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02.01.2003

14:06 Uhr

Stämme von Kokosnusspalmen stehen noch

Sturm spült zwei Dörfer auf Salomonen weg

Nach dem schweren Wirbelsturm im Südpazifik ist das Schicksal Tausender Bewohner mehrerer kleiner Inseln der Salomonen weiter unklar. Die Katastrophenschutzbehörde der Salomonen teilte am Donnerstag mit, der Sturm habe mindestens zwei Dörfer auf der Insel Tikopia hinweggespült.

Reuters HONIARA. Über den Verbleib der etwa 700 Einwohner sei nichts bekannt. Zuvor hatte ein Sprecher der australischen Hilfsorganisation AusAID gesagt, die Auswirkungen des Zyklons "Zoe" seien offenbar nicht so schwer, wie zunächst befürchtet. Zu den etwa 3 700 Bewohnern der fünf betroffenen Inseln bestand weiter kein Kontakt. Die Funkverbindung war seit dem Sturm am Sonntag abgerissen. Ein Flugzeug der australischen Luftwaffe hatte die Region zwar am Mittwoch überflogen, wegen fehlender Landebahnen sind die Inseln jedoch nur per Schiff zu erreichen.

Luftaufnahmen des australischen Flugzeuges zeigten, dass die Dörfer Ravenga und Namo von der tobenden See weggespült worden seien, sagte ein Sprecher der Katastrophenschutzbehörde. "Alles was übrig ist, sind die bloßen Stämme von Kokosnusspalmen, die zur Hälfte mit Sand bedeckt sind." Es gebe keinen Hinweis auf Häuser, die den Sturm überstanden hätten. "Wir können zu diesem Zeitpunkt nicht sagen, was mit den 700 Menschen geschehen ist, die in den beiden Dörfern leben. Wir hoffen nur, dass sie in der Lage waren, rechtzeitig herauszukommen." Der Sturm war mit Geschwindigkeiten von 300 Kilometern in der Stunde über die Inseln gefegt.

Zuvor hatte Alan March von AusAID gesagt, die Besatzung der australischen Maschine habe von Schäden an Häusern und Gärten berichtet. Es gebe aber bislang keine Anzeichen auf Verletzte oder Todesopfer unter den Bewohnern der betroffenen Inseln. Die Flugzeug-Besatzung habe berichtet, dass Bewohner Tikopias damit begonnen hätten, ihre Häuser wieder aufzubauen und zu fischen. Hilferufe hätte die Besatzung keine ausgemacht.

Nach Einschätzung von AusAID sei zu diesem Zeitpunkt keine Notversorgung über die Luft nötig, sagte March. Die Inselbewohner verfügten über Trinkwasser und eine Menge Kokosnüsse, deren Milch sie ebenfalls trinken könnten. Ein Schiff mit Hilfsmitteln solle am Freitag von der Hauptstadt Honiara aus auslaufen und in zwei bis drei Tage die Inseln erreichen, von denen Tikopia und Anuta am schwersten betroffen seien. Ein Streit mit der Besatzung eines Patrouillenbootes der Salomonen über ausstehende Lohnzahlungen hat bisher ein Auslaufen verzögert. Neben Australien bot am Donnerstag auch Deutschland der bankrotten Regierung der Salomonen Hilfe bei der Bewältigung der Katastrophe an.

Die aus 2000 Eilanden bestehende Inselgruppe der Salomonen liegt rund 1700 Kilometer nordöstlich von Australien. Ihre Regierung ist von ausländischen Hilfen abhängig. Dass es schwere Verwüstungen gab, geht aus dem Bericht und aus Luftaufnahmen des freien Fotografen und Filmemachers Geoff Mackley hervor, der als erster am Neujahrstag die winzige Inselgruppe in einem Privatflugzeug überflog und die Einschätzung der Schäden am Mittwoch auf seiner Internet-Seite (www.geoffmackley.com) veröffentlichte. Mackley vermutet, dass es allein auf Tikopia, wo rund 2000 Menschen in 21 Dörfern leben, über Tausend Tote gegeben haben könnte.

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