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04.03.2003

08:51 Uhr

Standard & Poor’s ist sehr besorgt über die Diskussion

Politiker erhöhen Druck auf Ratingagenturen

Die Herabstufung des deutschen Stahlherstellers Thyssen-Krupp sorgt weiter für Diskussionen. Die Regierung will ein Auge auf die Bonitätswächter werfen.

fer/Bloomberg BERLIN/FRANKFURT. Die deutsche Regierung setzt sich für eine stärkere Kontrolle der Ratingagenturen Standard & Poor?s und Moody?s ein. Die Herabstufung des deutschen Stahlherstellers Thyssen-Krupp aus der "Investment-Klasse" in die "Spekulationsklasse" unterstreiche die Notwendigkeit, die Entscheidungen der Bonitätswächter genauer zu beobachten, sagten Abgeordnete.

"Ihre Stärke hier ist ein Problem. Sie verstehen unsere wirtschaftliche Kultur nicht", sagte Joachim Poss, finanzpolitischer Sprecher der SPD. Eine schlechtere Bonitätsnote verteuert die Kapitalbeschaffung für die Unternehmen, weil Anleger eine höhere Risikoprämie verlangen. Ein schlechteres Rating kann auch dazu führen, dass Unternehmen nur zögerlich expandieren und neue Mitarbeiter einstellen. Die deutsche Regierung plant für dieses Jahr oder Anfang 2004 Gesetze, die die Verlässlichkeit von Ratings sichern sollen, hieß es letzte Woche aus dem Finanzministerium.

"Die jüngsten Rückstufungen haben uns besorgt gemacht", sagte Rainer Wend, Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses im Bundestag. "Ich würde nicht ausschließen, dass die Verschärfung im diplomatischen Ton solche Entscheidungen indirekt sogar beeinflussen könnte." Die Irakkrise hat in den vergangenen Monaten zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Deutschland und den USA geführt.

S&P ist nach eigenen Angaben "sehr besorgt" über die Diskussion, dass die Herabstufungen mit der Uneinigkeit im deutsch-amerikanischen Verhältnis zu tun haben könnten. "Die Unabhängigkeit von S&P steht außer Frage", betonte Torsten Hinrichs, Leiter S&P Deutschland. Zur Forderung, eine neue europäische Ratingagentur zu schaffen, sagte Paul Taylor von Fitch: "Wir denken, dass wir das sind." In der Vergangenheit ist die Schaffung einer weiteren europäischen Ratingagentur an der mangelnden Akzeptanz der Investoren und den Geldgebern gescheitert. So machte die neu gestartete, auf das Rating des deutschen Mittelstands spezialisierte Agentur Euroratings 2002 wieder zu.

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