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29.01.2003

15:50 Uhr

„Stagnation wäre schon ein Erfolg“

Tourismusindustrie verbreitet Zweck-Optimismus

Trotz des Irakkonflikts und der Angst vor Terror-Anschlägen auf begehrte Reiseziele spricht sich die Tourismusindustrie vorsichtig Mut zu. Der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) sieht 2003 allerdings noch "keine Zeichen für ein Wachstum" der Branche.

HB/dpa FRANKFURT. "Stagnation wäre schon ein Erfolg", sagte BTW-Generalsekretär Christian Ehlers am Mittwoch in Frankfurt. Beim Deutschlandtourismus sei nach einem Rückgang bei den Übernachtungen von rund drei Prozent 2002 ein Zuwachs jedoch wahrscheinlich, sagte Ehlers rund fünf Wochen vor der weltgrößten Internationalen Tourismus-Börse ITB in Berlin (7. bis 11. März).

Als Wachstums-Bremse nannte Ehlers neben der Konjunkturflaute den drohenden Irakkrieg, mögliche Benzin-Preiserhöhungen, das Ladenschlussgesetz und drohende Steuererhöhungen. Die Steuer- Diskussion müsse beendet werden, "damit sich der Bürger nicht jeden Tag fragen muss, wie viel er noch für den Konsum hat". Die geplante Steuer auf grenzüberschreitende Personenbeförderung im Luftverkehr etwa werde zum Verlust von etwa 1000 Arbeitsplätzen führen.

Einer Studie des IPK International (München) zufolge ist dagegen die Talsohle der Branche schon durchschritten. "Unter normalen Umständen wird die deutsche Tourismus-Nachfrage 2003 deshalb leicht zunehmen, um 2004 noch kräftiger zu steigen", sagte IPK- Geschäftsführer Rolf Freitag.

Die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Zentrale für Tourismus Ursula Schörcher wollte keine Wachstums-Prognose abgeben. Bei den Übernachtungen gebe es jedoch Zuwächse aus den direkten europäischen Nachbarländern, Skandinavien und Spanien. Auch aus China und anderen asiatischen Ländern kämen positive Wachstumssignale: Nach einer vomn 15. Februar an gültigen Vereinbarung mit China sei 2003 mit 600 000 Übernachtungen chinesischer Gäste und damit mit doppelt so vielen wie 1994 zu rechnen.

Zwischen 9000 und 10 000 Aussteller aus 180 Ländern haben sich für die 37. ITB angesagt. Die Zahl werde nach einem leichten Rückgang 2002 (um 467 auf 9682) wieder etwas angestiegen, prognostizierte die Messe Berlin. Genaue Zahlen gebe es jedoch noch nicht. Mit dabei sind wieder eine Reihe großer Unternehmen, die nach den Terroranschlägen vom 11. September der ITB 2002 fern geblieben waren - beispielsweise die Deutsche Lufthansa, Thomas Cook und Club Med. Ein leichtes Plus komme zudem aus arabischen und asiatischen Ländern, der Türkei, Russland und der Ukraine. Abgesagt haben unter anderem Bangladesch und Libanon.

Die Messe rechnet wieder mit rund 60 000 Fachbesuchern. Das Publikum hat an den ersten drei Tagen Zugang. Eintrittspreise und Standmieten sind nach Messeangaben auf Vorjahresniveau, die Nebenkosten für die Aussteller allerdings gestiegen.

Die meisten Aussteller kommen aus Deutschland. Sie werden sich erstmals mit einem "Deutschland-Boulevard" geschlossen präsentieren, wie Schörcher sagte. Dem zunehmenden Interesse an "Wellness" werd erstmals mit einem Themenrundgang Rechnung getragen. Andere Schwerpunkte sind Jugend- und Sportreisen, Kultur-Tourismus, Reise Technologie, ein Wissenschafts-Zentrum, Kreuzfahrten, Flughäfen und Fluglinien sowie ein Rahmenprogramm mit mehr als 300 Tagungen und Seminaren.

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