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13.02.2002

16:24 Uhr

Standleitung auf Kosten der Steuerzahler

Wallner wegen Sex-Telefonaten verurteilt

Wegen Sextelefonaten auf Kosten des bayerischen Steuerzahlers hat das Landgericht München den Ex-CSU-Abgeordneten Hans Wallner zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt.

ap MÜNCHEN. Die Strafkammer bestätigte damit am Mittwoch eine Entscheidung des Amtsgerichts wegen Betrugs, gegen das sowohl der heute 51-jährige Politiker als auch die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt hatten. Zusätzlich muss Wallner 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und mit Monatsraten von 50 Euro den Schaden von 26 800 DM ersetzen.

Der ehemalige Landtagsabgeordnete aus dem niederbayerischen Deggendorf hatte von Januar bis April 1997 von seinem Parlamentsappartement im Landtag 504 Mal mit Flirthotlines telefoniert. Im April 1999 wurde er deshalb in erster Instanz wegen Betrugs verurteilt. Die Staatsanwaltschaft forderte im Berufungsprozess eine 13-monatige Bewährungsstrafe und 100 Stunden gemeinnützige Arbeit, der Verteidiger legte sich nicht fest.

Der Vorsitzende Richter Alois Hundhammer erklärte, es gehe "nicht um die Aburteilung eines Sexmonsters, sondern um eine menschliche Tragödie". Strafmildernd habe sich der "Suchtcharakter" seiner Straftaten ausgewirkt. Wallners Hemmungsvermögen sei erheblich gestört. Aber der 1998 von der CSU nicht wieder als Landtagskandidat nominierte Politiker sei ein "ehrenwerter, tüchtiger" Mann, sagte Hundhammer. Weil er auf absehbare Zeit ohne Arbeit sei und gegenüber seiner Frau nur einen Anspruch auf Unterhaltszahlungen und Taschengeld habe, müsse Wallner statt einer Geldbuße von 20 000 DM an einen gemeinnützigen Verein 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Hundhammer kritisierte, dass "das Landtagsamt es ihm besonders leicht gemacht hat". Es habe die Parlamentarier nicht informiert, dass Privatgespräche verboten seien. Wallner habe fünf vernommene Zeugen zu einer Falschaussage angestiftet und damit "ein Komplott geschmiedet". Die Zeugen hatten dem Angeklagten ein Alibi verschaffen sollen. Wallner und die Staatsanwaltschaft prüfen eine Revision des Urteils.

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