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17.01.2003

10:36 Uhr

Stärkere Arbeitsteilung bei den Volks- und Raiffeisenbanken – „Radikale Änderung“

WGZ-Chef fordert Neuordnung

VonPhilipp Otto (Handelsblatt)

Die Kreditgenossenschaften stehen vor einschneidenden Veränderungen. Die Ortsbanken müssen nach Ansicht von WGZ-Bank-Chef Böhnke Teile ihrer Aufgaben abgeben.

FRANKFURT/M. Die Genossenschaftsbanken in Deutschland stehen vor einer radikalen Veränderung der Arbeitsteilung. Die Ortsbanken müssten wesentlich von der Abwicklung befreit werden. "Es ist eine zentrale Herausforderung, den ausufernden Belastungen im Back Office zu begegnen", sagt der Vorstandsvorsitzende der WGZ-Bank, Werner Böhnke, im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Das gehe nur durch erhebliche Eingriffe in die Wertschöpfungskette der Institute. "Das Potenzial liegt in der Abwicklung im weitesten Sinn, also in allem, was Back Office ist", sagt Böhnke. Dabei dürfe auch nicht vor Bereichen, die heute noch weniger im Fokus stehen, wie zum Beispiel der Innenrevision haltgemacht werden. Erfolgversprechend seien sowohl eine Übernahme der Tätigkeiten durch die Zentralbanken, als auch die Gründung von Gemeinschaftsunternehmen, an denen sich die Volks- und Raiffeisenbanken beteiligen.

Damit sieht Böhnke die Grundlage für den zukünftigen Erfolg der Genossenschaftsbanken mehr im eigenen Bereich. Der Präsident des Verbandes der Privatbanken BdB, Rolf-E. Breuer, forderte demgegenüber wiederholt eine Auflösung der drei Säulen - Privatbanken, Sparkassen und genossenschaftliche Institute. Er verspricht sich davon eine Verbesserung der Wettbewerbssituation und größere Marktanteile vor allem für die Großbanken. Sparkassen und Kreditgenossen lehnen solche Überlegungen strikt ab.

Einfach ist die Umsetzung der Pläne von Böhnke sicher nicht. Vor allem die Sorge der Volks- und Raiffeisenbanken, nur noch als Vertriebseinheit und nicht mehr als Vollbank anerkannt zu werden, ist groß. Aber: 90 bis 95 % der Institute begrüßen eine aktuelle Initiative der WGZ-Bank für den rheinisch-westfälischen Finanzverbund. "Niemand würde Daimler-Chrysler nicht mehr als Automobilkonzern bezeichnen, obwohl das Unternehmen nur noch 30 % der Wertschöpfungskette selber abdeckt. Warum sollte das bei Banken anders sein", führt Böhnke aus. Die Banken decken derzeit noch bis zu 80 % der Wertschöpfungskette selber ab.

Zudem zeigt eine Erhebung der WGZ, neben der DZ Bank die zweite genossenschaftliche Zentralbank, unter ihren rund 300 Mitgliedsbanken, dass Kundenbetreuer immer noch zu 60 bis 70 % mit Marktfolgetätigkeiten beschäftigt sind. Dadurch werden die insgesamt 30 Mill. Kundenkontakte der Kreditgenossen nicht optimal ausgeschöpft.

Um das zu verbessern schließt der WGZ-Chef auch eine Annäherung an die Sparkassen nicht aus: "Ich würde es absolut begrüßen, wenn mit den Sparkassen über solche Themen viel offener gesprochen würde, denn die Problemen der beiden dezentralen Bankengruppen ähneln sich sehr."

Das Jahr 2003 wird nach Ansicht von Böhnke wieder sehr schwierig: "Die Lage der deutschen Kreditwirtschaft ist ungewöhnlich angespannt. 2002 war ein Bankenjahr, das kaum vergleichbare Perioden hatte. 2003 sehe ich wenig Anlass zu Optimismus. Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung wird sich kaum bessern und eine durchgreifende Belebung der Märkte ist nicht zu erwarten." Jochen Sanio, Präsident des Aufsichtsamtes ist ebenfalls skeptisch. Er rechnet mit weiterem Stellenabbau. Anders Breuer, der von einer Verbesserung der Ertragslage ausgeht.

Eine Kreditklemme droht nach Ansicht des WGZ-Bank-Chefs aber nicht: "Es ist das Geschäft der Banken, Kredite zu vergeben. Wenn ich sage, ich mache kein Kreditgeschäft mehr, kann ich auch gleich sagen, ich schließe die Pforten." Allerdings weist Böhnke auf den dringend notwendigen Umdenkprozess im Kreditgeschäft hin. "Wir müssen sehen, dass unsere Margen der Übernahme des Risikos angemessen sind. Dann lässt sich auch im Kreditgeschäft wieder Geld verdienen." Das führt zwangsläufig zu einer stärkeren Differenzierung der Konditionen und bei einigen kreditsuchenden Firmen zu höheren Belastungen. Es könne allerdings niemand von den Banken verlangen, Geschäfte zu machen, an deren Ende eine rote Zahl stehe, sagt Böhnke.

Mit dem Jahr 2002 kann der WGZ-Bank-Chef für sein Haus "nicht zufrieden sein". Es blieb deutlich hinter den guten Vorjahren zurück. Böhnke hofft auf eine Aufwand-Ertragsrelation von "unter 70 %", im Vorjahr lag der Wert noch bei 59 %.

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