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15.01.2001

19:08 Uhr

Standfestigkeit zahlte sich aus

Warren Buffett feiert strahlendes Comeback

VonTOBIAS MOERSCHEN

Der Börsen-Guru Warren Buffett, den viele bereits abgeschrieben hatten, hat im vergangenen Jahr sein Vermögen um 12 Mrd. $ gesteigert. Der kauzige Alte ließ sich bei seiner Anlagestrategie von der Euphorie für Werte der "New Economy" nicht anstecken, sondern setzte weiter auf die "Old Economy". Das zahlte sich aus.

FRANKFURT/M. So was erlebt der Börsen-Guru nicht oft: Als Warren Buffett an der US-Eliteuniversität Harvard über Internet-Aktien sprach, verließen die Zuhörer scharenweise den Saal. Offen zeigten sie dem Investment-Star ihre Verachtung für seine Kritik an der "New Economy", dem neuen Zeitalter des E-Business. Die Argumente des 70jährigen Buffett kamen den jungen Elitestudenten überholt vor. Kurs-Gewinn-Verhältnis, Kapitalrendite, Bewertungsrelationen - solche Kriterien schienen im High-Tech-Boom der späten 90er Jahre nicht zu zählen.

Buffett hielt seine Harvard-Rede auf dem Höhepunkt der Web-Euphorie. Doch am Jahresende hatte der kauzige Alte aus dem US-Provinzstädtchen Omaha all die smarten Jünger der New Economy weit abgehängt: Warren Buffet steht an der Spitze der "Winners & Losers" des Jahres 2000, die der US-Verlag Rich Register erstmals aufgestellt hat. Laut der Liste hat der legendäre Investor, den viele bereits abgeschrieben hatten, sein Vermögen im vergangenen Jahr um 12 Mrd. $ vermehrt.

Mit ihrem Star Buffett erlebt auch die so genannte "Value"-Strategie - also die Auswahl unterbewerteter Aktien - eine Renaissance. Nach einer bitteren Durststrecke übertrafen Value-Portfolios im Jahr 2000 den Gesamtmarkt um Längen. Zuvor waren sie den heißen New-Economy-Aktien jahrelang hinterher gehinkt. Das zeigt auch der Kurs von Berkshire Hathaway, Buffetts Holdinggesellschaft. Von der Berkshire-Zentrale in Omaha aus steuert der Multi-Milliardär sein Imperium.

Kaufe nur, was du verstehst

Das Value-Prinzip lautet im Kern: Kaufe unterbewertete Aktien und warte, bis die Börse ihren wahres Wert erkennt. Das Gegenstück dazu ist die Growth-Strategie. Danach zählt nicht die aktuelle Bewertung, sondern nur das Wachstum für die künftigen Kurschancen. Als Schöpfer des Value-Ansatzes gilt Benjamin Graham, der 1934 mit David Dodd das Buch "Security Analysis" veröffentlichte - bis heute ein Standardwerk. Grahams Vorlesungen beeinflussten Buffett stark, der den Value-Pionier als Student an der Columbia-Universität kennen lernte.

Buffetts Anlagestrategie kontrastierte scharf mit der jahrelangen High-Tech-Euphorie der Börsen. So lautet ein zentraler Leitsatz des Börsen-Gurus: "Kaufe nur, was du verstehst." Firmen mit vagen Geschäftsideen für kaum existierende Märkte mied er konsequent, heiße Web-Aktien rührte er nicht an. Er blieb lieber bei seinen Favoriten aus der Old Economy, darunter Coca-Cola und Gillette. Erst kürzlich stieg Buffett bei einer Teppichfirma und einem Hersteller von Baumaterialien ein - zwei Uralt-Branchen, bei denen die feine Finanzwelt die Nase rümpft.

Noch vor neun Monaten schien Buffetts Stil völlig überholt: Internet-Aktien stiegen schier unaufhaltsam, Werte der Old Economy kamen dagegen nicht vom Fleck. Die teils grotesken Bewertungsniveaus der High-Tech-Titel störten offenbar niemanden. Analysten empfahlen Aktien selbst bei dreistelligen Kurs-Gewinn-Verhältnissen, denn stets fand sich ein Wert, der noch haarsträubender bewertet war. Auch andere Börsenstars wie George Soros und Julian Robertson erlitten in dieser Zeit herbe Verluste. Robertson löste seine berühmten Tiger-Hedgefonds auf, weil die laufenden Kosten die Erträge zu übersteigen drohten. Unterdessen feuerte der schillernde Hedgefonds-Star Soros langjährige Vertraute und baute seine Fonds nach schmerzhaften Verlusten radikal um.

Buffett dagegen hielt an seinen Prinzipien fest, obwohl seine Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway herbe Kursrückschläge kassierte. Doch Buffett , der gerne mit Jeans, Baseballkappe und Hornbrille als "netter Milliardär von nebenan" auftritt, blieb stur. Er investierte weiter in seine Versicherungs-Beteiligungen, die zeitweise hohe Verluste machten. Das Geschäft werde sich bald erholen, beschwor Buffett die Berkshire-Aktionäre im Jahresbericht 1999 zum Durchhalten.

Wer ihm vertraute, wurde reich belohnt: Der Berkshire-Kurs schoss nach oben, und auch die Versicherungs-Töchter schreiben wieder schwarze Zahlen.

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