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29.06.2000

19:00 Uhr

Standardwerte werden sich besser entwickeln als Nebenwerte - Technologietitel weiterhin in jedem Portfolio.

Fondsmanager erwarten Ende der Regenzeit

VonPETRA SCHWARZ

Auch ausgewiesene Experten hat es kalt erwischt: Selbst die besten japanischen Aktienfonds konnten sich nicht dem Abwärtstrend an der Börse entgegenstemmen und mussten Verluste hinnehmen. Dass sich auf Jahressicht dennoch stolze Wertzuwächse von bis zu über 100 Prozent ergeben, zeigt, dass die Kurssteigerungen zuvor immens waren. Der Übertreibung folgte die Korrektur nach unten. Das reinigende Gewitter ist aber noch nicht ganz vorbei. Die letzten Regenwolken hängen noch schwer an Japans Himmel. Einige Fondsmanager sehen jedoch schon wieder Hoffnungsschimmer: "Ich bin optimistisch für japanische Aktien gestimmt", sagt Noriyuki Fujiwara, Leiter des Aktienmanagements bei Credit Suisse Asset Management Japan.

In den vergangenen drei Jahren haben japanische Nebenwertefonds eine bessere Wertentwicklung erzielt als Standardwertefonds. Dieses Jahr könnte sich das Blatt jedoch wenden. "Standardwerte werden sich besser entwickeln als Nebenwerte", erwartet Lilian Haag. Die Deutsche managt von Frankfurt aus sowohl den Blue-Chips-Fonds DWS Japan Fonds als auch den Nebenwertefonds DWS Japan Opportunities. "Die Bewertungen der Standardwerte waren zu Jahresbeginn nicht so überzogen wie die der Nebenwerte", sagt Haag. "Deswegen werden sich Standardwerte auch schneller erholen können", lautet ihre Schlussfolgerung.

Insbesondere Nebenwerte stammen oft aus der heißgelaufenen Branche Informationstechnologie. Ende Februar dieses Jahres hätten viele dieser Aktien ihre absoluten Höchststände erreicht, erklärt die Fondsmanagerin. Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse lagen zum Teil bei 2 000 - das bedeutet, die Aktien waren extrem teuer. "Dann ist die Internetblase geplatzt", blickt Haag zurück. Mit deutlichen Folgen: Der Nebenwertefonds der DWS wurde dieses Jahr stärker in Mitleidenschaft gezogen als der Standardwertefonds. Eine Besonderheit des japanischen Aktienmarktes habe die Lage zudem erschwert, erklärt die Expertin. Japanische Aktien dürften nur um einen bestimmten absoluten Betrag steigen oder fallen. Werde dieser über- (stop-high-Regel) oder unterschritten (stop-low-Regel), dann werde die Aktie vom Handel ausgesetzt. "Wegen der eingeschränkten Liquidität war es dann schwierig, Titel rasch zu verkaufen", beschreibt Haag ihr Dilemma. Haag sieht aktuell nur ein einziges Thema, das am Aktienmarkt für Phantasie sorgen und zu steigenden Kursen führen könnte: die Halbleiterbranche. Titeln wie NEC, Toshiba und Fujitsu bescheinigt sie Kurschancen. Auch Konsumelektronikhersteller wie Sony hätten Potenzial.

Noriyuki Fujiwara von Credit Suisse Asset Management dagegen favorisiert derzeit den Maschinenbau und zyklische Werte, wie beispielsweise Chemietitel. Sein Argument: Die Fundamentaldaten hätten sich geändert. Das produzierende Gewerbe erhole sich. Das belegten wachsende Investitionen. Dagegen würden Anleger die Aktien der so genannten New Economy vorsichtiger betrachten. "Statt Gewinnerwartungen zählen jetzt Unternehmensdaten", sagt Fujiwara.

Ein glückliches Händchen im Dreijahresvergleich hat das Management des Nebenwertefonds Deutsche Japan Bullet Fonds bewiesen. "Wir investieren in rund 75 verschiedene Titel", erläutert Fondsmanager Simon Davis die Strategie. Das minimiere das Risiko von Kursverlusten. Andere Nebenwertefonds hätten nur rund 30 bis 40 Aktien im Porfolio. Außerdem würden die Unternehmen stets genau beobachtet: "Alle vier Wochen besuchen wir die Firmen", sagt Davis, der direkt in Japan sitzt. Auch wenn Davis das makroökonomische Umfeld weiterhin kritisch betrachtet, stimmt ihn optimistisch, dass die privaten Ausgaben wieder langsam steigen würden. Zudem investierten mehr private Investoren in den Bereich Informationstechnologie. Zu seinen Favoriten zählt Net One, ein Hersteller von Cisco-Routern. Yahoo Japan ist weiterhin das Schwergewicht im Portfolio, trotz Kursverlusten. Für interessant hält Davis auch Trend Micro, den seiner Ansicht nach führenden Hersteller von Antiviren-Software. Einen anderen Schwerpunkt wählt dagegen das Management des bestplatzierten Nebenwertefonds, des Lombard Odier OTC Fund. Von den steigenden inländischen Ausgaben würden in erster Linie sowohl die Automobilindustrie und Autozulieferer als auch der Handel, beispielsweise große Supermarktketten, profitieren. Dennoch, auch Technologietitel bildeten weiterhin einen Schwerpunkt im Depot, heißt es bei der Sparx Gruppe, die den Fonds managt. Letztlich hängt die zukünftige Entwicklung japanischer Aktien auch von der US-Technologiebörse Nasdaq ab.

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