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07.04.2003

08:06 Uhr

Standard & Poor’s: Kreditvorsorge schwer zu vergleichen

Ratinganalysten wollen mehr Informationen

Die Analysten der Ratingagentur Standard & Poor?s fordern, dass die europäischen Banken erheblich detailliertere Informationen über die Behandlung fauler Kredite veröffentlichen als bislang der Fall.

nw FRANKFURT/M. Obwohl einige Banken und Finanzmärkte in den vergangenen Jahren schon Fortschritte gemacht hätten, gebe es keinen einheitlichen Trend hin zu einer offeneren Informationspolitik. Diese sei aber notwendig, so die S&P-Analysten in einer aktuellen Studie. Ihre Begründung: Die tatsächliche Kreditqualität und das Management bereits notleidender und vom Ausfall bedrohter Kredite seien unter europäischen Banken nur schwer zu vergleichen.

Die Kreditentscheidungen verschiedener Banken zu bewerten, sei ohnehin eine der schwierigsten Teile der Bankenanalyse. In Europa werde sie zusätzlich erschwert durch eine unterschiedliche Managementpraxis und abweichende Regulierungen. Dies gelte auch für den Vergleich der Reserven, die die Banken für drohende Kreditausfälle bilden, schreiben die S&P-Analysten Miguel Pintado, Arnaud De Toytot und Walter Pompliano.

Wegen unterschiedlicher Definitionen und Fristen in Europa lieferten die meisten auf Abschreibungen basierenden Kennziffern keine verlässlichen Informationen über die Kreditqualität europäischer Banken. S&P lege daher größeren Wert auf die Nettozuführungen zur Risikovorsorge. Genau hinschauen müsse man auch bei der Qualität der Sicherheiten, postulieren die S&P-Mitarbeiter.

Um aussagekräftige Vergleiche zu ermöglichen, halten die Rating-Analysten eine Reihe von Informationen für erforderlich. Dazu gehören: die Bruttobeträge wertgeminderter Kredite und das ausstehende Volumen nach der Bildung von Reserven sowie Untergliederungen nach Ländern und Branchen; zudem genaue Aufspaltungen nach bereits ausgefallenen Krediten, Ausleihungen mit Zahlungsverzug und zweifelhaften Forderungen.

Die Kreditpolitik und Risikovorsorge der Banken ist zurzeit ein wichtiges Thema an den Finanzmärkten. In der aktuellen Konjunkturschwäche zeigt sich, wie stark die Risikovorsorge für Kreditausfälle die Ergebnisse vor allem der deutschen Banken belastet. Ein Ende ist bislang nicht in Sicht.

Auch die neuen Eigenkapitalregeln für Banken, Basel II, greifen dieses Thema auf. Mit ihrem Inkrafttreten voraussichtlich im Jahr 2007 müssen die Finanzhäuser detailliertere Informationen als heute über ihrer Risiken veröffentlichen, Kreditrisiken sind dabei ein wesentlicher Punkt. In Deutschland hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zudem die "Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft" (MaK) entwickelt, die Aufgabenteilung und Informationsanforderungen im Kreditgeschäft regeln.

Quelle: Handelsblatt

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