"

Die angeklagten EM.TV-Gründer Thomas und Florian Haffa sollten sich nach Ansicht des Staatsanwalts trotz eines entlastenden Gutachtens noch keine Hoffnungen auf einen Freispruch machen.

HB/dpa MÜNCHEN. "So weit sind wir noch lange nicht", sagte Staatsanwalt Peter Noll am Montag im Betrugsprozess vor dem Landgericht München. Bei dem Gutachten habe sich der Sachverständige möglicherweise veralteter Methoden bedient. Dies werde derzeit überprüft. Es sei nicht ausgeschlossen, dass ein neues Gutachten in Auftrag gegeben werden müsse. "Auf bayerisch ausgedrückt: Der Kas ist noch nicht gegessen."

Ein Gutachten des Wirtschaftsprofessors Bernd Rudolph hatte die Anklage am vergangenen Montag im entscheidenden Punkt des Kursbetrugs ins Wanken gebracht. Kernaussage der Expertise war, dass kein direkter Zusammenhang zwischen der Veröffentlichung einer Pflichtmitteilung des Medienunternehmens EM.TV im August 2000 und der Reaktion des Aktienkurses nachweisbar sei. Dieser Nachweis ist aber Voraussetzung für eine Haftstrafe wegen Kursbetrugs. Staatsanwalt Noll hatte im Anschluss an die Verlesung gesagt, es sehe im Moment nicht danach aus, als wenn ein Tatnachweis in diesem Punkt geführt werden könne.

Nach einer gründlichen Auseinandersetzung mit dem Gutachten meldete Noll aber Zweifel an der Stichhaltigkeit an. Außerdem habe der Gutachter gesagt, eine Kursschwankung wie am Tag der Veröffentlichung der Ad-Hoc-Meldung komme statistisch gesehen an vier Tagen im Jahr vor. Dies bedeutet nach Ansicht von Noll, dass die Kurschwankung mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 98 Prozent nicht zufällig war. In das Gutachten hätte nach Ansicht der Anklage neben der Kursreaktion auch die Zahl der gehandelten Aktien eingehen müssen.

Florian und Thomas Haffa müssen sich seit Anfang Februar wegen des Verdachts des Kursbetrugs vor dem Münchner Landgericht verantworten. Sie sollen den Kurs der EM.TV-Aktie mit haltlosen Gewinnprognosen und einer falschen Pflichtmitteilung manipuliert haben. Der Prozess wird am 6. Februar fortgesetzt.

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