Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.01.2003

15:59 Uhr

Stabiler Ausblick bleibt

Moody's senkt Rating der Deutschen Telekom

Die Ratingagentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit der Deutschen Telekom herabgestuft, da die Agentur Unsicherheiten beim Schuldenabbau des größten europäischen Telekom-Konzerns sieht.

rt/r/vwd LONDON. Moody's teilte am Freitag nach einer wochenlangen Überprüfung der Bonität der Telekom mit, die langfristigen Verbindlichkeiten würden nun mit Baa3 statt bislang Baa1 bewertet. Kurzfristige Schulden würden mit Prime-3 statt bislang Prime-2 bewertet. Der Ausblick sei stabil. Als finanzielles Risiko bewertet Moody's auch, dass durch die Tochter T USA-Mobile noch Finanzmittel abflössen.

Nach Meinung von Moody's wird es der Deutschen Telekom nicht gelingen, ihre Verbindlichkeiten wie geplant bis zum Ende des laufenden Jahres auf 50 Mill. Euro zu verringern. Dabei hat die Ratingagentur eigener Aussage zufolge die beabsichtigte Veräußerung von nicht zum Kerngeschäft gehörigen Aktiva bereits mit einkalkuliert. Aus diesen Desinvestitionen erwarte der Telekommunikationskonzern Einnahmen von ungefähr vier Mrd Euro. Weitere zwei Mrd. bis vier Mrd. Euro wolle die Deutsche Telekom durch den Verkauf von Immobilien erzielen.

Da das Unternehmen jedoch weiterhin auf die Nutzung von Zweidrittel dieser Liegenschaften angewiesen sei, handele es sich hier partiell um eine Sale & Lease-Back-Transaktion, argumentiert Moody's. Für die Nutzung der Immobilien müsse die Deutsche Telekom mit einem Aufwand von 1,3 Mrd. bis 2,6 Mrd. Euro rechnen. Dies laufe dem ursprünglich beabsichtigten Ziel der Verringerung von Schulden entgegen. Unter Berücksichtung der nicht in der Bilanz ausgewiesenen Verbindlichkeiten werden die Schulden der Deutschen Telekom nach Berechnungen von Moody's deshalb im laufenden Jahr nicht unter 56 Mrd. Euro fallen.

Die Ratingagentur weist darüber hinaus auf die mit der geplanten Veräußerung der Aktiva verbundenen Risiken hin, die auf das schwache Marktumfeld zurückzuführen seien. Nach Meinung von Moody's belastet auch die US-Tochtergesellschaft Voicestream weiterhin den freien Cash-Flow ihrer Muttergesellschaft. Für die kommenden drei Jahre schätzt die Ratingagentur den Finanzierungsbedarf von Voicestream auf ungefähr zwei Mrd. Euro pro Jahr.

Zwar sei es der Gesellschaft gelungen, die Anzahl ihrer Nutzer auf fast neun Millionen zu steigern, stellt Moody's fest. Dem ständen jedoch Verbindlichkeiten von neun Mrd. US-Dollar gegenüber. Auch sei in den USA mit einer Sättigung im Mobilfunkmarkt zu rechnen, die noch schneller fortschreite als in Euroopa. Deshalb zweifelt Moody's die Fähigkeit von Voicestream an, jemals eine ausreichende kritische Masse zu erreichen, die zu einem positiven freien Cash-flow führt.

Obwohl die Ratingagentur einräumt, dass die Deutsche Telekom in Deutschland über ein gut ausgebautes Netzwerk verfügt, stellt sie die Breitbandstrategie des Unternehmens in Frage. Denn auf Grund der notwendigen Verringerung der Ausgaben könne es an Mitteln fehlen, um die Breitbandstrategie energisch genug voranzutreiben. Auch sagt Moody's eventuelle weitere Konflikte mit der Regulierungsbehörde voraus. Anlass könne insbesondere die Festnetzsparte im örtlichen Bereich sein, die ab Februar weiter dereguliert werden solle.

Trotz aller Bedenken bescheinigt Moody's der Deutschen Telekom ein solides operatives Geschäft in allen ihren vier Teilbereichen. Das Management sei in der Lage, seine Strategie umzusetzen und die Liquidität des Konzerns reiche aus, um die Verbindlichkeiten und sämtliche Forderungen gegen das Unternehmen bis zum Jahr 2004 zu begleichen, heißt es.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×